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Da wollte er rein, jetzt ist er’s: Matthias Meyer, neuer Hausherr im Rathaus Laubach.

»Mit der Kraft der zwei Herzen«

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach (tb). Sein erster Tag im Amt war gerade mal sechs Stunden alt, da beantwortete er bereits die erste E-Mail in offizieller Mission: Matthias Meyer, seit gestern Laubachs Bürgermeister, ist offenbar kein Langschläfer. Vielleicht trieb den 51-Jährigen aber auch die Nervosität ob der neuen Aufgabe aus den Federn. Und mag sein, einer der ersten Gratulanten hat ihm deshalb eine Flasche »Doppelherz« geschenkt.

Weiß man doch um die beruhigende Wirkung schon seit 1919.

Das Chefzimmer wirkt äußerst aufgeräumt. Überbordendes Interieur ist Meyers Sache also nicht. Auch der hoch aufgeschossene Gummibaum (»ein Staubfänger«) fand keine Gnade.

»Ich möchte keine Jasager um mich haben, die Mitarbeiter sollen ihren kritischen Geist bewahren« - ein Satz, mit dem der Ex-Banker und -Coach seinen Führungsstil beschreibt. Mit unterschiedlichen Sichtweisen fließe mehr Know-how in eine Entscheidung ein; zudem fördere dies die Motivation der Kollegen. Sagt’s und stellt doch auch klar: »Ich habe meine eigene Position, scheue nicht vor Entscheidungen zurück.« Sätze, die sich seine Kollegen merken sollten.

»In den letzten Wochen ist einiges liegen geblieben«, schickt er voraus, als die Sprache auf die drängendsten Projekte kommt. Als Erstes nennt er nun das Kindergartenkonzept. Er plädiert für neue Waldgruppen in Gonterskirchen und Münster, was in Ruppertsburg und Wetterfeld Kapazitäten für U3-Plätze schüfe. Und: »In Lauter kommen wir wohl nicht um einen Neubau herum.« Vorrang hat für Meyer auch die Einstellung eines Jugendpflegers und das Kinder- und Jugendbüro. Letzteres kann er sich im Alten Bahnhof vorstellen. Und mehr, etwa ein Repair-Café oder Gastronomie, was sich ob der Nähe zum Radweg anböte. Dessen Weiterbau Richtung Freienseen, samt Sicherung der Förderung, auch für den Ankauf der Tunnelröhre, hat für ihn ebenso Priorität.

»Da gibt es ganz viele weitere Themen«, fährt er fort, verweist etwa auf die Baugebietsplanung am Schlosspark. Und natürlich auf den Marktplatz: Im Juli werde es dazu eine Anrainer- und Bürgerversammlung geben. Sein Ziel ist es, dass die Entwürfe des Stadtarchitekten wie des BürgerInnen-Teams zügig beraten werden, auf dass im September das Parlament entscheidet. Zwingend nötig sei das, da die im Dezember bewilligten Zuschüsse bereits ein Jahr darauf zu 50 Prozent verausgabt sein müssten.

Sein Vorgänger Klug erinnerte im »Abschlussgespräch« mit dieser Zeitung an die Knüppel, die ihm Vertreter der alten Mehrheit im Magistrat zwischen die Beine geworfen hätten.

Auch der unabhängige und parteilose Bürgermeisterkandidat Meyer, im Wahlkampf von SPD und Grünen unterstützt, hat keine Hausmacht, und CDU und FW haben sich jüngst die Mehrheit auch in der städtischen Exekutive gesichert. Dazu ist sein unterlegener Mitbewerber Ruppel Erster Stadtrat. Ein Problem?

»Nein«, sagt Meyer. Der sich nicht in der Situation sieht, »seine Schäfchen zusammenbringen zu müssen«. Sein Ansatz sei vielmehr, möglichst viele konsensuale Entscheidungen zu treffen. Dies hinzukriegen, dafür sehe er - zumal als Neu-Laubacher - mit dem neuen Magistrat gute Chancen. Dass mit Dr. Christiane Schmahl (Grüne) eine Politikerin mit Regierungs- und Verwaltungserfahrung ins Gremium einzieht, noch dazu von moderatem Stil, begrüßt er.

Gute Voraussetzungen also für einen weniger aufreibenden Einstieg für Klugs Nachfolger. Und falls es doch mal ruppig zugehen sollte, hat er ja noch jenes Wundermittel, das die »Kraft der zwei Herzen« verleiht und vor allem die Nerven stärkt.

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