Bei Regen, Nebel oder zu vielen Nutzern in großen Teilen Altenhains unzureichend: funkbasiertes Internet. Bestätigung erbrachte nun eine Befragung, dessen Ergebnisse Stadtverordnetenvorsteher Kühn in Laubachs Rathaus erläutert hat. FOTO: TB
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Bei Regen, Nebel oder zu vielen Nutzern in großen Teilen Altenhains unzureichend: funkbasiertes Internet. Bestätigung erbrachte nun eine Befragung, dessen Ergebnisse Stadtverordnetenvorsteher Kühn in Laubachs Rathaus erläutert hat. FOTO: TB

Quantensprung für Altenhain?

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach(tb). Eine gute und eine schlechte Nachricht gibt es für Altenhain, dessen 350 Einwohner seit Jahren unter einem unzureichenden, weil funkbasierten Internet leiden. Zuerst die schlechte: Kurzfristig wird sich an der Misere nichts ändern. Laut dem Telekommunikationsunternehmen Goetel wurden im Oktober 2019 die Antennen aufgerüstet, "ist damit Maximum der Technik" erreicht. Die gute Nachricht: Mittelfristig könnte Laubachs höchstgelegener Ortsteil den aktuellen High-End-Standard erhalten. Statt nicht zukunftsfähigem Richtfunk Glasfaser, und das bis ins Haus - ein Quantensprung.

Die Klagen der Altenhainer über völlig unzureichende Datenraten - "schon gar bei Regen und Nebel", wie es ein Bürger formulierte - hatten jüngst aufs Neue das Stadtparlament beschäftigt. Einig war man sich mit Ortsvorsteher Andreas Schöneborn: Es braucht öffentlichen Druck, der ursprüngliche Anbieter OR-Network (OR-N) sollte bestenfalls "Altenhain aus seinen Krallen lassen". Einig aber war sich das Plenum am Ende auch, Sprecher des OR-N-Nachfolgers Goetel zunächst einmal im Hauptausschuss anzuhören (die GAZ berichtete).

Bedingung: 107 Verträge

In der von einem guten Dutzend Altenhainern verfolgten Sitzung am Dienstag räumte Stefan Finger, Projektleiter des Göttinger Unternehmens, die eklatanten Qualitätsmängel ein. Um kurz darauf diese Ankündigung zu machen: Da bereits im Nachbardorf Ulrichstein-Wohnfeld mit dem Glasfaserausbau beschäftigt, werde man prüfen, ob eine Zuleitung ins zweieinhalb Kilometer entfernte Altenhain technisch machbar sei. Falls ja, erfolge der Anschluss an den Schaltschrank der Telekom, wären dank Vectoring schon mal Datenraten von bis zu 100 MBit/s möglich. "Dann bauen wir die Funkversorgung ab." In zwei Monaten dürfte feststehen, wie und ob man bauen werde.

Dann jene Aussage, die die freudige Erwartung der Besucher noch gesteigert haben dürfte: Stehe die Zuleitung, werde Goetel - "als Teil des Bauer-Verlags mit ausreichend Kapital ausgestattet" - Glasfaserleitungen bis ins Haus verlegen. Einzige Bedingung: Es muss sich rechnen. Laut Finger braucht es eine Mindestanschlussrate von 60 Prozent der Haushalte statt bislang nur 38 Prozent oder 107 statt bislang 68 Kunden. Spätestens 18 Monate nach Abschluss wären die Leitungen installiert. In Bälde soll es dazu eine Info-Veranstaltung in Altenhain geben.

Um die vielbeklagte Misere mit belastbaren Daten zu untermauern, hatte Stadtverordnetenvorsteher Joachim M. Kühn Fragebögen an die Altenhainer Haushalte verteilt. Immerhin 34 Prozent machten mit. Das von Kühn dem Ausschuss erläuterte Ergebnis fiel "ernüchternd" aus: So gaben gerade mal 21 Prozent an, die Internet-Verbindung funktioniere "zufriedenstellend", 65 Prozent kreuzten "eingeschränkt" an, 14 Prozent "gar nicht". Besonders eklatant war das Versagen des Hausnotrufs nach der Umstellung der Festnetzes auf internetbasierte Telefonie (VoIP).

Wie bereits Bürgermeister Klug erläuterte Stefan Becker, Geschäftsführer der kommunalen Breitband Gießen GmbH, nochmals die bekannte Historie. Wesentlich: Da seinerzeit OR-N zum Zuge kam, lag kein "Marktversagen" vor, hatte und hat die öffentliche Hand keinen Zugriff. Altenhain gelte daher als "versorgt", bleibe also auch beim aktuellen dritten Ausbauschritt, der Nachverdichtung der "weißen Flecken" mit Datenraten von unter 30 Mbit/s außen vor.

Bund will "graue Flecken" tilgen

Hilfreich aber könnte, auch für Altenhain, das neue Förderprogramm des Bundes sein: Becker zufolge zielt es darauf ab, in vier bis fünf Jahren auch jene "grauen Flecken" (unter 100 Mbit/s) an die Datenautobahn anzuschließen, bei denen kein öffent- licher Ausbau möglich sei.

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