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Die mächtige Stadtkirchen-Orgel zieht das »Mixtur«-Publikum mit rockigen Klängen in ihren Bann.

Kultureller Neubeginn

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Laubach (usw). Die Kultur regt sich weiterhin in Laubach: Am Freitagabend lief die beliebte Reihe »Mixtur - eine Woche mit der Orgel« wieder an. Eröffnet wurde dieser Veranstaltungsreigen mit Patrick Gläsers »Die Orgel rockt«, der mit diesem Programm schon zum sechsten Mal unterwegs ist. Mit seiner kompetenten und energiereichen Auffassung diverser Pophits und -klassiker nahm der Organist und Sänger die Zuhörer umgehend für sich ein.

Die Orgel rockt

Selbst unter den noch herrschenden Bedingungen waren die Kirchenreihen doch sichtbar gefüllt. Beim Beifall konnte man denken, dass alles wie früher war. Wie bei solchen Gelegenheiten üblich, war die Orgel (Barbara Dennerlein einst: »Die alte Dame«) schon in stimmungsvolles changierendes Farblicht getaucht, während die Sonne noch ihren warmen Schein durch die Fenster sinken ließ.

Zunächst begrüßte Bürgermeister Matthias Meyer die Anwesenden und teilte große Freude über diesen kulturellen Neubeginn mit: »Letztes Jahr musste es leider ausfallen, aber in diesem Jahr können wir wieder musikalische Klänge genießen.« Er unterstrich, es gehe bei der »Mixtur« darum, »Gegensätze zusammenzubringen, damit etwas Neues entsteht, heute also die Orgel und den Rock’n’Roll.« Meyer bekräftigte, dass die Sparkasse Laubach-Hungen und die OVAG als Sponsoren das Ganze möglich machten. Gläser hatte übrigens am Abend zuvor in der Gießener Kirche St. Thomas Morus mit demselben Programm gastiert.

»Indiana Jones« lässt grüßen

Gläser, Berufsorganist und Chorleiter, eröffnete mit einem moderat tanzbaren Intro mit klanglichen Jahrmarktsaspekten, einem Motiv aus dem Film »Indiana Jones«. Da wurde die Reiseroute deutlich. Dann ging es mittenrein in die Popmusik mit »Still haven’t found what I’m looking for«, dem Welthit von U2. Das war ruhig und sparsam instrumentiert und legte eine Stärke Gläsers offen. Er spielte diese kirchenmusikalisch exotischen Titel nicht einfach nach, sondern fand individuelle Wege der Auslegung, die deutlich und überraschend stimmig am Instrument orientiert waren. Die Bassdrum imitierte er zum Beispiel mit adäquaten Klappengeräuschen des Instruments. Die werden sonst eher als lästige Nebenerscheinung nur hingenommen, hier passten sie gut.

Bei Queens »We will rock you« brauchte Gläser nicht lange zu bitten, das Publikum klatschte und stampfte sofort gerne mit und ließ den simplen Grundrhythmus das Gotteshaus erfüllen. Das war zwar etwas zu langsam, passte aber orgeltechnisch und von der Stimmung her gut in die Kirche. Steve Jablonskys »Autobots«-Thema aus den »Transformers«-Filmen ließ Gläser zu Beginn sanft und effektvoll einlaufen, um sich dann dem ganz großen Filmmusikduktus zu widmen - erfolgreich.

Als Überraschung spielte er seine Eigenkomposition »Noah« und bezog sich damit auf die Verschlechterung der Lebensumstände. Das war eingängig, und vor allem sang Gläser dazu einen sparsamen Text. Sein klarer Tenor wurde in der Kirche sehr gut übertragen (Ton und Licht von »Radioaktiv«). So konnte man sich auf den eingängigen Inhalt (»Mitten auf dem Land ein Schiff«) gut beziehen. Das kam getragen und nicht überraschend etwas melancholisch.

Nach einem Ausflug zu Pink Floyds »The Wall« zog das Tempo mit »Money, money, money« (ABBA) dann noch mal deutlich an, großer Schwung und tolle Stimmung. Der meist gewünschte Song im Programm (Gläser) folgte, Leonard Cohens »Hallelujah«. Eher sakral aufgefasst und nicht so bluesig wie zumeist interpretiert und mit einem leichten Jazzhauch abgeschlossen. Ein sehr unterhaltsamer Abend, den alle Anwesenden, einschließlich Gläser sehr zu schätzen wussten: endlich mal wieder Livemusik - man konnte es kaum glauben.

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