Mutige Schritte zur Gleichberechtigung

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Laubach (pm). In der evangelischen Stadtkirche Laubach wurde die Ausstellung »Mutige Schritte. 50 Jahre Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Pfarrdienst« eröffnet. Pfarrer Jörg Niesner betonte in seinem Vortrag, es sei zwar heute in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ganz normal, dass Pfarrerinnen auf der Kanzel stehen und predigen, aber auch heute gebe es noch Vorbehalte.

In einem Videointerview erläuterte Theologin und Pfarrerin Jolanda Gräßel-Farnbauer die mutigen Schritte, die nötig waren, bis 1970 die Synode der EKHN ein Gesetz verabschiedete, dass die völlige rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst regelte. Ein Meilenstein in der Geschichte der EKHN und für die Bundesrepublik Deutschland. Erstmals wurden in einem Beamtenrecht Frauen und Männer bei allen Rechten und Pflichten gleich behandelt. Frauen wie Männer konnten sich etwa bei familiären Verpflichtungen beurlauben lassen oder eine Stelle in Teilzeit übernehmen.

Erinnerungen an Konfirmandenzeit

Auch in Laubach wurde die Gleichstellungsgeschichte des Pfarrberufs mitgeschrieben. Jolanda Gräßen-Farnbauer und Pfarrer Jörg Niesner gingen auf Therese von Helmolt ein, die 1961 im Alter von 57 Jahren, nach zahlreichen beruflichen Stationen, nach Laubach kam, um doch noch ihren »Lebenstraum« zu verwirklichen, nämlich Pfarrerin zu werden.

Der lebenslange Titel der Theologinnen in der Kirche war damals eigentlich Vikarin. Helmolt durfte als eine der ersten nach ihrer Ordination im September 1962 die Amtsbezeichnung »Pfarrerin« tragen und war in Laubach, wie es der alten Pfarrdienstordnung aus dem Archiv der Kirchengemeinde zu entnehmen ist, in allen pfarramtlichen Bereichen eingesetzt. Nach ihrer Zeit in Laubach trat Fräulein von Helmolt - Pfarrerinnen durften damals gemäß dem Beamtenrecht noch nicht heiraten - eine Stelle in Ilbeshausen im Vogelsberg an. Anwesende konnten sich noch an den Konfirmandenunterricht bei ihr erinnern und waren erstaunt ob der geschichtlichen Tragweite ihrer Amtszeit in Laubach. Es seien oft die ganz praktischen positiven Erfahrungen wie die mit Pfarrerin von Helmolt in Laubach gewesen, die die Akzeptanz weiblicher Pfarrpersonen in der Kirche voran gebracht hätten, so Pfarrer Niesner.

Viele Ehren- und Hauptamtliche in der Kirche mussten für die Erarbeitung und den Beschluss des gemeinsamen Pfarrdienst-Gesetzes mutig sein. Sie mussten sich von vertrauten Vorstellungen lösen, theologische Traditionen und alltägliche Konventionen hinterfragen. Die Gültigkeit des Grundgesetzartikel 3 »Männer und Frauen sind gleich« musste in der Gesellschaft, aber auch in der Kirche in allen Bereichen erst durchgesetzt werden. Über Jahrzehnte hinweg bezweifelten viele Männer und auch recht viele Frauen, dass es eine Gleichwertigkeit der Geschlechter gibt, und dass Gleichheit in allen Belangen möglich ist.

Mit einer Ausstellung sollen diese vielen mutigen Schritte nun bewusst gemacht werden, erklärt Pfarrer Jörg Niesner. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Juli, täglich von 10 bis 19.30 Uhr, in der Evangelischen Stadtkirche Laubach zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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