Jakob Nolte hat im Garten seiner Familie in Laubach-Röthges Wildblumenstreifen angelegt - ein Beitrag zur Artenvielfalt. FOTO: JWR
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Jakob Nolte hat im Garten seiner Familie in Laubach-Röthges Wildblumenstreifen angelegt - ein Beitrag zur Artenvielfalt. FOTO: JWR

Ehrenamtpreis

Jung-Botaniker: Jakob Nolte ist mit 19 Jahren schon gefragter Experte

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Jakob Nolte aus Röthges hat gerade Abitur gemacht - und schon Erfahrungen als Wissenschaftler. Ungezählte Stunden hat er in Botanik und den Artenschutz investiert. Nun wird er für sein ehrenamtliches Wirken ausgezeichnet.

Jakob Nolte schreitet mit wachem Blick durch den Garten seiner Familie, begleitet vom Summen vieler Insekten. An mehreren Stellen sprießen prächtig blühende Wildpflanzen aus dem Boden. Nolte kann sie alle beim lateinischen Namen nennen - und noch viele mehr. "Meine ersten Worte waren ›Baum‹ und ›Blume‹, nicht ›Mama‹ und ›Papa‹", so hat er es erzählt bekommen.

Von Kindesbeinen an ist der 19-Jährige aus Röthges fasziniert von Natur und vor allem von heimischer Flora. Aus der Faszination ist längst umfangreiches Engagement geworden, für Nolte ist das eine Herzenssache. "Es ist im Naturschutz ein riesiges Problem, dass das Artensterben bei der Botanik anfängt", sagt der junge Mann. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Räume für Wildpflanzen zu schaffen - im eigenen Garten und weit darüber hinaus - und andere Menschen für Ökologie zu sensibilisieren. Die Bürgerstiftung Mittelhessen erachtet sein Wirken als herausragend und vorbildhaft: Am heutigen Mittwoch wird Nolte der Ehrenamtpreis für junge Menschen verliehen (siehe Kasten).

Seine Mutter habe ihn auf die Ausschreibung in der Zeitung hingewiesen, erzählt Nolte. Die Bewerbung hat der Neu-Abiturient mit Bestnote selbst eingereicht, auch um "Aufmerksamkeit für das Thema zu erregen".

Jung-Botaniker: Beeindruckende Projektliste

Die Liste seiner bisherigen Projekte beeindruckt - gerade angesichts des jungen Alters: Seit Jahren ist er Vorstandsmitglied beim NABU Laubach, bringt sich jenseits der "normalen" Vereinsarbeit als Experte für Botanik mit Führungen ein, etwa zu Wildpflanzen auf dem Speiseplan und heimischen Heilkräutern. Auch privat bietet er Exkursionen an, hat schon Studenten der Ernährungswissenschaft geführt. Er berät Firmen und Privatleute, die Flächen naturnah gestalten wollen, hat Wildblumenwiesen am Laubach-Kolleg und der dortigen Gesamtschule initiiert und betreut sie weiter. Der 19-Jährige bildet sich bei Seminaren und Symposien weiter und hat schon ein eigenes Forschungsprojekt: Seit zwei Jahren erstellt er ein Pflanzenmonitoring, will damit die Grundlage des Naturschutzes in Laubach verbessern und das Artensterben dokumentieren.

Dazu hat er Wiesen und Äcker kartiert - und die Ergebnisse mit einer Doktorarbeit von 1887 über dasselbe Gebiet verglichen. Die Resultate stellte er 2019 auf einem internationalen Symposium in Thüringen vor. Mit seiner Forschung zum Verlust von Artenvielfalt und -häufigkeit hat er kürzlich den Regionalwettbewerb von "Jugend forscht" gewonnen.

Um sich ganz auf seine Passion konzentrieren zu können, verzichtet Nolte auf manches, was in seinem Alter für viele selbstverständlich dazugehört: "Ich spiele keine Computerspiele, schaue keine Filme", sagt er, "ich mache wenig, was Zeit verschwendet". Etwa einmal im Monat feiere er mit Freunden - doch der Fokus liegt auf der Ökologie. Geholfen habe ihm, dass er in der Schule meist mit wenig Aufwand gut zurechtgekommen sei. Während seiner Oberstufenzeit konnte er auch das Engagement für Artenschutz dort einbringen.

Jung-Botaniker: Ungezählte Stunden in Wald und Flur

Ungezählte Stunden hat Nolte seit etlichen Jahren in Wald und Flur verbracht, sein Auge für hiesige Pflanzenarten geschult. Die meisten Naturschützer seien Ornithologen. "Jeder hat sein Steckenpferd, aber nur bei wenigen ist das Botanik." Doch der Abiturient ist überzeugt: Nachhaltiger Artenschutz muss bei Pflanzen beginnen, "es bringt wenig, oben in der Nahrungskette anzufangen".

Und die Zeit drängt, manche Arten sind laut Nolte unwiederbringlich dahin: "Es ist kurz vor zwölf, für manche Arten schon kurz nach zwölf." Diesen Appell hat er auch bei einer Demo von "Fridays for Future" gebracht. "Man hört immer wieder von Älteren: Die jungen Leute hängen nur vorm Computer, sind eine Spaßgeneration", so Nolte. Doch gerade die junge Bewegung habe gezeigt, dass das so nicht stimme und seine Generation durchaus etwas bewegen wolle. Es gehe ihr um Vielfalt - auch in der Natur. In der Generation der Großeltern, so sein Eindruck, habe dagegen häufig der Wunsch nach Ordnung und Sicherheit vorgeherrscht, "daher sind die Gärten auch so geordnet".

Dem jungen Mann geht es auch darum, sein Wissen weiterzugeben und andere dafür zu begeistern, im Kleinen anzufangen. Wahrscheinlich, erzählt Nolte, werde er bald ein Studium der Geo-Ökologie in Bayreuth starten. Die Uni hat ihn schon eingeladen, sein Ruf eilt ihm voraus.

Info: Ehrenamtpreis für junge Menschen

Am heutigen Mittwoch wird Jakob Nolte in der Hungener Volksbank-Filiale mit dem mit 1000 Euro dotierten Ehrenamtpreis (erster Preis) für junge Menschen der Bürgerstiftung Mittelhessen ausgezeichnet.

In einer Stellungnahme würdigt die Stiftung Nolte als "außergewöhnlichen jungen Mann, der ein herausragendes Beispiel dafür ist, dass es junge Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren".

Vorgeschlagen werden können Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Ziel ist laut Internetauftritt, auf Ehrenamt aufmerksam zu machen - "zur Nachahmung für andere junge Menschen". jwr

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