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Laubacher Kleinode bewahren

  • Thomas Brückner
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Laubach (tb). Von der »Ungnade der frühen Geburt« ist zuweilen die Rede, wenn diese auf Laubachs Zentrum kommt. Denn bereits Ende der 1960er, früher als andernorts, begann in der ehedem gräflichen Residenz die Altstadtsanierung. Eine Zeit, in der die Planer noch den Maximen einer autogerechten Stadt nachhingen. »Flächensanierung« lautete das alsbald inkriminierte Schlagwort. Auch in Laubach musste so manches Fachwerkkleinod dem Abrissbagger weichen.

Seit Langem bereits treten neue Entwicklungen hinzu, die die Verödung der Zentren verstärken. Laubachs Stadtväter bemühen sich redlich, gegenzuhalten. Erwähnt seien nur die Förderung privater Sanierungen, der Ankauf städtebaulich bedeutender Objekte wie dem »Hochzeitshaus«. Oder der Beitritt zum Landesprogramm »Interkommunales Entwicklungskonzept«, mit dem sich die Stadt auf zehn Jahre verpflichtet hat, den Fokus auf Innenentwicklung statt Neubaugebiete an der Peripherie zu legen.

Oft kein Interesse an Altbausanierung

Nicht vergessen sei die Stelle des städtischen Leerstandsmanagers. Michael Köppen heißt der und sieht sich freilich des Öfteren mit unüberwindbaren Hürden konfrontiert: »Was wollen Sie machen, wenn die Besitzer kein Geld oder schlicht kein Interesse an einer Sanierung haben?«

Köppen soll nun Unterstützung durch den Verein »Stadtbild Deutschland« erhalten. Hierzulande Aufmerksamkeit erlangt hat der durch den Einsatz für die Rettung der Alten Post in Gießen.

Ziel der bundesweit rund 6000 Mitglieder zählenden Organisation ist es, harmonisch gewachsene Orts- und Stadtbilder zu bewahren, den Denkmalschutz zu fördern, verlorene Gebäude und Denkmale zu rekonstruieren. Jan-Patrick Wismar (Marburg) steht dem Regionalverband Mittelhessen vor. Wie er im Gespräch mit dieser Zeitung bemerkt, ist er seit klein auf dem Reiz der Altstädte verfallen. Also muss gerade er mit Bedauern feststellen, dass ehemals funktionsfähige Zentren unter der »Expansion auf die grüne Wiese« leiden. Sei es in Gestalt großer Einkaufsmärkte, gegen die kleine Läden nicht ankommen, oder von Neubaugebieten, in die es die Jungen drängt.

Aufgewachsen in Buseck, kennt er die Region, schaut sich immer wieder mal um. »Um zu sehen, wo es brennt«, wie er sagt. Anzeichen dafür sind für ihn nicht nur Sanierungsbedarf und Leerstände, sondern eine schlechte ÖPNV-Versorgung oder Überalterung. Bei einer Rundfahrt hatte er jüngst gleich »zwei Herzinfarkte« erleiden müssen: den ersten in der Europäischen Modellstadt Alsfeld, den zweiten in Laubach.

»Dessen Altstadt hat durch Sanierungs- und Abrissmaßnahmen in den 70ern einen wichtigen Teil ihrer Altbau-substanz verloren«, beklagt Wismar. Dennoch hätten sich viele Anwesen erhalten, die es zu retten gelte. Beispiele für 400 oder gar 500 Jahre alte Objekte fand er etwa in der Unteren Langgasse oder im Grünen Meer.

Nachverdichtung mit »Bauteilen«

Um Laubachs Mitte schöner zu gestalten, plant Wismar bzw. sein Regionalverband die Bildung eines »Kompetenzteams Altstadterhaltung«. Interessierte ruft man dazu auf, sich einzubringen. Nach eigenen Ideen gefragt, verweist Wismar auf Beispiele, wo mehrere Personen ein Haus sanierten, um neuen Wohnraum für Jung und Alt zu schaffen. Veranstaltungen oder einfach das Beleuchten der Giebel nennt er im Weiteren.

Aufmerken lässt sein Ansatz einer Nachverdichtung von Baulücken, um die von ihm geschätzte heimelige Altstadt- atmosphäre wiederherzustellen: »Im Hessenpark lagern 150 Fachwerkgebäude in Einzelteilen, die sind gewiss günstig zu erwerben.«

Dass er niemanden vorführen wolle, unterstreicht Wismar, der bereits viel Zuspruch von Laubachern erhalten hat. Darunter vom künftigen Bürgermeister Matthias Meyer.

Kontakt: Mittelhessen@stadt-bild-deutschland.org oder über die Facebook-Gruppe Stadtbild Deutschland, Regionalverband Mittelhessen.

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