Schädlingsbekämpfung

Laubach geht gegen Ratten vor

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In der Laubacher Altstadt sind Ratten gesichtet worden. Jetzt will die Stadt gegen die Schädlinge vorgehen.

Dieser Hinweis der Stadtverwaltung Laubach dürfte bei zartbesaiteten Zeitgenossen für "innere Unruhe" gesorgt haben: "Im Rathaus und beim Ortsvorsteher gehen zwischenzeitlich vermehrt Beobachtungen von tierischen Schädlingen (Ratten) ein", stand jüngst im Mitteilungsblatt,

Günter Haas, besagter Ortsvorsteher, bestätigt den "Befall", wie es im besten Kammerjäger-Deutsch heißt. In zwei Straßen der Altstadt seien die als Krankheitsüberträger gefürchteten Tiere gesichtet worden. Gar am helllichten Tag. "In Laubach ist das Thema akut", betont Haas.

Problem tritt wieder vermehrt auf

Er kennt die ungeliebten Allesfresser schon länger: "Wir hatten früher eine Metzgerei, bis in die 1950er tauchten die immer wieder mal auf, suchten im Freien nach Abfällen." Danach aber sei Ruhe gewesen, erst seit den 90ern trete das Problem wieder vermehrt auf.Haas selbst sorgt vor, legt sporadisch Giftköder auf seinem Grundstück aus.

Eine Maßnahme, zu der Hauseigentümer grundsätzlich verpflichtet sind, so es Anzeichen für einen Vorkommen jeglicher Tierarten gibt, die Krankheitserreger verbreiten können. Stephan Högel, Ordnungsamtsleiter der Stadt Laubach, verweist dazu auf die Schädlingsbekämpfungsverordnung (siehe Info-Kasten) .

Was die jüngsten "vermehrten Beobachtungen" in Laubach angeht, ist insbesondere die Kommune gefordert. Schließlich gehören ihr die Abwasserkanäle: "Für die scheuen Tiere sind das die Autobahnen", formuliert es Amtsleiter Högel treffend. Also wird der von der Stadt bestellte Schädlingsbekämpfer dort vor allem die Köder auslegen.

Ganz weg kriegt man die nie

Stephan Högl

So wie bei der letzten großen Aktion 2016, am Schlossteich. Bei der Nachschau, vier bis sechs Wochen später, kam die Erfolgsmeldung des Kammerjägers: Fressspuren an den vermeintlichen Leckerlis. Eine "größere Problematik" war vermieden worden, die Ratten waren verschwunden. Fürs erste zumindest. "Ganz weg kriegt man die nie", sagt Högl. Eindämmen also lautet das Motto, nicht nur in Laubach, kennen doch auch andere Gemeinden das Problem.

Das wird meist durch dieselben Fehler der Menschen heraufbeschworen. Von daher der dringende Rat aus dem Ordnungsamt: keine Lebensmittelreste via Toilette in die Kanalisation einbringen oder im Freien ausbringen. Auch nicht Tierfutter, zumindest nicht im Übermaß. Letzteres gilt als eine Ursache für die Rattenplage am Schlossteich: An dem idyllisch gelegenen Gewässer warnt daher ein Schild vor falsch verstandener Tierliebe: "Bitte nicht füttern ... weil es die Vermehrung von Ratten fördert."

Hunde kommen an die Köder nicht ran

Bei der Bekämpfungsaktion vor anderthalb Jahren hatten sich vor allem Hundebesitzer besorgt geäußert. Etwa, dass ihre Lieblinge die Köder oder tote Ratten anknabbern. "Diese Ängste sind unbegründet", sagt Högel. Die in Kanalrohren oder unter Büschen ausgelegten Giftköder befänden sich in Metallboxen, Hunde kämen daher nicht an die "Henkersmahlzeit" für ihre niederen Verwandten. Zudem wirke das Gift zeitverzögert: "Die Ratten nagen am Köder, ziehen sich in den Bau zurück und schlafen ein." Das finale Nickerchen wird meist verursacht durch spezielle Giftstoffe, die die Blutgerinnung behindern. Zielführend, gelten Ratten doch als lernfähig: Liegt ein Kadaver neben einem sofort wirkenden Köder, meiden sie diesen.

"Zielführend" wäre es nach Högel auch, wenn Anwohner der Innenstadt ebenfalls vorsorglich an "geeigneten und geschützten Stellen" ihrer Grundstücke Köder auslegten. Schließlich diene die städtische Kanalisation oftmals als Verbindungsweg zwischen verschiedenen Nistplätzen und Bauten.

Die Bekämpfung in Laubach läuft jetzt an. Und nicht nur die Verwaltung hofft darauf, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen, die Köder mit der Zeit immer weniger angenommen werden. Was ein sicheres Zeichen dafür ist, dass die scheuen, meist im Untergrund lebenden Tiere so schnell nicht wieder ans Licht der Öffentlichkeit gelangen.

Högel macht am Ende noch auf eine Novellierung der Bekämpfungsverordnung aufmerksam, die ein vermehrtes Auftreten der "Problematik" fördern dürfte: Aus Gründen des Gewässerschutzes und wegen der Belastung der Kläranlagen sind früher übliche Dauerköder nicht mehr erlaubt. Heute verwendete "Fresspakete" müssen wieder eingesammelt werden – für den Kammerjäger bedeutet das Mehrarbeit, für die Ratten ist das freilich nur ein schwacher Trost.

Info-Kasten

So sind die Regeln

- In der Schädlingsbekämpfungsverordnung, in Kraft getreten am 18. Mai 1971, ist geregelt, was bei einem Befall mit Ratten, Kakerlaken oder ähnlichen tierischen Zeitgenossen zu tun ist. Besitzer von bebauten, unbebauten, landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Grundstücken in geschlossenen Ortschaften sind danach verpflichtet, unverzüglich der Gemeinde Anzeige zu erstatten und eine Bekämpfung der Schädlinge durchzuführen. Dasselbe gilt für alle, die Lager- oder Schuttplätze, Kanäle oder Garten- und Parkanlagen ihr eigen nennen. - Laut Gesetz muss übrigens nicht immer der Eigentümer in der Verantwortung stehen. Entscheidend ist, wer die "tatsächliche Gewalt" über ein Grundstück hat, etwa der Pächter eines Kleingartens

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