Bürgermeisterwahl Laubach

Matthias Meyer setzt nicht auf Platz, sondern auf Sieg

  • Thomas Brückner
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Am 6. Dezember ist Bürgermeisterwahl in Laubach. Mit dem unabhängigen Kandidaten Matthias Meyer, unterstützt von Grünen und SPD, könnte die Sache doch noch spannend werden.

Am Ende des Gesprächs macht Matthias Meyer eines klar: "Mir geht es nicht um einen Achtungserfolg." Wenn er bei der Bürgermeisterwahl antrete, wolle er auch gewinnen.

Was zunächst für die Kandidatur spricht: Nicht nur der studierte Dipl.-Ökonom hat ein "ernsthaftes Interesse" daran, auch aus den Reihen von Grünen und SPD sowie von "unabhängigen" Bürgern wird er dazu ermuntert. Führende Vertreter besagter Parteien zeigten sich auf GAZ-Anfrage sicher, Meyer werde die Unterstützung der Basis erhalten.

Anfang September wird sich’s weisen. Mitte des Monats, "vielleicht auch ein paar Tage früher", will der 50-Jährige seine finale Entscheidung kundtun.

Nach 20 Jahren im Management von Investmentbanken, oft mit 70-Stunden-Wochen verbunden, hatte der die Reißleine gezogen. Hatte sich selbstständig gemacht. Heute verdient er seine Brötchen als freiberuflicher Coach - mit Klienten aus dem Business, in dem er selbst einmal tätig war. Darüberhinaus bietet er, "aber nur als Hobby", Yoga-Kurse an.

Aufgrund familiärer Bezüge seiner Frau - der Großvater war in der Rentkammer beschäftigt - zog die Familie im letzten Oktober von Frankfurt nach Laubach. Nicht zuletzt wegen der drei Kinder.

Der Ex-Manager engagierte sich alsbald für den Verein "Naturkindergarten Seenbachtal", dessen Argumente am Ende doch die "Politik" überzeugte: Dank Unterstützung der Stadt konnte zum 1. August die Kita - die erste nicht in Trägerschaft des "Stifts" - ihren Betrieb aufnehmen.

Aller Voraussicht nach Unterstützung von Grünen und SPD

Der Einsatz für den Verein dürfte entscheidend gewesen sein für die schnelle Integration des Neubürgers. Und aus dessen Umfeld kamen dann auch die ersten Ansprachen. Im Sinne von: "Willst Du nicht kandidieren?!" Dass er sich das "grundsätzlich gut vorstellen kann", lautet heute seine Antwort auf die "K-Frage".

Abgesehen von den Mitgliederversammlungen von SPD und Grünen, von deren erwartbarer Unterstützung, will Meyer nun weitere Gespräche mit Freien Wählern und FDP führen. Vor allem aber mit "Unabhängigen", um sich eine breitere Basis zu schaffen, auf der er sein Programm ausformulieren möchte. "Es zeichnet sich bereits ab, in jedem Fall werde ich es zügig vollenden." Bis zur Wahl am 6. Dezember seien es noch 15 Wochen - Zeit genug, um richtig Gas zu geben.

Wesentlich ist ihm, den Impuls aus dem Kampf um den Naturkindergarten mit rüber zu nehmen: "Wenn Bürger etwas bewegen wollen, dann sollten sie es auch können." Gerade eine Stadt wie Laubach, die jedes Sparpotenzial gebrauchen könne, sollte bürgerschaftliche Initiativen nicht blockieren, sondern dazu ermuntern, betont Meyer - mag sein, in Erinnerung an die anfänglichen Widerstände gegen eine städtische Subventionierung des Naturkindergartens.

Digitalisierung als Chance für Laubach

Auch wenn sein Programm "noch im Werden" ist, ein Schwerpunkt steht bereits fest: die Bewahrung von Laubachs natürlichen Ressourcen. Wobei er als erstes an den Waldreichtum denkt. Weiter: Sofern der Ausbau digitaler Infrastruktur den ländlichen Raum erreiche, könne der mit diesen sogenannten "weichen Standortfaktoren" punkten, Neubürger aus Gießen oder aus dem Rhein/Main-Gebiet gewinnen. Meyer selbst sieht sich da als gutes Beispiel.

Und noch etwas steht für ihn bereits fest: "Ich bin unabhängig und bleibe es auch." Als Bürgermeister würde er die Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen pflegen.

Der "zweite Mann" - Stand heute, da nur Björn Erik Ruppel (CDU) als Kandidat feststeht - stammt aus Cuxhaven. In jungen Jahren gehörte er dem Umland-Kreistag an, engagierte sich bei den Jusos, wurde gar Mitglied des erweiterten Bundesvorstandes, um schließlich doch der SPD den Rücken zu kehren. Der aufreibende Job eines Investmentbankers ließ ohnedies kaum Spielraum für Politik.

"Jetzt aber hat mich der Ruf ereilt", kommt Meyer zum Schluss. Und betont noch, dass er zwar wie die Grünen und die SPD aus demokratischen Prinzipien heraus gegen einen Alleingang bei einer Wahl sei. Aber: "Ich trete nicht an, nur damit es einen zweiten Kandidaten gibt."

Wie eingangs erwähnt, Meyer setzt nicht auf Platz, sondern auf Sieg. Für den Fall hätte er es nicht weit zur Arbeit: Er wohnt mit seiner Familie in der Kernstadt, genauer in der Friedrichstraße 24, direkt gegenüber vom Rathaus. FOTO: TB

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