Zufrieden mit dem Ergebnis: Werner Hühnergarth und Susanne Koch vom Vorstand der evangelischen Gemeinde Laubach in der renovierten, für alle offenen Friedhofskapelle. FOTO: TB
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Zufrieden mit dem Ergebnis: Werner Hühnergarth und Susanne Koch vom Vorstand der evangelischen Gemeinde Laubach in der renovierten, für alle offenen Friedhofskapelle. FOTO: TB

Japan-Papier schützt Jugendstilmalerei

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach(tb). "Selig, die im Herrn sterben" - mahnende Worte aus der Offenbarung des Johannes geleiten Besucher aus der Laubacher Friedhofskapelle ins Freie. Nur: Seit Februar nahm in dem Gebäude, 1907 im neugotischen Stil errichtet, niemand mehr Abschied von einem geliebten Menschen. Trauerfeiern finden draußen statt, einzig Aufbahrungen sind möglich.

Was nicht nur mit der "apokalyptischen" Seuchengefahr, den Abstands- und Hygieneregeln, sondern auch mit einer freudigen Entwicklung zu tun hat: Fünf Jahre nach den ersten Überlegungen der evangelischen Kirchengemeinde wurde mit der Renovierung des Kleinods begonnen. Die Arbeiten sind nahezu erledigt, die Einweihung harrt einzig der Ausbesserung der bleiverglasten Fenster. Scheint die Sonne wie an diesem Vormittag, so entfalten die aus Buntglas gestalteten biblischen Szenen ihre ganze Schönheit.

Bei dem Lokaltermin erläuterten Susanne Koch und Werner Hühnergarth - sie Vorsitzende, er Bauexperte des Kirchenvorstandes - die Arbeiten.

Vorweg: Nur selten ist eine Trauerhalle nicht Eigentum einer Kommune, zählt die Schaffung eines würdigen Abschiedsraums doch zu deren Pflichtaufgaben. So kommts, dass die Kosten von der örtlichen evangelischen Gemeinde als Eignerin, von der Landeskirche und der Stadt gemeinsam getragen werden.

Placet vom Denkmalschutz

Letztere hat einen Zuschuss von 103 000 Euro bewilligt. Was am Ende aber auf jeden zukommt, wird sich erst mit der Schlussrechnung weisen. Erfreulicherweise, so hieß es gestern, stehe eines bereits fest: "Wir bleiben unter der veranschlagten Summe." Ein dickes Lob galt hier der Bauleitung, dem Architekturbüro Kratz (Laubach), der tollen Zusammenarbeit mit Kirchenvorstand und -verwaltung.

Ulrich Kratz vertrat gestern den urlaubenden Sohn Andreas Kratz, der das Projekt verantwortet. Seinen Worten zufolge wurde etwa die Elektroinstallation den VDE-Vorschriften angepasst, die Heizung erneuert, die Bestuhlung aufgefrischt sowie im Außenbereich eine Wand in Teilen neu verfugt.

Sehr aufwendig und in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz zu erledigen war dieser Arbeitsschritt: In der Kapelle galt es die alte, hier nicht sachgerechte Dispersionsfarbe abzutragen und einen neuen Anstrich aufzubringen. Dabei hatte sich dem Kirchenvorstand bald die Frage gestellt, ob man die nun wieder sichtbaren, im Jugendstil gehaltenen Bordüren, Verzierungen und Malereien wieder vervollkommnen sollte. Die Renovierungen der letzten 100 Jahre hatten nur Fragmente übrig gelassen. Dazu nun Koch: "Vielleicht später mal."

In dieser Zeit erschien es dem Vorstand unangemessen, die immens teure Restaurierung in Auftrag zu geben, also wurden die Fragmente mit leicht zu entfernendem Japan-Papier abgedeckt und gesichert. "Vielleicht", so war sich Susanne Koch mit Vorstandskollege Werner Hühnergarth einig, "findet sich später ja mal ein Gönner." So wie vor bald 115 Jahren, als nicht nur wohlmeinende, sondern auch wohlhabende Gläubige die Fenster gestiftet hatten.

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