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Gastredner Wolfgang Bosbach erhält den diesjährigen KVL-Kampagneorden von Prinzessin Susanne und Prinz Hans-Georg. FOTO: FP

Zur Lage der Union

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Laubach(fp). Die Politik müsse sich auf die Sacharbeit konzentrieren und sich mit den alltäglichen Sorgen der Menschen beschäftigen. Diesen Ratschlag hatte Wolfgang Bosbach für die Volksparteien parat, insbesondere für die Union, der er angehört.

Mit dem bundesweit bekannten Politiker hatte der CDU-Stadtverband Laubach einen prominenten Redner für seinen Neujahrsempfang am Sonntagnachmittag in der voll besetzten Herrenscheune des Schlosses aufgeboten. Zum Thema "Halbzeit in Berlin - worauf es jetzt ankommt" fesselte Bosbach in seiner einstündigen Rede die Zuhörer, die ihn am Ende mit Standing Ovations verabschiedeten. Musikalisch stimmte der Musikverein Laubach unter Leitung von Hubert Honsowitz auf die Veranstaltung ein.

Konservatives Gewissen

Stadtverbandsvorsitzender Siegbert Maikranz hatte eingangs die Gäste begrüßt und dankte dem gräflichen Haus für die Möglichkeit zur Nutzung der Räumlichkeiten. Fraktionsvorsitzender Björn Erik Ruppel erinnerte an den Termin für die Bürgermeisterwahl am 6. Dezember dieses Jahres. Drei Monate später sei Kommunalwahl. Auch hier betonte Ruppel die Möglichkeit einer Kandidatur, um die Heimat mitzugestalten.

Wolfgang Bosbach, langjähriges ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages, wird auch als konservatives Gewissen seiner Partei bezeichnet. Er hatte seinen Vortrag mit humorigen Passagen gespickt. Der Rheinländer begann mit einem Blick zur Lage der Nation und der Union. Die Nachrichten zur Politikverdrossenheit bezeichnete der CDU-Politiker als falsch. Jedoch verzeichne man ein hohes Maß an Parteien- und Politikerverdrossenheit.

Bei den Menschen bestehe durchaus weiterhin Interesse an der Staatsführung. Vertrauen sei jedoch verloren gegangen, verbunden mit der Entstehung neuer politischer Landschaften. Dem Land habe es immer gutgetan, zwei große Volksparteien zu haben, meinte Bosbach mit Blick auf die großen Wahlverluste von CDU und SPD.

An seine Partei gerichtet sagte der ehemalige Abgeordnete, vernünftige Politik beginne mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Konzentrieren müsse man sich auf die Sacharbeit, man sollte nicht bereits jetzt in die Personaldiskussion einsteigen, wer einmal Kanzlerin Merkel beerbe. Dadurch entstehe der Eindruck, man beschäftige sich nur mit Erhaltung der Macht. Die Menschen wollen die Probleme gelöst haben, die sie betreffen, mahnte Bosbach.

Auf den Ausstieg aus Atomkraft und Kohle bezogen forderte er dazu auf, den Menschen klarzumachen, dass bei einer Deindustrialisierung die Grundlage für den Sozialstaat fehle. Nur eine starke wirtschaftliche Basis sei der Sockel für soziale Leistungen.

Bosbach streifte die Leistungen der Deutschen seit der Wiedervereinigung und hob mit Blick auf die deutsche Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 hervor, dass die Bundesrepublik in 35 Jahren nur drei Regierungschefs hatte. Viele Regierungen in Westeuropa scheiterten dagegen vor Ende ihrer Wahlperioden. In Europa müsse man für wichtige Entscheidungen zusammenbleiben. "Kann man die EU verlassen, aber weiterhin die Vorteile genießen und die Nachteile ablehnen?", fragte der Redner in die Runde und leitete so zum Austritt Großbritanniens über. Seine Antwort war ein klares Nein.

Bosbach ging auch auf die Frage ein, wie neue Technologien die Menschen verändern. Bei den wichtigen Fragen zur Digitalisierung gehe es nicht um schnelle Downloads von Filmen und Musik, sondern um den weltweiten Fortschritt in der Wirtschaft. In alten Industrien sei Deutschland immer noch Weltklasse. Von den 100 größten Software-Häusern weltweit sei aber nur eines hier vertreten.

Auch die Anforderungen in die Arbeitsplätze von morgen verändern sich, erläuterte Bosbach. Die wichtigste Notwendigkeit sei die Investition in die Bildung der Kinder. Nur wer wettbewerbsfähig bleibe, werde den weltweiten Anschluss halten, so der Politiker weiter. Wenn nur noch jeder fünfte Betrieb ausbilde, dürfe man sich nicht über den Fachkräftemangel beklagen, meinte Bosbach, um abschließend zu betonen, in vielen Entscheidungen und Abläufen müsse man sich anstrengen und schneller werden.

Als "Gage" überreichten Maikranz und Ruppel Golfbälle und ein spezielles Laubach-Paket. Karnevalist Ruppel ließ es sich zudem nicht nehmen und wartete mit dem Laubacher Prinzenpaar auf, das Bosbach den diesjährigen Kampagne-orden überreichte.

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