Marktplatzausbau:

Kompromiss mit Fragezeichen

  • Thomas Brückner
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Laubach(tb). "Vielleicht sollten wir jedes Jahr einen Bürgermeister wählen", kommentierte CDU-Fraktionschef und Bürgermeisterkandidat Björn Erik Ruppel die seltene Einmütigkeit unter Laubachs Stadtverordneten. Stand doch zu diesem Zeitpunkt fest: Nach dem Votum zum Kindergartenkonzept gemäß Ausschussempfehlung (die GAZ berichtete) wird auch die Vorlage zum Marktplatzausbau einstimmig beschlossen werden.

Chance gewahrt auf 90 Prozent Zuschuss

In Abänderung der Magistratsvorlage ward am Donnerstag also ein Kompromiss gefunden, der eine Hauptforderung der Kritiker aufnimmt: Der Entwurf von Stadtplaner Karl-Dieter Schnarr ist nicht das letzte Wort: Mit dem Attribut "vorläufig" geht das Konzept jetzt auch an die Förderstelle. Jetzt. Bei einer Vertagung hätte sich die Stadt der Chance einer erhöhten Förderung beraubt: Am 15. November endet die Frist, bis der das Land einen von 75 auf 90 Prozent erhöhten Zuschuss in Aussicht stellt.

Schnarr hatte eingangs das Ausbaukonzept erläutert (die GAZ berichtete). Gemäß Parlamentsbeschluss aus 2018 lauteten die Ziele: Verbannung der Autos, nur Anliegerverkehr, mehr Aufenthaltsqualität, Vorrang für Fußgänger samt Barrierefreiheit (Rollatoren-geeignete Wege). Nicht zu vergessen: Erhalt der Linde. Dass der Baum - im Entwurf Ausgangspunkt konzentrischer Pflasterkreise - ein prägendes Element der "guten Stube" sei, merkte Schnarr an. Doch nicht das einzige: Prägend seien ebenso die Umgebungsbebauung und der Brunnen. Charakteristika des Platzes, die aufgrund der in den 80ern angelegten kleingliedrigen Elemente, Beete und Zierbäume, verloren gegangen seien. Es geht sozusagen um eine Rückkehr zur "großzügigen Gestaltung".

Das Freistellen der Linde, indem die Autos verschwinden, ist dabei wesentlich. Um den Baum herum sieht Schnarr statt der Grün- eine wassergebundene Decke vor. Was mit großer Sorgfalt geschehe, um Schäden zu vermeiden.

Der Stadtplaner suchte am Ende Bedenken zu entkräften, hier werde dem Verkehrskonzept sträflich vorgegriffen: Zwar befinde man sich erst in der Vorabstimmung, sicher aber sei bereits: "Alles ist machbar." Eine verkehrsberuhigte Zone, Einbahnregelung, auch Begegnungsverkehr, da links der neu angelegten Längsparker (Volksbankseite) ausreichend Platz bleibe.

Als Vorsitzender der IKEK-Steuerungsgruppe mahnte Ulf Häbel (FW), das Grundkonzept jetzt zu beschließen, um nicht die 90 Prozent zu gefährden. Details seien unter Einbeziehung der Anwohner noch zu verändern. Anders Hartmut Roeschen: Der SPD-Sprecher appellierte zu "politischer Klugheit", weder Ortsbeirat noch Fachausschuss noch einer Bürgerversammlung sei der Entwurf vorgestellt worden. "Bei nachträglichen Änderungen müssten wir vielleicht die Kosten allein tragen." Sein Begehr daher: vertagen.

"Gründlichkeit vor Schnelligkeit", den Ortsbeirat nicht übergehen, forderte ebenso Dirk Hofmann (FBLL). Eine solch zentrale Entscheidung für Laubach nicht ohne umfassende Bürgerbeteiligung zu treffen, verlangte auch Michael Köhler (Grüne). Und: "Sollten wir eine Million ausgeben, um ein paar Bäume weniger zu haben?" Nur vorgeschoben ist für das Argument eines Fristversäumnisses.

Expertise zwecks Erhalt der Linde

Dem widersprach Ruppel mit Hinweis auf eine 2021 wieder geringere Fördersumme. Der Antrag sei daher geboten. Da die IKEK-AG, der CDU-Mann steht ihr vor, aber noch nicht endgültig über das "Wie" beschlossen, die Pandemie hinreichende Bürgerbeteiligung verhindert habe, schlage diese Folgendes vor: Bestätigung des Grundsatzbeschlusses aus 2018 zum Ausbau; Förderung mit vorliegendem Entwurf als finanzieller Basis beantragen, Vorläufigkeit des Konzepts mit der Förderstelle abstimmen, bei Ablehnung Rückzug des Antrags; weitere Beratung des Entwurfs mit IKEK-AG, Ortsbeirat und weiteren Gremien. "Nach angemessener Bürgerbeteiligung entscheidet Parlament über das Wie der Umgestaltung"; fachliche Begleitung zwecks Erhalt der Linde; Verkehrskonzept bei weiterer Planung berücksichtigen. "Einstimmig", notierte am Ende der Schriftführer.

Fraglich und daher abzuwarten bleibt, ob die Förderstelle auf Basis eines "vorläufigen Konzepts" die von der Stadt einkalkulierten 684 000 Euro gewährt. Die Gesamtkosten sind mit 1,2 Millionen veranschlagt, der Eigenanteil mit rund 500 000 Euro - bislang.

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