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Auf das Kleingedruckte kommt es an

  • vonDunja Osswald
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Laubach (dun). An Schildern von 65 Straßen mit lokalhistorischen Namen in der Großgemeinde Laubach hängen seit wenigen Wochen kleine Zusatzschilder. Bürgermeister Peter Klug stellte diese lokalhistorische Maßnahme kürzlich zusammen mit den Initiatoren Eberhard Roeschen und Dirk Oßwald vor.

Beide hatten bereits vor über 20 Jahren eine erste Dokumentation erstellt und diese zwischen 2018 und 2020 aktualisiert. Dabei unterstützten sie Björn Christoph Stühler als Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises sowie die Ortsvorsteher von Münster (Klaus-Dieter Schmitt), Ruppertsburg (Horst Wagner), Laubach (Günter Haas) und Wetterfeld (Ralf Ide), die Erläuterungen aus ihren Dörfern beisteuerten.

Insgesamt beschriftete man 41 Straßen in der Kernstadt, drei in Wetterfeld, sechs in Münster und 15 in Ruppertsburg. Aus den anderen Ortsteilen der Großgemeinde gab es auf Abfrage 2018 zunächst kein Interesse an einer Teilnahme, was aber jederzeit nachgeholt werden könne, wie Klug erläuterte.

Auf den kleinen Schildern ist der geschichtliche Hintergrund der Straßennamen kurz und knapp erläutert. »Wir wollen damit den Bewohnern dieser Straßen ebenso wie allen anderen Bürgern und Gästen der Stadt, vor allem aber der jüngeren Generation, die oft vergessene lokale Geschichte lebendig machen«, erläuterten Roeschen und Oßwald den Hintergrund ihrer Arbeit. Die Namen der ausgewählten Straßen beziehen sich meist auf lokalgeschichtlich bedeutsame Personen wie die Laubacher Maler Felix Klipstein oder Carl Barnas, den legendären Motorrad-Konstrukteur Friedel Münch, den früheren Forstmeister Andree, der in der gleichnamigen Allee die heute ortsbildprägende Reihe von Lindenbäumen pflanzte, oder den Wetterfelder Pfarrer Cervinus, dessen berühmte Chronik ein Spiegelbild des Lebens während des Dreißigjährigen Krieges darstellt.

Viele Straßennamen nehmen auch Bezug auf alte Gemarkungsbezeichnungen, die sich wiederum auf ihre interessante geologische oder wirtschaftliche Geschichte beziehen. Im Gebiet der heutigen Straßen Rotacker in Münster und Auf den Röden in der Kernstadt gab es auffällig rote, eisenerzhaltige Erde. Unweit der letztgenannten verläuft die heute In der Grube genannte Straße, benannt nach einer Geländeabsenkung, in der vermutlich einst Eisenerz abgebaut wurde. Nur wenigen dürfte heute noch bekannt sein, dass die Weingartenstraße in Münster oberhalb des heutigen Spielplatzes einst ein Weinberg der Zisterzienser-Mönche des Klosters Arnsburg war oder die Mönchsgasse in Ruppertsburg an die Gründung des Dorfes 1183 durch die Mönche des Kloster Hersfeld erinnert.

Besucher der Straße Grünes Meer in der Laubacher Altstadt erfahren, dass der Name an das einst sumpfige, mit Algen übersäumte Gelände erinnert, das nach der Trockenlegung von Schutzteichen rund um die ehemalige Burg zur Erweiterung der Altstadt entstand.

Sumpf wird »Meer«

Die benachbarte Grünemannsgasse hatte niemals einen grünen Mann zum Ursprung, sondern bezieht sich auf das altdeutsche Wort »Griman«, das »Helm« bedeutet und auf die Helme am Grimansbrunnen hinweist. Erstaunt sein dürfte auch mancher, dass Auf der Planke tatsächlich früher Holzplanken standen anstelle der Stadtmauer, weil das Gelände dort, genau wie im Grünen Meer, zu sumpfig war und dementsprechend keine gute Grundlage für den massiven Schutzwall gewesen wäre.

Die Liste mit Erläuterung der 65 historischen Straßennamen ist im Internet unter www.laubach-online.de abrufbar.

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