Mehrheit übers Ziel gerettet

  • Thomas Brückner
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Laubach (tb). Der Trend war nicht ihr Freund: Nach Auszählung der Kopfstimmen hatten CDU und Freie Wähler statt 17 nurmehr 14 von 31 Mandaten errungen - die Mehrheit war perdu. Doch war am Sonntag nur ein gutes Drittel der knapp 3900 Wahlzettel ausgewertet. Gestern dann meldete Wahlleiter Andreas Stuff Vollzug, waren auch die Personenstimmen gezählt.

Und siehe da: Aus 14 sind 16 Sitze geworden.

Was vor allem an den FW liegt, die bei den Personenstimmen ordentlich zugelangt haben. Sie verlieren jetzt »nur« 3,2 Punkte, landen bei 28,7 Prozent und neun statt zehn Sitzen. Und da auch die CDU den siebten Sitz zurückgewinnt, steht die alte Mehrheit wieder. Und will dem Vernehmen nach weitermachen, und auch für klare Mehrheitsverhältnisse im Magistrat sorgen.

Enttäuscht vom Ergebnis sind vor allem Grüne und SPD: Deren Hoffnungen bzw. Appelle an den Souverän, dem von ihnen unterstützten neuen Bürgermeister Matthias Meyer (parteilos) eine parlamentarische Mehrheit zu verschaffen, wurden nicht erhört. Vor allem für die SPD kommt’s dicke: Das Plus von 3,9 Punkten aus dem Trendergebnis hat sich verflüchtigt, statt acht bleibt es bei sechs Sitzen. Einen hinzu gewinnt die FDP, das Plus von mageren 0,35 Punkten beschert ein zweites Mandat. BfL und FBLL verlieren einige Punkte, doch nur die Bürger für Laubach den zweiten Sitz.

Wie fast im ganzen Kreis trägt auch in Laubach der Gewinner Grün: plus 5,8 Punkte auf 15 Prozent, vier statt drei Sitze. Über das eigene Ergebnis sei er natürlich sehr erfreut, sehe als Anerkennung konsequenten Engagements für Themen für Klima- und Naturschutz vor Ort, sagte Fraktionschef Köhler. Gewünscht hätte er sich freilich ein insgesamt besseres Ergebnis für »Gut für Laubach«, um in eine andere Richtung gehen zu können. »Andere haben nun mal nicht genug dazugewonnen.«

»Mehr erhofft, aber wenigstens und gegen den Trend das Ergebnis gehalten« - SPD-Sprecher Hartmut Roeschen bereitet die Wahl zwiespältige Gefühle. Erhofft hatte er sich schon, seine Partei würde aus Meyers Sieg mehr profitieren. Die richtigen Themen habe man gesetzt, was v.a. für den Marktplatzumbau gelte. Für ihn belegt der Verlust von vier Punkten zwischen Trend- und Endergebnis (20,2 Prozent) eines: »Viele haben sehr früh Briefwahl gemacht, mag sein, der eine oder andere hätte später sein Kreuzchen nicht bei den FW gemacht.« Womit er auf jüngste Vorfälle in der Wieber-Straße abhebt. Für die neue Legislatur hofft er, der Einfluss des neuen Bürgermeisters möge so weit reichen, dass CDU/FW »nicht mehr jeden SPD-Prüfantrag ablehnen«.

Die Verluste nicht so recht erklären kann sich Dr. Ulf Häbel. Mag sein, so der Fraktionschef der FW, seine Wählergruppe komme nicht mehr so sehr als parteiferne Gruppierung rüber, vermittle den Eindruck, Teil eines Machtblocks zu sein. »Vielleicht haben sich die Laubacher mehr Vielfalt gewünscht.«

Fehler in der Sache sieht er nicht, zumal alle großen Parteien doch die wichtigsten Entscheidungen - Singalumnat, Gerätehaus und Freibad - mitgetragen hätten. Zumindest anfangs.

Offenbar sei die lautstarke Kampagne der SPD zulasten der FW gegangen, vor allem was den Marktplatz angeht, obwohl darüber noch nicht entschieden sei. Und die Dorfschmiede? »Das wurde zu uns rübergezerrt, dabei war das keine politische Geschichte.«

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