Wird zur neuen Post, betrieben von der städtischen Service-GmbH: Ladengeschäft in Laubachs Bahnhofstraße 18. FOTO: AEN
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Wird zur neuen Post, betrieben von der städtischen Service-GmbH: Ladengeschäft in Laubachs Bahnhofstraße 18. FOTO: AEN

Stadt übernimmt Postagentur

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach Laubach(tb). Kommunalisierung ehedem staatlicher Aufgaben im Kleinen: Die Stadt Laubach wird Betreiber der Post in der Kernstadt. Dafür mietet die "LTS GmbH" als 100-prozentige Tochter ein leer stehendes Geschäft in der Bahnhofstraße an und investiert 36 000 Euro in die Renovierung. Am 1. April ist Eröffnung.

Keine private Alternative

Der Vertrag mit der bisherigen Agentur in der Stiftstraße ist aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt. Also drohte die Verlagerung an die Peripherie, etwa in einen Markt. Oder - sofern neben Rewe auch andere absagten - in einen Container als Übergangslösung, ist die Post doch ab 2000 Einwohnern verpflichtet, die Versorgung sicherzustellen.

Dass ein weiterer wichtiger Frequenzbringer der ohnehin von Leerständen "gebeutelten" Altstadt abhanden käme, dies gelte es unbedingt zu vermeiden, betonte Klug am Dienstagabend vor dem Notausschuss. Die Zeit dränge, der Vertrag für die Stiftstraße sei nur um einen Monat verlängert worden. Weswegen Klug die Bewilligung der 36 000 Euro durch das "Ersatzparlament" beantragte.

Die Jahresmiete für den 125 qm großen Laden (inklusive Sozialräume) beträgt 12 000 Euro. Angesichts der Fläche wäre noch Platz für einen Untermieter. Klug könnte sich etwa einen Regionalvermarkter vorstellen. Und zeigte sich mit Hinweis auf geprüfte Bilanzen optimistisch, auf eine schwarze Null zu kommen. Zumal die Stadt als Kunde zurückkäme, womöglich eine Lotto-Annahmestelle hinzukomme. Für das auf zehn Jahre angemietete Objekt spricht laut Klug die Lage (kein Durchgangsverkehr, Nähe zu Parkplatz), aber auch die Barrierefreiheit.

FBLL: Gibt Stadt auch den Tankwart?

Hinter dem Postschalter wird meist die bisherige erfahrene Betreiberin stehen, künftig nur als Angestellte der Laubacher Tourismus und Service GmbH. Ein Nachteil der Agentur aber wird bleiben: Postbankleistungen sind nicht im Angebot. Klug mit Blick auf die Stadtverordneten: "Wir sollten ein Zeichen setzen."

Den Rückzug des Staates aus vielen Bereichen der Daseinsvorsorge bedauerte wie der FW-Politiker auch CDU-Mann Björn Erik Ruppel und nannte als Beispiel die miese Internetversorgung in Altenhain. Doch im Grundsatz zeigte er sich überzeugt: "Private sind die besseren Unternehmer." Dass er alle Geschäfte durchgegangen sei, Gespräche geführt, jedoch keine Alternative gefunden habe, etwa wegen fehlenden Platzes für die Postfächer, hielt dem Klug entgegen.

Vor allzu viel Lokalpatriotismus warnte Dr. Lambert Baumann (FBLL) und fragte, ob die Stadt denn auch bei einer Schließung der Tankstelle in Laubach einspringen würde. Dies, so der Verwaltungschef lapidar, stehe nicht zu befürchten. Der freilich auf die Einwände von Siegbert Maikranz (CDU), wonach die Stadt am Ende drauflegen müsse, eingestand: "Ja, die Miete könnte der Knackpunkt sein." Doch sei es mit einem Partner zu schaffen. "Wenn Sie Ideen haben, her damit!" Dr. Ulf Häbel und Dr. Wolf-Dieter Schulz (FW) sowie Hartmut Roeschen (SPD) unterstützten den Plan als Beitrag zur Stärkung der Innenstadt - trotz erwarteten Zuschussbedarfs. Ebenso Michael Köhler (Grüne): Auch da Leerstand beseitigt werde, sind es ihm die 12 000 Euro wert. Bei nur einem Nein der FBLL und einer Enthaltung von Ralf Schmidt (BfL) stand am Ende eine breite Mehrheit zu Protokoll.

Der Beschluss erfordert übrigens keine Korrektur am Etat 2021, die Miete ist bereits eingepreist, für die Renovierung stehen Reste aus 2020 bereit.

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