Laubach beißt in den sauren Apfel

  • Thomas Brückner
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Laubach(tb). 2015 beim Grundsatzbeschluss und Anfang 2018 nochmals beschlossene "Obergrenze" von 4,5 Millionen Euro wird gerissen. Und wie: Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Laubach wird - das hat die Ausschreibung ergeben - eine ganze Million teurer (die GAZ berichtete). Aktuelle Kardinalfrage für Laubachs Politik lautet daher: Ist der Nachschlag alternativlos?

Ja, meint die Mehrheit aus CDU und Freien Wählern. Und empfahl in der HFA-Sitzung am Montag dem Stadtparlament die Annahme der Magistratsvorlage. Die Opposition aus SPD, BfL, Grünen und FBLL enthielt sich, begleitet allerdings von harscher Kritik. Erinnert wurde etwa daran, dass im Spätsommer 2017, nach Präsentation des fertigen Entwurfs durch das Büro "k-Plan", CDU und FW weiteren "Abstimmungsbedarf" reklamiert hatten, weswegen aus dem Baubeginn noch im Jahr 2018 - von "k-Plan" als möglich erachtet - nichts geworden sei. "Zwei Jahre wurden verplempert", ätzte Dirk-Michael Hofmann (FBLL), die Kostenexplosion sei nicht allein der Baukonjunktur, sondern hausgemachten Fehlern zuzuschreiben. Nicht anders Hartmut Roeschen (SPD): "Ohne die Verzögerung müssten wir heute vielleicht nur eine halbe Million zubuttern."

Hinzuzufügen ist, dass der Magistrat den Beschluss der "wirtschaftlichen Obergrenze" vom Februar 2018 zu Recht als Verstoß gegen das Vergaberecht beanstandet hatte. Um im Sommer schließlich die Reißleine zu ziehen. Heißt: Rückgabe des Förderbescheids über 587 000 Euro ans Land.

Was folgte, dürfte noch besser in Erinnerung sein: Neubeantragung des Zuschusses via Landkreis, erneute Bewilligung Mitte 2019, verbunden mit der Auflage, bis Ende 2020 mit den Arbeiten zu beginnen.

Suche nach Einsparungen

Vor dem Ausschuss erläuterte am Montag zunächst Bauamtsleiter Martin Bouda die Sachlage. Dass die Verwaltung selbst von "dieser Überschreitung nach oben" überrascht gewesen, schickte er voraus. aber: Nicht allein das Gefahrenabwehrzentrum Gießen zeige, wie sehr die überhitzte Baukonjunktur auf die Preisentwicklung durchschlage.

Auf Frage von Dr. Ulf Häbel (FW) zeigte Bouda die Alternativen zum Million-Euro-Nachschlag auf. Eine neue Ausschreibung - ob nun in Gänze (Generalunternehmen) oder nach Fachlosen - inklusive einer Umplanung wäre demzufolge riskant. Die Auftragsbücher der Firmen seien nun mal voll, fraglich sei daher, ob sich überhaupt ein Bieter melden werde ("waren diesmal schon froh, dass es zwei Angebote gab"). Bei einem neuen Anlauf wäre auch der Baubeginn 2020 nicht zu schaffen; ob "Laubach" aber zum dritten Mal auf Platz eins der Prioritätenliste des Kreises gesetzt werde und zum dritten Mal den Landeszuschuss erhalte? Fazit: Wie der Magistrat empfahl Bouda, "in den sauren Apfel zu beißen".

Nach der Auftragsvergabe, so der Amtsleiter weiter, werde man in Abstimmung mit dem Generalunternehmer wie der Feuerwehr Einsparungen im "technischen Bereich" sondieren. Erinnert wurde hier an die von "k-Plan" vorgelegte, aber vom Plenum nicht beschlossene Sparliste. Beispiele daraus sind das Notstromaggregat (50 000 Euro) oder der Hochdruckreiniger (20 000 Euro); anfangs erwogener Aufzug ist dagegen längst gestrichen. Mehr als ein kleiner sechsstelliger Betrag aber sei nicht drin. Nicht ausschließen mochte Bouda, man könnte am Ende sogar über dem aktuellen Betrag von 5,5 Millionen landen. Zurzeit aber seien Aussagen zum endgültigen Aufwand "Kaffeeleserei" bzw. "Angstmacherei".

"Das ist kein Prunkbau", betonte CDU-Sprecher Björn Erik Ruppel. Nicht Sonderwünsche der Feuerwehr, die Preisentwicklung im Bausektor sei der Kostentreiber. Wie erwähnt stand am Ende die Empfehlung des Ausschusses, doch in den sauren Apfel zu beißen.

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