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Königin kippt tot vom Wagen - Tim Frühling liest in Laubach aus "Hessentagtod"

  • Patrick Dehnhardt
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Eine Regionalkönigin kippt beim Hessentagsfestzug tot vom Umzugswagen - direkt vor die Füße des ratlosen Ministerpräsidenten. Motive gibt es viele: Welche Rolle spielt die Heuchelheimer Äppelwoikönigin? Ist es ein Anschlag einer feministischen Gruppe? Oder stecken andere Gründe hinter der Tat? Tim Frühling stellt in "Hessentagtod" seinen Kommissar Rohde vor eine harte Nuss.

Hessentagtod - dem Mittelhessen fehlt bei diesem Wort in der Mitte ein "s". Auch Tim Frühling geht es so: "Das hat mir der Verlag weggestrichen", berichtet er den vielen Zuhörern bei der Lesung im Laubacher Rathaussaal. Für das "Krimifestival" hat er den vierten Fall seines Bad Hersfelder Kommissars Daniel Rohde mitgebracht. Dieser muss mitten im größten Fest der Hessen ermitteln.

Ein Krimi auf dem Hessentag? Das gab es noch nicht, sagt Frühling. Dennoch musste er den Verlag in Köln erst überzeugen. "Ich musste in Köln erst einmal erklären, was der Hessentag ist - und warum der Tag zehn Tage dauert." Als er hinzufügte, dass beim Hessentag in Kassel zwei Millionen Besucher waren, gab es grünes Licht. "Unser Landesfest ist halt einzigartig."

Der Krimi beginnt damit, dass beim Festzug am letzten Tag eine tote Regionalkönigin dem Ministerpräsidenten vor die Füße stürzt. Sie ist eine von sechs jungen Hessinnen, die sich um den Titel "Hessenkönigin" bewerben. Diese soll das Bundesland ein Jahr lang präsentieren, erfällt dafür als kleine Entschädigung 125 000 Euro und ein Cabrio. Per Online-Abstimmung kann über die Zeit des Hessentags bestimmt werden, wer die neue repräsentative Hoheit wird.

Erpresserbrief von "Achim"

Eine der sechs Kandidatinnen ist Johanna, die Heuchelheimer Äppelwoikönigin. Eigentlich stammt sie aus Allendorf/Lumda, ist jedoch für das Studium näher nach Gießen gezogen. Während des Wettbewerbs erhält sie einen anonymen Erpresserbrief: Ihr Vater, der Bürgermeister, soll eine Affäre haben. "Achim" droht, dies publik zu machen, wenn sie sich vom Wettbewerb nicht zurückzieht. Die einzige Parallele zwischen dem echten und dem fiktiven Bürgermeister ist übrigens, dass der eine Benz fährt, der andere so heißt.

Auch zwischen den sechs Regionalköniginnen gibt es Differenzen: Die Königssteiner Burgenkönigin ist neidisch auf die Schönheit der Ockstädter Kirschenkönigin, hat zudem ein Auge auf den Freund der Ahle-Worscht-Königin Yvonne geworfen. Dann sind da noch das satte Preisgeld und der Ruhm - Grund für einen Mord?

Oder steckt eine feministische Bewegung aus Marburg dahinter, die jegliche Form von Misswahl als Fleischbeschau und Entwürdigung der Frau bekämpft? Schon längere Zeit planen sie eine Aktion, um eine Diskussion in den deutschen Medien anzustoßen. Ging der Plan, dabei niemand ernsthaft zu schaden, etwa schief?

Frühling unterbrach sich immer wieder selbst in der Lesung, um Hintergrundinformationen zum Hessentag und den einzelnen Figuren einzustreuen. Als sich die jungen Frauen etwa darüber wundern, dass sie stundenlang in die Maske müssen, sagt der Autor: "HD ist der Feind. Die Fernseher werden immer größer, die Auflösung immer besser - und ich immer älter." Die Lacher waren auf seiner Seite.

In Richtung der Stadtverwaltung fragte er, ob man sich nicht in Laubach auch mal einen Hessentag vorstellen könnte: "Dann kriegen sie ganz viele Kreisverkehre." Frühling schloss mit den Worten: "Und jetzt die Wettervorhersage: Nicht mehr so ein Schmuddelwetter wie heute."

paf/FOTO: PAD

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