Im Sinne der Innenverdichtung

Laubach(tb). Die Förderung des ländlichen Raums hat Tradition in Hessen. Über Jahrzehnte hinweg gewährte Wiesbaden Zuschüsse für Projekte der "Dorferneuerung". Vor rund zehn Jahren dann der Wechsel hin zu "IKEK". Der neue Name ist Programm: Statt Wohn- und Lebensqualität "nur" in einem Dorf zu mehren, geht es jetzt um ein Integriertes Kommunales Entwicklungs-Konzept, ist der Blick auf die gesamte Großgemeinde zu richten.

Keine weiteren "Potenzialflächen"

Auch in Laubach, das seit 2014 ins Programm aufgenommen wurde. Auf zehn Jahre ausgelegt, werden kommunale Vorhaben mit einer Million Euro gefördert.

Zu den zentralen Zielen von IKEK zählt die "aktive Gestaltung des demografischen Wandels", der Erhalt beziehungsweise die Schaffung einer "guten Wohn- und Lebensqualität" sowie das "Stärken der zentralen Funktionen in den Ortskernen". Heißt mithin: Innenentwicklung hat Vorrang. Während der Förderperiode sind großzügige Neubaugebiete im Außenbereich nicht erlaubt. Einzig genehmigt werden noch kleinere Arrondierungen und/oder das Schließen von Baulücken.

Laubach hat sich der Aufgabe angenommen, hat eigens auch einen Leerstandsmanager eingestellt, um verwaiste Anwesen einer neuen Nutzung zuzuführen. Michael Köppen füllt seither diese "Schnittstelle" zwischen Bürger und Verwaltung aus, berät Hausbesitzer, vermittelt Kontakte zum Bauamt oder zum Stadtplaner, macht auf IKEK-Förderungen aufmerksam. Denn unabhängig von kommunalen Maßnahmen werden private Sanierungen bezuschusst (in der Regel maximal 35 Prozent oder 45 000 Euro, für denkmalgeschützte Anwesen bis zu 60 000 Euro). Das Programm kommt an: Die Beratungsprotokolle füllen bereits mehrere Aktenordner.

Dennoch werden seit Längerem bereits die Rufe lauter, es mangele in der Großgemeinde an Flächen für Neubauten. Dass die Nachfrage wieder angezogen habe, dafür wird der rasche Verkauf der Parzellen in der Schottener Straße - die Urplanung reicht weit zurück - als Beleg genannt. Um dem Bedarf zu entsprechen, hat die Stadt jetzt eine knapp 10 000 qm große Wiese "Auf den Röden" in der Kernstadt ins Auge gefasst. Oberhalb der Gießener Straße ist Platz für zehn Einfamilienhäuser. Einen Teil der Flächen hat die Stadt an einen Landwirt verpachtet, der Rest ist Privatbesitz.

Das Vorhaben war jüngst Thema im Ortsbeirat. Der aber, so Ortsvorsteher Günter Haas, sprach sich mehrheitlich dagegen aus: Man habe den Interessen bzw. Zukunftsplänen des Landwirts entsprochen, der die Wiese behalten wolle und der Stadt Flächen am Ortsausgang Richtung Wetterfeld angeboten habe.

Die aber liegen im Außenbereich, und so stimmten die Stadtverordneten für die Vorlage der Verwaltung. Die setzt nun die Aufstellung des Bebauungsplans aufs Gleis.

Wie es weiter hieß, stehe ansonsten nurmehr die mit drei, vier Parzellen noch kleinere Fläche gegenüber der Kita "Weltentdecker" auf der Agenda. Darüber hinaus gebe es aktuell in der Großgemeinde keine weiteren "Potenzialflächen", die mit der bis 2024 laufenden Dorferneuerung neuer Zeitrechnung "kompatibel" wären.

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