Neue Chancen für den Tunnel

  • Thomas Brückner
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Laubach(tb). Mit 133 Metern ist er gut einen Kilometer kürzer als der Milseburg-Tunnel, der bereits mehrfach als Beispiel für Radwege mit einem besonderen Kick angeführt wurde. Dennoch: Auch der Freienseener Tunnel wäre ein Schmankerl für den Radweg auf der Trasse der 1959 stillgelegten Seentalbahn.

Ziel: Rad- und Auto- verkehr entflechten

So sieht es auch Markus Stiehl, der als Prokurist der Laubacher Service und Tourismus GmbH seit Jahren die Planungen für den Lückenschluss des Bahnradwegs von der Wetterau in den Vogelsberg vorantreibt. Seit Kurzem weiß er gleich mehrere Mitstreiter auf seiner Seite.

Nicht nur den Landkreis Gießen, der das Projekt in seinem Radwegekonzept mit Priorität versehen hat. Nicht nur die Gemeinden Grünberg und Mücke, auf deren Gemarkung der weitere Ausbau erfolgen soll und die mit Laubach eine Absichtserklärung verfasst haben. Nach einem Ortstermin der Radwegebeauftragten und des Amtsleiters steht auch Hessen Mobil zu dem Vorhaben. "Das Projekt ist genau das, was wir uns wünschen und fördern wollen", zitierte Stiehl im GAZ-Gespräch die Vertreter der Landesverwaltung.

Was gewünscht wird: Ein spezielles Förderprogramm von Bund und Land zielt auf die Entflechtung von Rad- und Autoverkehr ab, um Pendlern sichere Verbindungen zu schaffen. Für die Umwidmung der alten Bahntrasse zwischen dem jetzigen Endpunkt Laubacher Wald und Mücke darf man Stiehl zufolge auf einen hohen Zuschuss von über 90 Prozent hoffen. Die Chancen dafür schätzt er nach Rücksprache mit Hessen Mobil als "sehr wahrscheinlich" ein. Vor diesem Hintergrund sollte Laubach jetzt das gebotene Signal senden und die Aufträge an Planungsbüros beschließen. Wohlgemerkt inklusive Tunneldurchfahrt. Sozusagen als Kollateralnutzen, heißt als Attraktion für die touristische Zielgruppe.

Zumal die lange ungeklärten Besitzverhältnisse sich zu klären beginnen: Ein Großteil der laut Stadt baulich intakten Röhre gehört Hessen Mobil als Eigner der Straßenflächen oberhalb davon. Blieben noch die etwa zehn Meter tiefen Grundstücke an den Eingängen, die im Besitz von Privatleuten sind. Wozu der Lauterbacher gehört, der im unteren großen Eisenbahntunnel - in den 1930ern als zweite Röhre für geplanten, aber nie ausgeführten Ausbau der Seentalbahn durch den Fels getrieben - eine Pilzzucht betreibt. Und auch zum Verkauf des Grundstücks bereit sei, wie Bürgermeister Klug betont. "Auch das ist eine Frage des Preises", ließ der wissen. Aber auch, dass der Besitzer bis dato keine Pachtverträge vorgelegt habe.

Doch strebt die Stadt ein Einvernehmen an, zeigt Verständnis für den Unternehmer, da dieser den zweiten Tunnel benötigt, um per Gebläse die für die Pilzzucht benötigte Luftfeuchtigkeit und Temperatur zu schaffen. Entsprechend lautete jüngst der Einwurf von FBLL-Sprecher Dirk Hofmann. Der Freienseener: "Er braucht beide Röhren, man sollte sich daher keine Illusionen machen, dass er nur einen Tunnel veräußert." Dem wiederum widerspricht Klug, der auf technische Alternativen verweist, um das passende Klima zu schaffen.

Planungsauftrag als Signal ans Land?

Bleibt nun abzuwarten, ob Laubach das von den Touristikern, aber etwa auch den Grünen ("Ohne Tunnel macht der Radweg keinen Sinn. Wir müssen hier an einem Strang ziehen", Michael Köhler) erhoffte Signal gibt und die Planungsaufträge erteilt. Dass auch diese Kosten gefördert würden, hofft Markus Stiehl. Und auch, dass dann selbst die letzten Fragezeichen hinter den Besitzverhältnissen durch den Justiziar des Haupteigners Hessen Mobil beseitigt würden.

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