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Feridun Zaimoglu im Gespräch mit Anna-Lena Heid.

Noch für kein Buch so harsch kritisiert

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Laubach (dis). Mit Feridun Zaimoglu kam nun ein weiterer namhafter Autor nach Laubach. Im Rahmen der Reihe "LeseLand Gießen" der OVAG stellte er seinen Roman "Die Geschichte der Frau" vor. Wie er selbst sagt, ein "unverfrorenes Bekenntnis zur Notwendigkeit einer neuen Menschheitserzählung - aus der Sicht der Frau". Zaimoglu lässt zehn außerordentliche Frauen zur Sprache kommen, vom Zeitalter der Heroen bis in die Gegenwart. Antigone, Judith, Brunhild, Lore Lay oder etwa Valerie Solanes lässt er auferstehen, verleiht ihnen eine kraftvoll-poetische, subversive Stimme in einer Welt, von der sie bis heute oft nicht wahrgenommen werden. Weil die Wahrheit von Männern getilgt wurde, sich die Lüge oft zur Sage verdichtete. Mit seinem Buch will er Frauen sprechen zu lassen, die "schweigend unsichtbar" bleiben mussten.

Im Dialog mit Moderatorin Anna-Lena Heid (Literarisches Zentrum Gießen) machte Zaimoglu deutlich, dass er auf keinen Fall etwas mit der "Viagra-Prosa" älterer Schriftsteller zu tun haben möchte, in der Frauen auf den ersten Blick der Männer dahinschmelzen. Für sein jüngstes Buch hat er zahlreiche Quellenstudien betrieben, die Figuren bewusst ausgesucht. Zaimoglu lässt sie nun in seinem nüchternen, aber mitreißenden Schreibstil in der Ich-Form erzählen, passt dabei ihre Sprache der zeitgenössischen Ausdrucksform an, spart nicht mit drastischen Wendungen. Spannungsgeladen, ja äußerst subversiv und teilweise gar bedrohlich kommen die von ihm beschriebenen Figuren und Botschaften daher. Bis zu einem gewissen Punk falle er der Selbstironie anheim. Doch um ernst genommen zu werden, dürfe man nicht "unanständig sein, wenn man zynisch wird".

Für sein Buch habe er teilweise harsche Kritik hinnehmen müssen, merkte Heid an, und fragte, ob über die Geschichte der Frau zu schreiben nicht anmaßend sei. Zaimoglu bestätigte, dass noch keines seiner Bücher so angefeindet worden sei. Man habe ihm etwa einen wiedererkennbaren Stil vorgeworfen und dass er nichts für die eigene Identität geleistet habe, ja reaktionär sei. Was er freilich als Ausdruck der Krise der deutschen Literaturkritik fasse.

Ob denn ein aktuelles Projekt anstehe, fragte Heid zum Abschluss. Nach kurzem Zögern bestätigte er, dass er 2020 mit einem sehr kontroversen Buch über die deutsche Geschichte auf den Markt kommen wird.

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