+
Ortstermin an der B 276: Vertreter von Planungsbüro, Hessen Mobil und Polizei im Argumentationswettstreit mit Stadtvätern.

Gefahrenpunkt B 276

Laubach lehnt Kurvenbegradigung ab: Enteignung?

  • schließen

Vom Land geplante Kurvenbegradigung an der B 276 stößt in Laubach weiter auf Unverstädnis. Der Fachausschuss des Parlaments lehnt den Verkauf benötigter Grundstücke ab - Enteignung droht.

"Warum ausgerechnet diese Kurve begradigen und nicht eine der anderen 13 im weiteren Verlauf der B 276? Der Sinn erschließt sich mir nicht." Der Einwand von Ortsvorsteher Günter Haas sei vorab zitiert. Bildet er doch die überwiegende Meinung des Haupt- und Bauausschusses der Stadtverordnetenversammlung ab. Der befasste sich am Dienstag aufs Neue mit dem Verkauf der Grundstücke, die Hessen Mobil für den geplanten Ausbau der Kurve nach dem Abzweig nach Freienseen benötigt.

Laubach: "Keine Kurve, dann rasen sie noch mehr"

Erstmals traf man sich vor Ort, hörte sich nochmals die Argumente von Planern, Straßenbauern und Polizei an. An der Beschlussempfehlung an das am 7. November tagende Plenum freilich änderte sich auch in zweiter "Lesung" nichts: Es bleibt damit beim HFA-Votum vom 1. August, als ein Grundstückverkauf bei sechs Neinstimmen von SPD, CDU, Grünen, BfL, FBLL, bei nur einem Ja der Freien Wähler und zwei Enthaltungen von CDU und FW abgelehnt worden war.

Eingangs erwähnte "Sinnfrage" suchten am Dienstag Fachplaner Frank Lanfermann (Büro Ohlsen), Frank Kaiser (Hessen Mobil) und Thomas Baumgart (Regionaler Verkehrsdienst, Polizei Mittelhessen) nochmals zu beantworten. So sei diese Kurve eindeutig ein Gefahrenpunkt: Von 2009 bis 2018 ereigneten sich hier laut Polizeistatistik 25 Unfälle, mehr als an den drei weiteren Unfallhäufungspunkten bis Schotten. Kaiser: "Der Ausbaustandard entspricht nicht den Normen einer Bundesstraße." Zu nennen ist hier etwa die geringe Sichtweite aufgrund eines Kurvenradius von 40 bis 70 Metern statt verlangter 255 Meter. Oder der "unstete Verlauf" mit schneller Abfolge enger Kurven.

Laubach: Raseranteil im einstelligen Bereich

Mit einem Ausbau aber - geplant auf 600 Metern Länge und mit 750 000 Euro veranschlagt - würden besagte Normen erfüllt. Der soll nicht nur zum Nutzen von Auto- wie Motorradfahrern eine bessere Sicht bringen: Vielmehr, so hieß es seitens Behördenvertreter, sinke die Gefahr für Nutzer des Radwegs beim Queren der B 276. Kaiser an die Adresse von Günter Haas: "Auch für die folgenden Gefahrenpunkte wird geprüft, was baulich zu machen ist." Mithin, was Topographie oder auch Naturschutz (FFH-Gebiet Laubacher Wald ) an Restriktionen bereithalten.

Mehrere Redner bezweifelten dennoch den Sinn des Vorhabens. Mit einer Begradigung würden Motorradfahrer vielmehr zu noch schnellerem Fahren veranlasst, womit auch eine höhere Lärmbelastung der Anwohner einhergehe. "Mehr Manpower bei den Kontrollen statt Bagger rollen lassen", forderte nicht als einziger Siegbert Maikranz (CDU). Und das nicht unter der Woche, sondern am Wochenende, wenn die Massen an Bikern auftauchten. Nicht zum ersten Mal kam auch die Frage: Warum wird die gefährliche Strecke nicht für Motorradfahrer gesperrt?

Kontrollen: "Da hängt ein zweiter Kombi im Schrank"

Kontrollen wirkten meist nur kurzzeitig und würden über soziale Medien rasch verbreitet, Geldbußen hielten Raser, vor allem weitgereiste, selten ab, wandte Thomas Baumgart ein. Zudem sei die Ahndung oft schwierig: "Manche haben mehrere Kombis im Schrank." Und zur Sperrung: Für den Polizeibeamten nur im "worst case" sinnhaft. Zumal dies alle träfe. Den Anteil der Raser unter den Bikern aber, so Baumgart auf GAZ-Nachfrage, bewege sich im einstelligen Prozentbereich. Von daher sei eben der richtige Ansatz, dieser Klientel ihr "Spielzeug" zu nehmen. Ein Beseitigen von Kurven sei ein größerer "Spaßverderber" als Tempokontrollen.

Am Ende stand aufs Neue die Versicherung von Hessen Mobil, das Land halte am Ausbau fest. Sofern die Stadt - wie mehrere Landwirte bereits - ihre Flächen nicht verkaufte, bedeutete das aber eine Verzögerung. Bei einem Planfeststellungs- und letztlich Enteignungsverfahren wäre statt 2021 erst 2022/23 mit dem Anrollen der Bagger zu rechnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare