Kinderbetreuung

Laubach muss Defizit von 113 Kita-Plätzen beheben

  • Thomas Brückner
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Gesetzliche Regelungen, aber auch der Trend, Kinder immer früher in einen Hort zu geben, zeitigen in Laubach einen Fehlbedarf von 113 Kita-Plätzen. Kurzfristige Lösungen sind gefragt.

113 - eine Zahl, die in den nächsten Wochen noch des Öfteren die Debatten von Laubachs Stadtverordneten bestimmen wird. Und die einen dringenden Handlungsbedarf belegt, gibt die Zahl doch das Defizit an Kita-Plätzen an. Davon entfallen allein 87 (!) auf die unter Dreijährigen. Doch sind sich Stadtväter und -mütter einig: Mit kurzfristigen Lösungen - neben einer neuen Waldgruppe heißt dies vor allem Nutzung von Wohncontainern - soll bis zum nächsten Kindergartenjahr das Defizit beglichen sein.

Laumann-Container eine Alternative?

Um so Zeit und neue Einsichten zu gewinnen, wie und wo mit Neubauten der Mangel längerfristig zu beheben wäre. Ein Thema, das laut Bürgermeister Klug Laubachs Politik noch weit bis in die nächste Legislatur beschäftigen wird. Zumal, so das Bild im Fachausschuss für Soziales, auch darin Einigkeit besteht: Qualifizierte Kinderbetreuung ist ein Muss, zählt zu den wichtigsten Standortfaktoren, wovon mittelfristig auch die Zukunft von Laubachs sehr guten schulischen Angeboten abhängt.

Der Sozialausschuss beschäftigte sich am Montag nun ausführlich mit erwähntem Mangel, eingebunden war Dr. Susanne Egbert, Bereichsleitung Kinder- und Familienarbeit beim Oberhessischen Diakoniezentrum (OD).

Am Ende stand die Empfehlung ans Plenum auf Annahme des "Konzepts zur bedarfsgerechten Schaffung von Kita-Plätzen". Erarbeitet hat dieses die im Frühjahr eingesetzte Magistrats-Arbeitsgruppe, eingeflossen ist darin auch die Bedarfsanalyse des OD vom August. Zur kurzfristigen Deckung des Defizits sollen mithin drei Maßnahmen zum Zuge kommen:

Zum ersten die Wiedereröffnung der Waldgruppe Freienseen des OD. Klug zufolge könnte dies schon im November erfolgen, stehen 40 000 Euro für Restarbeiten am Platz und eine Extremwetterunterkunft bereit (wie berichtet, ist die Parlamentsmehrheit aus Freien Wählern und CDU nach dem Elternprotest von der Schließung abgerückt). Damit könnten Ü3-Kinder aus der Hausgruppe in den Wald wechseln, einige der am dringendsten benötigten, nur in Hausgruppen möglichen U3-Plätze geschaffen werden.

Zum zweiten - was dem Parlamentsbeschluss vom Juni ent-, aber der Empfehlung des OD widerspräche (die GAZ berichtete) - soll in Gonterskirchen eine Wald- und Hausgruppe entstehen. Die Investition für die vermutlich an der Grillhütte platzierten Wohncontainer schätzt Klug auf rund 100 000 Euro.

Zum dritten soll die Verwaltung mit dem Kreis über die Übernahme der beiden "Laumann-Container" an der Sport- und Kulturhalle verhandeln, um diese zu einer drei- bis viergruppigen Kita umzubauen. Ausgehend von Erfahrungen in Lich und dank des hier bereits vorhandenen Spielgeländes sei dies mit rund 400 000 Euro zu machen.

Ob und wie hoch Zuschüsse die Belastung der Stadtkasse mindern, ist Teil der anstehenden Prüfungen der Stadt.

Kosten allein für "Kurzfrist-Konzept" bei rund 500 000 Euro

In der Beratung herrschte weitgehend Übereinstimmung, was den Lösungsweg angeht. Dr. Sven Baumann (FBLL) wie auch Ralf Schmidt (BfL) monierten freilich einen Mangel an Information. Etwa zu den genauen Kosten, insbesondere fürs Personal. Worauf Dr. Egbert zusagte, dies nachzuliefern.

Dass zunächst schnelle Lösungen gebraucht würden, aus der Runde angeregte Umbauten im Bestand - etwa in der Unteren Langgasse in Laubach oder der Alten Schule in "Goki" - Jahre dauern würden, bat Klug zu bedenken. Ebenso, dass (eingruppige) Kitas in jedem Dorf nicht zu finanzieren wären. Am Ende brachten Dr. Wolf-Dieter Schulz (FW) und Kirsten Schmulbach (Grüne) auf den Punkt, worum es gehen sollte: "Der Bedarf ist jetzt da. Wir müssen jetzt zu Potte kommen." Der Appell ward mit dem einmütigen Votum des Fachausschusses erhört.

Nicht anders der Hauptausschuss tags darauf. Auf Antrag von FW und FBLL erhielt die Verwaltung zusätzlich nur den Auftrag, die Eltern an Ausarbeitung und Umsetzung des Konzepts zu beteiligen sowie einen Deckungsvorschlag für Kosten von 500 000 Euro zu erarbeiten.

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