Waldspaziergang mit den Grünen-Politikern (vorne, v. l.) Christiane Schmahl, Katrin Schleenbecker und Frank Diefenbach.
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Waldspaziergang mit den Grünen-Politikern (vorne, v. l.) Christiane Schmahl, Katrin Schleenbecker und Frank Diefenbach.

Klare Ansage: Den Klimawandel gestalten

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach(tb). Zum Schutz der Wälder hat die schwarz-grüne Landesregierung zehn Prozent des Staatsforstes "stillgelegt". Mehr Raum für die "freie Entfaltung der Natur", reklamiert Frank Diefenbach, waldpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Dass der Forst Hilfe braucht, dafür erhielt er bei einem Besuch in Laubach weitere Argumente.

Start und Ziel des Waldspaziergangs - mit dabei interessierte Bürger sowie die heimischen Grünen-Politiker Dr. Christiane Schmahl, Michael Köhler und Katrin Schleenbecker - war das Gasthaus "Laubacher Wald". Beim anschließenden Fachgespräch machte zunächst der Laubacher Markus Dietz (Institut für Tierökologie und Naturbildung) eines klar: "Wir profitieren in vielfältiger Weise vom Wald, er muss jetzt auch von uns profitieren." Angesichts des Klimawandels, der fatalen Folgen langer Trockenperioden brauche es ein Konzept zum dauerhaften Erhalt des Waldes, geprägt durch eine ganzheitliche Betrachtung. Gerade aus Sicht des Biologen sei die Herausnahme von zehn Prozent des Staatswaldes aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu würdigen. Jetzt fehlten noch der Kommunal- und Privatwald.

Doch gab Dietz dem Landespolitiker nicht nur Lob mit auf den Weg: Für Kommunen seien heute Ökopunkte (aus stillgelegten Flächen) oftmals die einzige Einnahmequelle, die ihr Wald noch liefere. "Nur kommen sie gegen die überbordende Konkurrenz von HessenForst nicht mehr an." Stattdessen sollte sich der Landesbetrieb stärker am Kriterium Biodiversität orientieren.

Ins Stammbuch schrieb er dem Grünen auch dies: Auf die Überarbeitung der Naturschutzleitlinie warte man schon lange, gleiches gelte für die Managementpläne für FFH- und Vogelschutzgebiete - eines davon findet sich bekanntlich im Laubacher Wald.

Ein Großteil davon ist Eigentum des Grafen. Betriebsleiter Forst ist hier seit vielen Jahren Rüdiger Krato. Der warnte vor allzu großem "Klima-Pessimismus", habe es doch bereits 1976 ein großflächiges Buchensterben gegeben, hätten sich die Bestände wieder erholt. "Gedanken aber müssen wir uns schon machen", sagte Krato. Der selbst für die Fichten eine Zukunft sah, müsse man doch weiter mit dem "Brotbaum der Forstes" arbeiten.

Mit Blick auf ungerechtfertigte Vorwürfe eines Raubbaus einiger Ökoaktivisten bat er um mehr Fairness. Dass der Waldbesitzer auch Geld verdienen müsse, sei wohl klar. Einig waren sich Praktiker und Politiker darin, dass es für den Erhalt des Waldes mehr Hilfe braucht: Schon gar, da er - anders als die Landwirtschaft - keine 250 Euro je Hektar staatliche Förderung erhalte.

"Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten, wir müssen ihn jetzt gestalten", postulierte wiederum Diefenbach. Für den Wald bedeute das die Förderung von Mischbeständen, von klimaresistenten Arten, Aufbau einer breiten genetischen Basis sowie die Förderung der Grundwasserneubildung.

Letzteres ein Punkt, den auch Schleenbecker und Schmahl als vordringlich erachteten. "Das Trinkwasser mit Tanklastern ankarren, kann keine Lösung sein."

Die Wanderung führte größtenteils entlang der alten Trasse der Seentalbahn. Auf der möchte die Stadt den Radweg bis Freienseen weiterführen. "Der hat nur Sinn, wenn er durch den Tunnel führt", betonte Laubachs Grünen-Sprecher Köhler. Auf dessen Bitte sagte Diefenbach am Ende zu, sich in Wiesbaden für ein Absenken der Hürden für eine Landesförderung einzusetzen, etwa was die Breite von 2,50 Meter betrifft. Köhler: "Ansonsten entsteht hier eine riesige Schneise im Wald." FOTO: TB

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