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In Laubach backt »Diddi« auf vollen Touren

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Von: Patrick Dehnhardt

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Per Hand werden die Zimtsterne von Jörg Nitschke einzeln ausgestochen. © Patrick Dehnhardt

In einigen Bäckereien im Landkreis Gießen werden Plätzchen noch in Handarbeit hergestellt - so auch im Café Göbel in Laubach.

Seit 40 Jahren steht Jörg Nitschke, den man in Laubach jedoch eigentlich nur unter dem Namen »Diddi« kennt, in der Backstube des Café Göbel. Wie viele Brötchen, Brote und Stückchen er in dieser Zeit gebacken hat, lässt sich kaum abschätzen. Und dennoch freut er sich jedes Jahr wie ein Schneekönig darauf, wenn die Weihnachtszeit naht. Denn dann darf er wieder Plätzchen backen.

So auch an diesem Morgen. Während draußen Schneegriesel über die Fürstenstadt heruntergeht, herrscht in der Backstube Sonnenschein. Vor Diddi steht ein halbvolles Blech mit Zimtsternen, auf dem Arbeitstisch ist eine große Menge Teig ausgerollt. Er ist voller Freude bei der Arbeit. Per Hand sticht er jeden einzelnen Stern aus, um ihn dann aufs Blech zu legen.

Seit 1893 gibt es das Café Göbel (bei Einheimischen auch »Göbel-Eggebrecht« genannt), in den 129 Jahren wurden eigentlich immer zur Weihnachtszeit Plätzchen gebacken, berichtet Inhaberin Annette Krüger, geborene Eggebrecht. Rund 20 verschiedene Sorten entstehen in der Backstube, von Buttergebäck über Anisspringerle bis Vanillekipferl. Ihr Lieblingsplätzchen? »Pangini und Bärentatze«, sagt sie. Und fügt schnell hinzu: »Und eigentlich alles, was frisch auf dem Blech ist.« Plätzchenduft ist eben magisch.

In diesen Genuss kommt Nitschke nun jeden Tag. Und wird ihn nie satt. »Es ist eben nur einmal im Jahr«, sagt er. Denn Weihnachtsplätzchen werden eben nur in den Wochen vor Heiligabend gebacken. Das ganze Jahr über gibt es im Café zwar auch Teegebäck, aber diese große Vielfalt an Plätzchensorten eben erst ab November.

Damit die Weihnachtsbäckerei gelingt, hat der erfahrene Bäcker einen Tipp: »Ich konzentriere mich immer darauf. Unter Stress Plätzchen backen, ist nicht gut. Die werden dann schwarz.« Darum stellt er pro Tag nur zwei, drei Sorten her, immer in überschaubaren Mengen. Über die Woche hinweg füllt sich dann immer wieder das Sortiment auf.

Der Laubacher kennt die Vorlieben der Kundschaft genau. »Wenn ich vier große Plätzchen in die Tüte lege, kommt das nicht so gut an, als wenn es zehn kleine sind - auch wenn die Tüte das gleiche wiegt«, sagt er.

Diese Tüten sind heiß begehrt, schildert Inhaberin Annette Krüger. »Eine Kundin verschickt sie an ihre Kinder in alle Welt.« Und diese bestehen auch auf die Kekslieferung aus der Heimatstadt. Es ist halt ein Stück gebackene Kindheitserinnerung. Besonders die Miniflorentiner »haben viele Fans. Die Tüten gehen weg wie warme Semmeln«, sagt die Café-Chefin.

Für den, der noch nicht so recht weiß, welche Sorte nun sein Lieblingsplätzchen ist, gibt es auch einen Probierteller im Café. Zum Plätzchentesten sollte man sich allerdings Zeit und am besten auch ein paar Freunde mitbringen.

In der Backstube sind die Zimtsterne nun fertig. Sie wurden noch kurz abgeflämmt. Nitschke widmet sich nun den Vanillekipferln. Der Teig ist zu einer Rolle geformt, war kurz in der Kühlung, um fest zu werden. »Sonst zerläuft der dir in den Fingern.« Mit dem Messer schneidet er die Rolle in Scheiben. Dann wird jede per Hand zum Kipferl gerollt. »Jedes ein Unikat«, grinst der Bäcker.

Eine Rarität sind auch die Anisspringerle. »Das ist eine fast vergessene Sorte. Die macht, glaube ich, keine Bäckerei hier im Umkreis, im Supermarkt gibt es die sowieso nicht«, sagt Annette Krüger. Sie erinnern optisch an Spekulatius, da sie auch in eine rechteckige Form mit Motiv gedrückt werden.

Bäcker Jörg Nitschke begrüßt auch immer wieder mal kleine Helfer zum gemeinsamen Backen in seinem Reich. Ob dann auch die »Weihnachtsbäckerei« gesungen wird? Bei ihm, der auch im Laubacher Karneval aktiv ist, kann man sich das gut vorstellen. Denn die geheime Zutat seiner Plätzchen ist - so vermutet man jedenfalls nach einem Besuch in der Backstube - nicht etwa ein besonderes Gewürz, sondern eine Prise Humor.

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