"Traube" endlich in neuen Händen

  • Thomas Brückner
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Laubach(tb). Das Verfahren zur Zwangsversteigerung des Traditionsgasthauses "Traube" an der Laubacher Ortsdurchfahrt ist nach bald zwei Jahren endlich zum Abschluss gebracht worden: Ein für gestern Morgen anberaumter Termin im Saal 205 des Amtsgerichtes Gießen wurde aufgehoben. Auf Antrag der Hauptgläubigerin, der EOS GmbH mit Sitz in Mühlheim an der Ruhr, stellte das Gericht das Verfahren aufs Neue ein - diesmal allerdings endgültig.

Ermöglicht wurde dies, da zwischenzeitlich sogenannter freihändiger Verkauf erfolgt ist. Nach Informationen der Gießener Allgemeinen Zeitung steht hinter dem Erwerber ein Laubacher Privatmann.

Der gestrige Termin wäre bereits der vierte Anlauf gewesen, die gesetzlichen Wertgrenzen (Mindestgebote von fünf und sieben Zehntel) waren weggefallen. Theoretisch hätte die "Traube" also für gerade mal 50 000 Euro - so das Höchstgebot beim zweiten Termin - über den Tisch gehen können. Freilich nur theoretisch.

Im vierten Termin keine Wertgrenzen

Zur Erinnerung: Die "Traube", wie das Wohn- und Geschäftshaus samt Lokal und Gasthaus bis heute im Volksmund heißt, hatte 2018 erstmals zur Versteigerung gestanden. Für das Anwesen mit einem "Flächengehalt" von rund 1650 Quadratmetern, einer Wohnfläche von rund 375 und einer Nutzfläche von 752 Quadratmetern hatte der Gutachter einen Verkehrswert von 385 000 Euro ermittelt. Ein erster Termin im Spätsommer des vorvergangenen Jahres am Amtsgericht blieb ohne Zuschlag: Die Volksbank Mittelhessen als damalige Hauptgläubigerin lehnte das Gebot zweier privater Interessenten in Höhe von 270 000 Euro ab.

In der Folge gab es gar Erwägungen der Stadt, wie der Kreis selbst Gläubigerin mit allerdings kleineren, nachrangigen Forderungen, das Anwesen zu erwerben. Motiv waren negative Erfahrungen, wonach als Folge steigender Mieten in Gießen solche Objekte zu einem "sozialen Brennpunkt" werden können. Die Mehrheit freilich lehnte es am Ende ab, sich einen weiteren "finanziellen Klotz ans Bein zu binden".

Der dritte und - wie sich jetzt zeigen sollte - auch letzte Versteigerungstermin fand Anfang 2019 statt. Inzwischen war die EOS Immobilienworkout GmbH im Boot; eine Verwertungsgesellschaft, vulgo Kreditaufkäuferin.

Zwei Interessenten waren damals im Amtsgericht Gießen erschienen, doch nur eine Partei gab am Ende ein Gebot ab: die Türkisch-Islamische Gemeinde Laubach-Grünberg, die eine Umnutzung zum Gemeindezentrum erwog. Die Rechtsvertreter der Hauptgläubigerin aber lehnten das Gebot von 200 000 Euro ab. Das Verfahren war eingestellt - zunächst aber nur vorläufig.

Hatte doch die EOS GmbH ("Mit uns bleibt keine Rechnung offen") einige Monate Zeit, eine Lösung zu finden. Das dürfte jetzt mit dem freihändigen Verkauf an einen Laubacher Privatmann gelungen sein.

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