Grenzgang zwischen Himmel und Meer

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Laubach (dun). Kürzlich war es wieder soweit: In den frühen Morgenstunden starteten die beiden Kirchenbusse mit 17 Mannschaftsmitgliedern zur Segelfreizeit der katholischen Gemeinde Sankt Elisabeth Laubach in Richtung des niederländischen Ijsselmeeres. Die Laubacher beluden dort den Zweimast-Segler Vriendschapp im Hafen von Enkhuizen mit Proviant und Gepäck für die kommenden fünf Tage und machten ihn zum Auslaufen klar.

Nach einer Besprechung der wind- und strömungsabhängigen Route mit dem Kapitän und dem Maat stach die Gruppe mit dem Kommando "Leinen los" in See. Für die meisten Mitglieder der Crew glichen die Abläufe an diesem Morgen einem "Nach-Hause-Kommen": Bereits vor zwei Jahren hatten viele von ihnen an einer Segelfreizeit teilgenommen und ihre nautischen Talente auch bei stürmischer See unter Beweis gestellt.

Die diesjährige Route war allerdings eine andere. Als erstes Etappenziel steuerte die Vriendschapp am Abend des ersten Tages Den Oever an der westlichen Ijsselmeerküste an. Von dort aus ging es am zweiten Tag in Richtung der Wattenmeerinsel Terschelling. Aufgrund des überfüllten Inselhafens verblieben Schiff und Crew allerdings auf dem offenen Meer und machten aus der "Not eine Tugend": Die Mannschaft entschied sich in den Abendstunden zum Trockenfallen auf einer Sandbank.

Gegen sieben Uhr hatte das Schiff Bodenkontakt und lief fest. Gegen halb neun konnte die Crew dann von Bord und auf dem Meeresboden spazieren gehen, wobei die ein oder andere kleine Schnittverletzung an den Fußsohlen durch Muschelschalen nicht ausblieb.

Ohne störende Lichtquelle

Es sei ein unbeschreibliches Erlebnis, die "blaue Stunde" mitten im Wattenmeer zu genießen. "Die Grenzen zwischen Himmel, Meer und Land scheinen in einem pastellfarbenen Licht zu verschwimmen. Das Licht des Tages vergeht und wird sanft von den leuchtenden Punkten der ersten hellen Sterne abgelöst", schwärmte ein Segler.

Gegen Mitternacht trat das Schiff zuerst mit Motor, dann unter gesetztem Focksegel mit auflaufender Flut die Weiterfahrt an und steuerte in nächtlicher Fahrt den Hafen von Harlingen an. Es war für viele Teilnehmer ein ehrfurchtsvoller Anblick, zwischen den dunklen Masten des Schiffes die vielen Sterne und das leuchtende Band der Sommermilchstraße sehen zu können. "Weit draußen auf dem Meer und ohne störende Lichtquellen an Land bekommt man einen guten Eindruck von der Größe der Schöpfung, die uns umgibt", spürten die Jugendlichen aus Laubach.

Ziel der nächsten Etappe nach einem etwas längeren Ausschlafen war Makkum an der Ostküste des Ijselmeeres. Der Hafen von Urk stand am Tag danach auf dem Programm.

Segler sind immer auch Menschen, die die Gemeinschaft genießen, so machte die Crew der Vriendschapp in diesem letzten Hafen der Segeltour die freundschaftliche Bekanntschaft mit Pfadfindern, die ebenfalls mit einem Schiff auf Tour waren. Für den letzten Ausflugstag stand die Fahrt quer über das Ijsselmeer in Richtung Enkhiuzen an.

"Das Schiff wird auf einer solchen Fahrt schnell zur Heimat und der Abschied fällt immer schwer", berichteten die Betreuer. Viele Mitglieder der Crew haben auf der Heimfahrt durch Ruhrgebiet und Sauerland in Richtung Laubach die Bilder und Erlebnisse der Fahrt Revue passieren lassen.

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