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Stargast Tony Lakatos (l.) mit der "Laubach Blues Formation": Andreas Müller, Michael Will, Johannes Langenbach, Sigrun Bepler und Benjamin Kolloch.

Jazz für den Frieden - und für die Seele

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Laubach(usw). Dass "Jazz für den Frieden" immer eine gute Sache ist, erwies sich jetzt wieder beim Konzert der Friedenskooperative Grünberg-Laubach-Mücke. Im Rathaussaal musizierte am Freitag die "Laubach Jazz Formation" und der Blues-Chor gab ein bemerkenswertes Ständchen. Dazu setzte Stargast Tony Lakatos am Saxofon Glanzlichter - ein wunderbarer Abend.

Die Mischung aus Musik und hochwertigem Buffet bringt jedes Jahr eine gute Summe zur Förderung helfender Organisationen ein und beschert den Besuchern beste Unterhaltung. "Dieses Jahr unterstützen wir wieder die Ärzte ohne Grenzen und ›Handicap International‹", sagte die Vorsitzende der Friedenskooperative Janina Gerschlauer in ihrer Begrüßung. Die Einnahmen flossen komplett an die genannten Einrichtungen. Den Löwenanteil des Abends bestritt die abermals sehr gut aufgelegte "Jazz Formation". Sie wurde von Tony Lakatos ergänzt, der auch eigene Titel zum Repertoire beisteuerte. Man hörte Andreas Müller (Piano), Michael Will (Bass), Johannes Langenbach (Schlagzeug), Sigrun Bepler (Gesang) und Benjamin Kolloch (Gitarre).

Musikalisches Wellnesszentrum

Schon bei "Lullaby of Birdland" legte man einen sanften Groove mit fast samtigem Sound hin, und Sigrun Bepler nahm mit angenehmem Timbre für sich ein. Im folgenden "Charly’s waltz" brachte Lakatos ein edles Flair und tollen unverstärkten Sound ins Geschehen ein; die Minen der Zuhörer leuchteten auf. Gleich danach hörte man einen ersten Höhepunkt, "Sugar" von Stanley Turrentine. Ein warmweicher Groove von der Gitarre, Bepler war ganz bei sich und fand ab da zu einer angenehmen Lieblichkeit - es war höchst angenehm. Lakatos lieferte intuitiv passsende Beiträge und schwebte etwa zum letzten Ton des Gesangs mit einer glänzenden Ergänzung ein. Er agierte nicht als Star, sondern brachte eine deutlich konstruktive Grundhaltung ein; er spielte mit. In "When sunny gets blue" fügte Lakatos ein seidenweiches Saxofon ein, agierte poetisch, zart und mit ungekünstelter Originalität. Mit scheinbarer Mühelosigkeit setzte er sanfte Akzente, und die etwas nüchterne Atmosphäre des Rathaussaals verwandelte sich in ein musikalisches Wellnesszentrum. Das Publikum spendete kräftigen, anhaltenden Beifall.

Den erhielt auch der von Hermann Wilhelmi geleitete Blues-Chor. Das Ensemble nahm das Publikum mit fetzigen Versionen des Beach-Boys-Evergreens "Barbara Ann" nachhaltig für sich ein, um dann mit dem Joe-Cocker-Hit "Unchain my heart" restlos abzuräumen: Wie unter Hochspannung, mit exzellenten Stimmen und großer Kraft, rissen sie das Publikum bis zum sagenhaften Abschluss komplett mit; Wilhelmi hämmerte am Klavier die nötigen Töne.

Kinderarzt Christoph Höhn berichtete im weiteren Verlauf des Abends von Aufgaben und Aktionen der Ärzte ohne Grenzen. Er war vor anderthalb Jahren mit einer kleinen Einheit nördlich von Mossul im Irak im Einsatz. "Das war eine Notaufnahme, ein Kreißsaal mit 300 Geburten im Monat und einer kleinen Kinderstation. Es sind in diesen Situationen meistens die Kinder, die zu uns kommen, die sind am stärksten betroffen", sagte er. Gerschlauer umriss dann die Arbeit von Handicap International, einer weltweit gegen Landminen, Verarmung, und soziale Ausgrenzung arbeitenden Einrichtung, die laufend an die 80 Projekte in etwa 60 Ländern ausführt.

Eine Wohltätigkeitsveranstaltung, die mit einem hochwertigen und lebhaft akzentuierten Musikprogramm ganz für sich einnahm. Die Atmosphäre war rundum gelungen.

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