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Die Laubacher, die Frage nach der Uhrzeit und die Wehmut über einen ausgefallenen Ausschuss

  • Thomas Brückner
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"Armes Laubach" - das beliebte Ausschussfest, bei dem alljährlich am zweiten Juni-Wochenende uralte Bräuche fröhliche Urständ feiern, fiel dem Virus zum Opfer. Nichts also war’s mit dem pittoresken Bild am Montagmorgen, da Laubachs Männerwelt gar seltsam daherkommt, mit Eichenlaub am Hut und einen Spazierstock als Flintenersatz über der Schulter. "Schade".

Dachte sich auch der in Berlin gelandete Laubacher und Berufsmusiker Philipp Gerschlauer. Als Spontanaktion reiste er am Sonntag an und blies - wie sonst der Musikverein - von 1 Uhr früh bis zum Morgen mit dem Saxofon Ständchen. Eine Idee, mit der er vielen Laubachern eine Freude bereitet hat.

Vielen, doch nicht allen: Wie von dieser Zeitung berichtet, schallte gegen halb zwei ein lauter Ruf durch Laubachs leere Gassen: "Hey, haste e’mal uff die Uhr geguckt?". Da kannte wohl jemand nicht diese alte Ausschusstradition. Sei’s drum. Wie Gerschlauer nun berichtet, hat sein Saxofonspiel noch einen Nachhall: Carsten Högy aus Laubach habe angeboten, Tassen herzustellen. Klar, nicht irgendeine, sondern mit dem Aufdruck "Hey! Haste e’mal uff die Uhr geguckt?". Dazu Laubachflagge, Eichenlaub, das Konterfei eines Saxofonisten, Gerschlauers Unterschrift, samt der Erklärung "Ausschussfest 2020". Die Tasse soll in der "Bücherstube" erhältlich sein. Der Preis stehe zwar noch nicht fest, mindestens fünf Euro aber würden an "Terre de Femmes" gehen, für die der Musiker bereits am Montag, sozusagen als "Ständchenlohn", um Spenden gebeten hatte. Dass bei der Tassenaktion alle zum Selbstkostenpreis arbeiteten, merkte der 33-Jährige noch an.

Wie sehr den Männern der Ausschussgesellschaft 1540 Solms-Laubach das Volksfest fehlt, das war sogar in der Sitzung der Ausschüsse des Stadtparlaments zu sehen: HFA-Vorsitzender Hartmut Roeschen, dem Traditionsverein eng verbunden, präsidierte mit Spazierstock und mit Eichenlaub bekränzten Hüten (auf dem Tisch). Da mag sich so mancher daran erinnert haben, dass der Ausschuss am zweiten Montag im Juni bisher ein Tag des fröhlichen Feierns, statt teils polemischer Debatten war. tb/FOTO: TB

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