Laubach ehrt jüdische Familien

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Laubach(pm). Der Beschluss im Herbst 2018 war einstimmig und fraktionsübergreifend: Die Stadtverordnetenversammlung unterstützt die Friedenskooperative bei ihrem Vorhaben, Stolpersteine zur Mahnung und zum Gedenken an die vertriebenen, deportierten und ermordeten jüdischen Familien aus Laubach und Ruppertsburg zu verlegen.

Mit diesen Stolpersteinen wird das Schicksal der Menschen, die in der national- sozialistischen Willkürherrschaft so viel Leid ertragen mussten, immer wieder in das Bewusstsein gerückt. 34 Menschen jüdischen Glaubens mussten ihre Heimat Laubach aufgeben, indem sie vor der Schreckensherrschaft flüchteten oder durch NS-Schergen in die Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen "Stolpersteine" in fast 1300 Kommunen Deutschlands und in 21 Ländern Europas.

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: "Hier wohnte ... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch."

In einer zweiten Phase werden am Samstag, 19. September, um 9 Uhr an zwei Stellen am Marktplatz, in der Kaiserstraße und an dem Ort der ehemaligen Synagoge in Laubach (Lippe) Stolpersteine durch den Künstler verlegt. Diese erinnern an die Familien Katz, Kaufmann, Wallenstein und Zodick.

"Die Mitglieder der Friedenskooperative Grünberg-Laubach-Mücke halten schon seit vielen Jahren die Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger aus Laubach wach. Die Stolpersteine sind auch ein äußeres Zeichen des Gedenkens und des Erinnerns", unterstreicht Janina Gerschlauer, Sprecherin der Friedenskooperative. Die Laubacher Stadtverordnetenversammlung habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, diese Initiative zu unterstützen", ergänzt Stadtverordnetenvorsteher Joachim M. Kühn in einer Pressemitteilung und betont: "Es ist zwingend notwendig, antisemitischen Strömungen und der Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in ganz Deutschland entgegenzutreten. Allein die Gewalt dieses Jahres gegen jüdische Menschen und jüdische Einrichtungen fordern unser Eintreten gegen Antisemitismus förmlich heraus." Kühn bestärkt damit das Engagement der Menschen in der Friedenskooperative.

Bürgermeister Peter Klug zeigt sich sehr erfreut über die geplante Teilnahme von Schülern des Laubach-Kollegs an der Feierstunde. "Das Engagement der jungen Leute ist wichtig, damit die dunkle Zeit Deutschlands nicht in Vergessenheit gerät. Gerade junge Menschen müssen sich für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung einsetzen und ein Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen."

Die Finanzierung der Stolpersteine erfolgt über Spenden und Patenschaften aus der Laubacher Bevölkerung. Weitere Geldmittel werden über das Bundesprojekt "Demokratie Leben" bereitgestellt.

Alle Bürger der Stadt Laubach sind eingeladen, an der Feierstunde zur Verlegung der Stolpersteine teilzunehmen. Coronabedingte Einschränkungen sind zu beachten. Teilnehmer werden gebeten, eine Mund-Nasen-Maske zu tragen.

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