Blick in den jüngst eröffneten Anbau an die Kindertagesstätte Wetterfeld mit Einrichtungsleiterin Claudia Schmidt und Bürgermeister Peter Klug: Für rund 300 000 Euro wurde die ehemalige Sparkassenfiliale "umgenutzt". FOTO: PM
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Blick in den jüngst eröffneten Anbau an die Kindertagesstätte Wetterfeld mit Einrichtungsleiterin Claudia Schmidt und Bürgermeister Peter Klug: Für rund 300 000 Euro wurde die ehemalige Sparkassenfiliale "umgenutzt". FOTO: PM

"Ich weiß, das kostet viel Geld"

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach(tb). Viel zu tun auf dem Feld der Kinderbetreuung: Angaben des Fachdienstes beim Kreis zufolge fehlen in Laubach 113 Kita-Plätze, davon allein 88 für unter Dreijährige (U3). Die Statistik, Stand 31. Dezember 2019, fußt auf Einwohner- und Geburtenzahlen, die geringere Anmeldequote bei U3-Kindern ist "eingepreist". Die tatsächliche Nachfrage aber bildet sie nicht ab, zum Glück. Es gibt zwar Wartelisten in Laubach, doch stehen darauf "nur" 39 Namen, Stand April 2020. Am Handlungsbedarf freilich ändert das nichts. Zumal vom Bedarf an Gebäudesanierungen noch gar keine Rede war.

Gute-Kita-Gesetz: mehr Personal

Erläuterungen zu den Herausforderungen an die Stadt, wenn es um Kinderbetreuung geht, gaben in der jüngsten Sitzung der Fachausschüsse des Stadtparlaments Vertreter des Kita-Trägers Oberhessisches Diakoniezentrum (OD). Wie Dr. Susanne Egbert, Bereichsleiterin Kinder- und Familienarbeit, vorausschickte, sind derzeit - also in der Phase des pandemiebedingten "eingeschränkten Regelbetriebs" - 230 der 348 Plätze belegt. Apropos: Auch wegen Corona sei eine recht starke Fluktuation auf dem Stellenmarkt zu beobachten, gebe es mithin viele Bewerbungen.

Inhaltlich beschäftigt sich der Betreiber der sechs Kitas in Laubach derzeit vor allem mit dem Bildungs- und Erziehungsplan: Egbert zufolge liegt der Fokus hier auf Ernährung und Gesundheit. Als "mittelfristiges Ziel" nannte sie, dass alle Kitas das Mittagessen selbst zubereiten. Bisher ist dies nur in den drei großen Einrichtungen der Fall.

Egbert wandte sich nun dem "Gute-Kita-Gesetz" zu, das ab August unter anderem verbesserte Betreuungsstandards setzt. Nicht zuletzt per Neuberechnung des Personalschlüssels: So werden etwa die Ausfallzeiten von 18 auf 22 Prozent erhöht und für Leitungsaufgaben mehr Stunden zugewiesen. "Grob berechnet" bedeute dies einen Mehrbedarf von drei vollen Stellen, um die neuen Kriterien zu erfüllen. Daher schon mal ihr Hinweis an die Stadtverordneten, die letztlich die Deckung des jährlichen Defizits im Budget "Kinderbetreuung" von 1,3 Millionen Euro bewilligen müssen: "Das wird Sie noch beschäftigen." Zumal auf die Stadt weitere Herausforderungen zukommen, wie OD-Geschäftsführer Bernd Klein erklärte. Mit Blick auch auf neue gesetzliche Vorgaben mahnte er: "Der überwiegende Teil der Einrichtungen ist nicht mehr zeit- und funktionsgemäß." An den Gebäuden gebe es viel zu tun, vor allem in Ruppertsburg, Freienseen und Lauter. Geschätzter Aufwand: rund 600 000 Euro.

Container am Ramsberg nutzen?

Doch bedürfe es nun mal Investitionen in ein verbessertes Angebot, wolle sich Laubach weiter als kinder- und familienfreundliche Stadt präsentieren. Klein: "Ich weiß, das kostet viel Geld, aber es gibt ja Zuschüsse des Bundes." Ein Konzept avisierte er für die nächsten Monate.

Anschließende Diskussion konzentrierte sich auf die Deckung des Fehlbedarfs, bei dem der Naturkindergarten Freienseen mit bis zu 25 Ü3-Plätzen noch außen vor geblieben ist. Den Vorschlag der Verwaltung, zur Schließung der größten Lücke in den westlichen Stadtteilen den Holz-Container am Ramsberg zu nutzen, zog Michael Köhler (Grüne) in Zweifel: keine richtige Isolierung, Lebensdauer von nur acht Jahren, Abstandsforderung des Kreises. Dass man mit festen Stahl-Containern in Wetterfeld gute Erfahrungen gemacht habe, warf Egbert ein. "Wir warten jetzt auf die Positionierung des Stadtparlaments", meinte Bürgermeister Peter Klug. Und sofern der Kreis die Gemeinschaftsunterkunft am Ramsberg weiter benötige, habe sich dieses Thema eh erledigt.

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