Grünberg/Laubach: Windpark-Chancen deutlich gesunken

Laubach (tb). Stehen die Pläne für den Windpark in Grünberg und Laubach (IGL) sowie nordöstlich von Freienseen vor dem Aus? Laubachs Bürgermeister Peter Klug sieht die Chancen, dass beide Projekte von der Regionalen Planungsversammlung Mittelhessen genehmigt werden, seit Mittwoch zumindest »deutlich gesunken.«

Ursache: Die Flächen befinden sich in einem – aus Sicht des Vogelschutzes – eher kritischen Bereich. Keine Bedenken in dieser Hinsicht gebe es nur für kleine, womöglich für rentable Windparks (Anzahl der »Mühlen«) zu kleine Areale nahe Lauter und Stockhausen. So die wesentlichen Ergebnisse des Naturraum-Gutachtens, das am Mittwoch unter anderem den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen vorgestellt worden ist.

Die Gutachten für die großen mittelhessischen Vogelschutzgebiete – neben dem Hohen Vogelsberg der Hohe Westerwald – hatten die Regionalplaner an zwei Fachbüros vergeben. Im Fokus stand die Frage, ob neue »Mühlen« wie auch ein Repowering von Altanlagen aus avifaunistischer Sicht noch möglich sei. Eine Frage, die sich gerade ob der im Vogelsberg bereits hohen Dichte an Windrädern aufdrängt.

Wiewohl der Fokus auf dem Vogelschutz lag, dieser nur einer von vielen abzuwägenden Aspekten ist: Für die Frage der fürs Frühjahr erwarteten Genehmigung der geplanten Windenergieanlagen (WEA) – im Vogelsberg und damit auch im Raum Grünberg/Laubach – hat dieser Aspekt sehr wohl »vorentscheidende Bedeutung.«

So sieht es auch Laubachs Bürgermeister Klug. Wie er am Mittwochabend sagte, erwarte er schon, dass sich die Planungsversammlung daran halte, nicht das Risiko einer anfechtbaren Entscheidung eingehe. Eine Erwartung, mit der der Laubacher nicht alleine steht. Selbstverständlich steht aber auch hier der Rechtsweg offen. Abzuwarten bleiben also die anstehenden Beratungen der Kommunen mit den Projektentwicklern und potenziellen Betreibern »iTerra« und OVAG, die bereits erhebliche Summen investiert haben.

Nach der erstmaligen Information der Vertreter von Vogelsberg-Kommunen, die einen Antrag auf Ausweisung von Vorrangflächen im Teilplan Energie gestellt haben, aber auch von potenziellen Betreibern über das Gutachten wies Klug auf jetzt anstehende eingehende Prüfung hin (noch keine textliche Ausführung bereitgestellt).

So sei anhand des bei dem Treffen projizierten Kartenmaterials nicht (parzellen)genau erkenntlich gewesen, wo die unkritischen Bereiche beginnen, welche Ausmaße sie haben. Was vor allem für besagtes kleineres Areal nahe Lauter gilt: »Ich kann nicht sagen, ob das noch Laubacher oder bereits Grünberger Gemarkung ist.« Womöglich sei dieses Areal ebenso wie jenes nahe Stockhausen aber einfach zu klein, um eine für eine Rentabilität erforderliche Zahl von Windrädern aufzustellen.

Klar erkenntlich aber war laut Klug, dass das Plangebiet Freienseen komplett als Vogelschutzgebiet eingestuft werde. Hier sei allenfalls zu erwägen, ob man weitere avifaunistische Gutachten einholen sollte.

Am Mittwoch präsentierte Naturraum-Gutachten fußen auf neuen wie bereits vorhandenen Erhebungen; darunter auch solche, die potenzielle Betreiber erstellt haben. Eingebunden wurden ebenso örtliche Naturschutzverbände. Eine zusammenfassende Betrachtung eben.

Hintergrund: Von der EU werden unter der Überschrift »Natura 2000« Ziele des Arten- und Gebietsschutzes vorgegeben. Sozusagen ein »Vorranggebiet«: das Europäische Vogelschutzgebiet Hoher Vogelsberg, das sich etwa auch auf den Laubacher Wald erstreckt. Jetzt vorgelegtes Gutachten sollte daher Fragen der Verträglichkeit beantworten. Vor allem: Welche Lebensräume sind für (gefährdete) Arten – etwa Rotmilan, Schwarzstorch oder Baumfalke – zu schützen oder sollten für die Zukunft gesichert werden? Únd würden Windräder diese Ziele konterkarieren? Letzteres haben die Gutachter offensichtlich bejaht.

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