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Blick auf Laubachs Marktplatz und (teilweise verdeckt) das Schloss.

»Kein neumodisches Betonmonster«

Laubach (pm/tb). Das Bürgerteam »Altstadtsanierung/Ortskernerhaltung« macht sich für den Erhalt der Bepflanzung auf dem Marktplatz stark. »Von CDU/FW favorisierter Plan« des Stadtarchitekten Schnarr lehne das Team ab, heißt es eingangs einer Pressemitteilung.

Wie von der Gießener Allgemeinen Zeitung berichtet, soll dieser Entwurf im Juli in einer Bürger- und auch Anrainerversammlung vorgestellt werden, sollen IKEK-Steuerungsgruppe und Stadtparlament hernach endgültig entscheiden. Andernfalls, so Bürgermeister Matthias Meyer, werden bereits bewilligte Landesförderung gefährdet, da Verwendungsfristen nicht einzuhalten seien.

Kopfsteinpflaster sollte bleiben

Die Begrünung samt der Bäume im Randbereich sowie die Linde, so das Bürgerteam, sollten aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes, der Luftreinhaltung »und für die Menschen« erhalten bleiben. Eine Forderung, die auch von vielen Altstadtbewohner geteilt werde.

Für einen Luftkurort komme ein »neumodisches Betonmonster« nicht infrage, macht Sabine Möller das Nein auch zu einem Austausch des Kopfsteinpflasters deutlich. Ziel sollte vielmehr eine lebens- und liebenswerte sowie zukunftsfähige Altstadt sein, die sich mit Lich und Grünberg messen lassen könne.

An Laubachs Marktplatz sei in den 70ern genug Zerstörung betrieben und bereits ein Teil der Altstadt zerstört worden. »Es erschreckt mich, dass dies in Zeiten des Klimawandels weitergeführt werden soll«, wird Jan-Patrick Wismar, Sprecher des Bürgerteams, in der Pressemitteilung zitiert. Eine Asphaltfläche, die sich im Sommer aufheize und keinerlei Aufenthaltsqualität biete, dürfe nicht das Ziel sein.

»Wir als auch viele Anwohner und Laubacher stellen sich eine andere Gestaltung vor. Unser Alternativplan sieht die weitere Begrünung des Platzes, Schaffung von Parkplätzen für körperlich eingeschränkte Menschen und Erhalt der Sichtachse Engelsbrunnen - Schloss vor«, heißt es weiter. Letzteres sei sehr wohl zu erreichen, ohne dass man Bäume fälle. Auch das Basalt-Pflaster aus Katzenköpfen und kleineren Steinen gelte es zu erhalten. »Reißt man dies raus - es findet sich auch noch in der Obergasse, der Oberen Langgasse und den Verbindungsgässchen am Marktplatz - so schlägt man eine erneute offene Wunde in die Herzkammer von Laubachs Altstadt.« Stattdessen könne man das alte Pflaster (kostengünstiger) abschleifen und so Zonen schaffen, in denen man sich mit Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl sicher bewegen könne. In anderen Städten, etwa in Lich und Marburg, habe das auch funktioniert.

Abgelehnt wird ebenso eine Effektbeleuchtung der Linde: Was für die Menschen ein Hingucker sein könne, sei für Vögel und nachtaktive Insekten nicht gerade förderlich. »Wer auf solche Ideen kommt, hat jegliches Verständnis für Natur und Umwelt verloren.« Seit Monaten müsse das Wasser in Teilen Laubachs gechlort werden. Beim Marktplatz dagegen müsse jetzt alles ganz schnell gegen den Willen der Anwohner geschehen, wird Editha Schlenzig (Salon Kircher) zitiert.

Altes Rathaus keine Zierde

Der Gruppe gehe es aber nicht nur um den Marktplatz, sondern auch um die Sanierung von Häusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, erklärt Wismar. In Grünberg, Lich oder etwa Alsfeld habe man die historischen Rathäuser erhalten, pflege und nutze sie. Hier aber sei das Fachwerk des alten Rathauses verputzt. »Keine Zierde für Laubachs Gute Stube. Schade, man könnte die alten Balken freilegen und begrünen«, meint Wismar.

Aktiv ist der auch im Verein »Stadtbild Deutschland e.V.«, der sich für den Erhalt historischer Bauten und Ortskerne als wertvolles Kulturgut einsetzt. »Denkmalschutz«, so Wismar, »ist auch Umweltschutz. Man verwendet natürliche Materialien, die sich über Jahre und Jahrhunderte bewahrt haben. Und: Für Sanierungen und innerörtliche Nachverdichtungen muss kein Baugrund auf der grünen Wiese verbraucht werden.«

Am 14. Juni, 19.30 Uhr, will das Bürgerteam auf dem Marktplatz seinen Alternativ-Entwurf vorstellen.

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