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Am zweiten Verhandlungstag stand ein vermeintlicher Freund des Opfers im Fokus.

Landgericht

Prozess um brutalen Überfall in Gonterskirchen: Notrufe zeigen Ausmaß der Tat

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Vier junge Männer stehen wegen eines brutalen Überfalls in Gonterskirchen vor Gericht. Am zweiten Verhandlungstag ging es um Notrufe - und einen vermeintlichen Freund und seine zwielichtige Rolle.

Eine angespannte Stimmung herrscht im Gerichtssaal, als die Stimmen aus dem Lautsprecher des Saales dringen. Es ist ein Notruf, den ein junger Mann am 21. März abgesetzt hat - kurz zuvor hatte er zusammen mit vier anderen Männern einen 54-Jährigen in Gonterskirchen überfallen. Besonders schockierend: Der 19-Jährige, der um Hilfe rief, und das Opfer des Überfalls waren befreundet.

Ursprünglich sollte der 19-Jährige, der das Opfer gewissermaßen an die anderen vier Angeklagten verraten hatte, am Dienstag im Gießener Landgericht aussagen. Doch der junge Mann machte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Aus Sicht des Gerichts ist er zwar straffrei von der Tat zurückgetreten. Möglicherweise aber hätte er sich mit einer Aussage selbst belasten können.

Prozess um Überfall in Gonterskirchen: Verwirrende Aussagen

Die vier Beschuldigten, allesamt junge Männer aus Mittelhessen, gaben zu, am Tatabend vor Ort gewesen zu sein und zuvor Drogen konsumiert zu haben. Doch was ist an jenem Märztag genau passiert? Das ist bislang immer noch nicht ganz klar, die vier Angeklagten machten bislang verwirrende Angaben zu den Geschehnissen.

Laut Anklage sollen zwei der Beschuldigten am Nachmittag zuvor mit einem ebenfalls angeklagten Fahrer nach Gonterskirchen gefahren sein und das spätere Opfer ausgekundschaftet haben. Zwei Wochen zuvor, das hatte einer der Männer während des ersten Verhandlungstages gesagt, habe ein "Tippgeber" sie auf einen "Hinterwälder" hingewiesen, der Marihuana verkaufe. So sei der Entschluss gereift, ihn auszurauben. Bei dem "Tippgeber" soll es sich um den 19-jährigen Zeugen gehandelt haben. Der ursprünglich Plan soll es gewesen sein, dabei keine Gewalt anzuwenden. Man wollte nach Aussage der Angeklagten das Opfer nur einschüchtern und zur Herausgabe der Drogen zwingen. Doch als der 54-Jährige die Tür öffnete, schlug der Hauptangeklagte mit einem Baseballschläger zu und traf den Mann am Kopf. Es folgten ein Angriff mit Pfefferspray und weitere Schläge mit dem Baseballschläger. Dann ging der 19-Jährige dazwischen.

Prozess um Überfall in Gonterskirchen:  Hauptangeklagter nimmt Stellung

Wohl schockiert von dem plötzlichen Gewaltausbruch floh der junge Mann mit dem 54-Jährigen in dessen Haus und verriegelte die Tür. Auch auf Rufe seiner Bekannten öffnete er nicht und setzte zwei Notrufe ab. Später stellte sich heraus, dass das Opfer eine lebensgefährliche Lungenverletzung von dem Angriff davongetragen hatte. Bei der Durchsuchung des Hauses des Opfers in einer Ferienhausanlage in Gonterskirchen fand die Polizei zudem rund ein Kilogramm Marihuana sowie eine Indoor-Plantage mit weiteren Hanf-Pflanzen.

Aufgrund der fehlenden Aussage des Zeugen wurden deshalb am Dienstag vor allem die Notrufe behandelt, die der 19-Jährige getätigt hatte. In Panik bat er die Polizei um Hilfe. Im Hintergrund waren Schmerzenslaute und röchelnder Atem des schwer verletzten Opfers zu hören. Das bewog auch den Hauptangeklagten dazu, eine Stellungnahme durch seinen Verteidiger abzugeben: "Er wusste nicht, wie schwer er den Mann verletzt hatte und ist sichtbar schockiert", sagte der Verteidiger.

Der Prozess wird am 8. Oktober fortgesetzt.

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