Aktuell gelten in Laubach besondere Corona-Regeln.
+
Aktuell gelten in Laubach besondere Corona-Regeln.

Corona-Hotspot

Corona-Hotspot im Kreis Gießen: In Laubach viele Läden nur mit Negativtest zugänglich

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
    schließen

Fürs Erste bis Sonntag gilt in Laubach eine kreisweit einmalige Regelung: Viele Geschäfte sind nur mit negativem Schnelltest zugänglich. Notwendiger Schritt in einem Hotspot? Die Meinungen gehen auseinander.

Gegen 13 Uhr herrscht im Kaufhaus Schwalbach noch Mittagsruhe. So wie den ganzen Vormittag: »Einer«, antwortet Inhaber Björn Hofmann auf die Frage, wie viele Kunden an diesem besonderen Donnerstag vorbeigeschaut hätten. Der Laubacher nutzte eine der letzten Gelegenheiten zur persönlichen Beratung, am Montag schließlich wird aus »Click & Meet« wieder »Click & Collect«, muss Hofmann wieder die Bestellungen durch die Tür reichen.

Der Kunde des Kaufhauses an der Ortsdurchfahrt - weithin bekannt für Arbeitskleidung, Jagdbedarf und Hosen in der Größe XXXXXXXL - hatte sich eigens im Testcenter in der Sport- und Kulturhalle checken lassen. Das Ergebnis war negativ, und nur deshalb durfte er - wie vom Landkreis Gießen für den Hotspot Laubach verfügt - den Laden betreten.

Nur, und das kann Hofmann anhand der Kontaktdaten belegen: 90 Prozent seiner Kunden kommen nicht aus Laubach. «Soll ich die bitten, sich ins Testzentrum zu begeben und längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen?« Wer würde den Aufwand betreiben, zumal er einen Ort weiter auch so einkaufen kann, lautet da die rhetorische Frage des Kaufhaus-Chefs.

Corona in Laubach: Warum nicht auch für Märkte?

Sagt’s und schüttelt noch den Kopf darüber, dass die Testpflicht für den ohnehin nur schwach frequentierten Non-Food-Bereich gilt, nicht aber für Lebensmittelmärkte. Nachvollziehbar, denkt man an die Szenen, wenn ein heiß begehrtes Sonderangebot beim Discounter lockt.

Inzwischen ist es früher Nachmittag, und die Straßen in Laubachs Altstadt wirken wie ausgestorben. »Sonst ist bei mir schon mehr los«, sagt Buchhändlerin Janina Gerschlauer. Gerade donnerstags wenn Wochenmarkt ist und dem einen oder anderen neben dem leiblichen Wohl der Sinn nach »geistiger Nahrung« steht. Bis dato, schätzt sie, seien es gerade mal ein Dutzend Kunden gewesen. »Es ist schon schwierig für die Geschäfte«, fügte sie hinzu, »man will ja nicht die Kunden verärgern.« Vor allem wünscht sie sich eine Gleichbehandlung, also eine kreisweit geltende Regelung.

Gerschlauer aber äußert Verständnis für die Entscheidung des Landratsamtes, die Märkte außen vor zu lassen, sei doch der Bedarf an Produkten der Grundversorgung viel höher.

»Eine Zumutung«, ereifert sich Editha Schlenzig vom Friseursalon Kircher. »Da brauchen wir gar nicht drüber reden«, stimmt Ehemann Günther Schlenzig zu. Und macht doch die Rechnung auf: »Bis gegen 14 Uhr haben wir drei Personen bedient, fünf haben abgesagt.« Sogar am Samstag blieben Stühle leer. Schlenzig: »Nur um Blümche zu kaufe oder die Haare schneide zu lassen, lässt sich keiner in de Nas’ bohr’n.«

Lieber wäre es ihm, die Regierung würde eine komplette Schließung verfügen. »Aber das wollen sie nicht, dann müssten sie es ja bezahlen.« Am Ende zitiert der relativ frustrierte Friseursgatte noch die klare Ansage einen Mannes, unter diesen Umständen nicht mehr in Laubach einzukaufen.

Kundin in Laubach: Verfügung ausdehnen, bedeutete einen Schritt in Richtung Normalität

Glück gehabt: Im »Präsentkörbchen« ist gerade relativ viel los. Zwei Frauen binnen 20 Minuten schauen sich um. Im Laden von Christel Ruge gibt es neben Geschenken auch Blumen und Feinkostartikel, weshalb sie vom letzten Shutdown ausgenommen war.

Die neue Verfügung aber bringt auch ihr Geschäft fast zum Erliegen: Acht- bis neunmal erst hat sie bis dato jemandem die Ladentür geöffnet. »Die Leute bleiben weg«, sagt auch sie. Aber nicht nur wegen der Testpflicht: »Viele haben Angst, sich wegen der hohen Inzidenz in Laubach anzustecken.«

Wohl kein Thema für Kundin Christel Dickhaut, hat sie doch bereits die erste Impfung hinter sich hat. »Zu 100 Prozent« steht sie hinter der Verfügung des Kreises, absolut nachvollziehbar sei das. Nicht anders Hanne Müller. Die Laubacherin verweist auf das Modell Tübingen, fände es richtig, wenn auch hierzulande flächendeckend Schnelltests angeboten würden, man mit einem Tagesticket einkaufen oder auch nur einen Kaffee auf der Terrasse trinken dürfte. »Es wäre ein Schritt zurück zur Normalität.«

Der Nachmittag neigt sich dem Ende. Noch ist das Testcenter in der Sport- und Kulturhalle geöffnet. Birgit Straube tritt aus der Tür, zeigt das DIN-A4-Blatt mit dem großen Aufdruck »Negativ«. Warum sie den Abstrich hat machen lassen? »Um mich und andere zu schützen. Und außerdem habe ich einen Friseurtermin.« Na, wenn das die Schlenzigs wüssten ...

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare