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Gunter Demnig bei der Verlegung der Stolpersteine.

Immerwährende Mahnung

  • VonConstantin Hoppe
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Laubach (con). In einer Gedenkstunde wurden am Freitag in Laubach die letzten Stolpersteine in Erinnerung an insgesamt 34 jüdische Bürger in der Stadt verlegt: »Ich danke allen, die sich an diesem Projekt beteiligt haben«, eröffnete Bürgermeister Matthias Meyer die Veranstaltung und unterstrich: »Das ist auch ein Zeichen von großem bürgerlichen Engagement.

« Die Aktion war von der Friedenskooperative Laubach organisiert und geplant.

Neun neue Quader in der Innenstadt

So wurden in der Stadtmitte neun neue Stolpersteine verlegt: Adolf und Frieda Zodick lebten einst im Gebäude der heutigen Engel-Apotheke. Auch die Flucht nach Holland konnte sie schließlich nicht retten: 1942 wurde das Paar nach Auschwitz deportiert und ermordet. In der Langgasse wohnte die Familie Katz: Während Sigismund und Eugen Katz die Flucht nach Argentinien gelang, wurden Mayer und Henriette Katz nach Theresienstadt deportiert und ermordet. Als dritter Standort wurde ein kleiner offener Platz in fer Wildemannsgasse gewählt: Dort stand einst die Hausnummer 6, in der die jüdische Familie Kaufmann lebte. Albert, Chlotilde und Irmgard Lina Kaufmann gelang 1935 die Flucht in die USA. Begleitet wurde die Gedenkstunde durch Fagottistin Magdalene Stock.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat das Projekt »Stolpersteine« 1992 ins Leben gerufen: dezentrale Denkmäler für die Opfer der Verfolgung als Gegengewicht zu den zentralen Großdenkmälern. Die schlichten, 10 mal 10 Zentimeter großen Betonquader mit Messingtafel, in die mit Hammer und Schlagbuchstaben Name, Geburtsjahr, Todesjahr und Ort der Ermordung eingestanzt sind, werden von Demnig innerhalb weniger Minuten in Bürgersteigen vor den Häusern verlegt, in denen Opfer des NS-Regimes einst lebten. Der Betonstein wird versenkt, nur die Tafel bleibt sichtbar. Stolpern kann man nur im übertragenen Sinn und so die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit am Leben erhalten.

»Das wir heute die letzten Stolpersteine für jüdische Laubacher verlegen konnten, heißt aber nicht, dass wir damit dieses Kapitel unserer Geschichte abgeschlossen haben«, erklärte Stadtverordnetenvorsteher Joachim M. Kühn. »Wir müssen uns immer wieder mit diesem Thema auseinandersetzen und daran erinnern.« Am Mittwoch hatte bereits, wie berichtet, eine Diskussionsrunde zum Thema »jüdisches Leben in Deutschland« stattgefunden.

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