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Großartiges Duo: Stefan Alexander Rautenberg mit Jeanine Krause.

Ein magischer Abend

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Laubach (dis). Das "sprechende Konzert" am Sonntag war eine ganz besondere Veranstaltung der Reihe "Musik und Sprache" im Konzertsaal der Hessenbrückenmühle - und für jeden Besucher wohl auch ein unvergessliches Erlebnis. Es lehnte sich an die Sammlung aus 13 Gedichten von unterschiedlicher Länge und Versmaß von Erich Kästner an. Stefan Alexander Rautenberg (Lich) brillierte zum einen als Rezitator der Kästner’schen Verse als auch als Zauberer. In der US-Amerikanerin Jeanine Krause mit ihren unterschiedlichen Oboen fanden seine Darbietungen eine gelungene musikalische Ergänzung. Die Besucher waren von Beginn an bis zum Finale vom Dargebotenen sehr fasziniert und spendete beiden Künstlern wiederholt stürmischen Applaus.

Bezaubernde Atmosphäre

Die ersten zwölf jener genannten Gedichte behandeln je einen Monat in der Reihenfolge des Kalenders. In vielen tritt der besungene Monat selbst in personenbezogener Form auf. Dazu kommt, dass Kästner in jedem Gedicht die Schönheit, aber auch die melancholischen Seiten der jeweiligen Jahreszeit herausstellt. Häufig wird dabei das Thema des Vergehens der Zeit aufgegriffen.

Das Gedicht "Der Januar" beginnt mit der Beschreibung des Jahres als neugeborenes Kind. Durch das ganze Werk zieht sich das Motiv des Älterwerdens des Jahres, bis es in "Der Dezember" schließlich alt geworden ist und sich auf den Abschied vorbereitet.

Im letzten Gedicht "Der dreizehnte Monat" beschreibt Kästner einen fiktiven "Schaltmonat", der aus dem Besten besteht, was alle anderen Monate bieten können. Am Ende gelangt der Schriftsteller aber zur Einsicht, dass es einen solchen Monat nicht geben kann; er schließt mit den Worten: "Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise. Und werden kann nur, was schon immer war. Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise. Und dem Dezember folgt der Januar".

"Die dreizehn Monate" gilt als eins der romantischsten und idyllischsten Werke Kästners, das bezeichnend für seine späte Schaffenszeit ist. Kästner selbst wollte damit Gedichte als Großstädter für Großstädter schreiben, die sich auf die Schönheit des Kreislaufs der Jahreszeiten und der Natur besinnen wollen. Der Gedichtzyklus erschien 1955; er ist Kästners letzter Gedichtband.

Im Zusammenspiel von Musik und gesprochenem Wort entstand gleich zu Beginn eine Atmosphäre der bezaubernden Art. Rautenberg trug den fantasievollen Gedichtzyklus "Die dreizehn Monate" pointiert und mit charmantem Ausdruck vor und wusste immer wieder kleine Seitenhiebe mit einem Augenzwinkern geschickt zu setzen.

Als Magier der Worte öffnete er zur Überraschung der Konzertbesucher von Zeit zu Zeit auch seinen Zauberkasten. Das alles erfolgte im Zusammenspiel mit Jeanine Krause, die den Charakter jedes Gedichtes musikalisch durch eine Auswahl passender Instrumente und Werke aus dem barocken, klassischen und modernen Repertoire zu ergänzen verstand. Krause spielte unter anderem Musik aus der Suite Nr. 1 von Johann Sebastian Bach, die Water Music von John Cage und Summertime von George Gershwin, außerdem Musik von Henry Purcell, Benjamin Britten und einige Volksmelodien, passend zu den Monaten. Sie spielte auf Oboe, Oboe d’amour, Oboe da caccia und der Sopraninoflöte mit Schlagwerk.

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