Die Gründung der neuen Großgemeinde Laubach - das kleine Foto zeigt die Vertragsunterzeichnung am 4. Dezember 1970 - prägt vor einem halben Jahrhundert die Schlagzeilen. FOTOS: PM
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Die Gründung der neuen Großgemeinde Laubach - das kleine Foto zeigt die Vertragsunterzeichnung am 4. Dezember 1970 - prägt vor einem halben Jahrhundert die Schlagzeilen. FOTOS: PM

Geburtsstunde einer neuen Stadt

  • vonred Redaktion
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Laubach(pm). Heute vor 50 Jahren, am 4. Dezember 1970, unterzeichneten die Bürgermeister von sieben Gemeinden die sogenannten Grenzänderungsverträge. Damit stand die Bildung der neuen Großgemeinde Laubach zum 1. Januar 1971 nichts mehr im Wege,.

Der Heimatkundler Kurt Stein hat das Geschehen der letzten 50 Jahre miterlebt, in Wort und Bild festgehalten und plant dazu eine Buchveröffentlichung. Zum Jahrestag folgend Auszüge daraus.

Ende der 60er Jahre leitete Hessen die Gebietsreform ein. Effektivere Verwaltungsabläufe, mithin Einsparungen zählten zu den wesentlichen Zielsetzungen. Mindestens 5000 Einwohner sollten die neuen Kommunen haben - was Wiesbaden mit sanftem Druck durchzusetzen suchte, da bis 1977 Zusammenschlüsse freiwillig umzusetzen waren. Gab es bis dahin keine Einigung, wurde von Amts wegen eine Entscheidung getroffen.

Am 14. Juni 1970 fand auf Einladung der Stadt Laubach eine Zusammenkunft im großen Sitzungssaal des Rathauses statt, eingeladen hatte man alle interessierten Gemeindevertreter des "Laubacher Raums". Dabei wurde erstmals in großem Rahmen über die Gebietsreform informiert und beraten.

Umliegende Dörfer hatten nun Gelegenheit, zu prüfen, wem sie sich anschließen oder ob sie mit anderen eine Großgemeinde bilden wollen. Ab August 1970 gab es bei allen "Beitrittskandidaten" eine Bürgerversammlung Dabei wurde auch auf Wünsche bzw. Forderungen eingegangen.

Eine Million Mark vom Jagdpächter

Nach umfangreichen Beratungen schlossen sich am 4. Dezember 1970 die Stadt Laubach mit den selbstständigen Gemeinden Gonterskirchen, Lauter, Münster, Röthges, Ruppertsburg und Wetterfeld zusammen. Altenhain folgte am 1. Januar 1972, Freienseen am 1. April 1972 - hier aufgrund amtlicher Verfügung... Laubach zählte nun rund 10 300 Einwohner und war die flächenmäßig größte und waldreichste Kreisgemeinde.

Drei Bürgermeister lenkten seither die Geschicke der Stadt: Alfred Funk, der bereits seit 1964 Bürgermeister von Laubach war, amtierte bis 1991. Nach seinem altersbedingten Ausscheiden übernahm Claus Spandau für 18 Jahre, ihm folgte Peter Klug, der am 31. Mai 2021 ausscheidet. Am 6. oder 20. Dezember wird feststehen, wie der vierte Rathauschef in der Geschichte der "neuen Stadt" heißt.

Kurt Stein hat alle Ereignisse seit 1971 recherchiert, Presseberichte, Protokolle und Bilder gesammelt. Die Ergebnisse versammelt er in einem Buch, das er in Zusammenarbeit mit der Stadt 2021 herausgeben will. Eine Kurzfassung der Geschichte Laubachs seit der Ersterwähnung 786 werde ebenfalls berücksichtigt. Ereignisse, die sich nicht in fünf´Sätzen darstellen lassen, wie der Kampf ums Krankenhaus, die sich über Jahre hinzogen, oder das Schicksal des Singalumnats will er in einem eigenen Bericht beschreiben. Nachfolgend einige der Ereignisse aus den Anfangsjahren der Großgemeinde:

Kaum hatte das Herz des neuen Laubachs zu schlagen begonnen, überraschte im Januar 1971 Jagdpächter Ernst Grimmke mit einer Spende von einer Million D-Mark. Kommentar Funk: "Der Start in die Großgemeinde wurde uns wesentlich erleichtert".

Im November 1972 wurde das "Seniorenhotel Amtsgericht" eröffnet. Im gleichen Jahr wird erstmals das Lichterfest veranstaltet, was fortan je nach Wetter 10 000 und mehr Besucher anlockt.

Ab 1973 entsteht in Wetterfeld der "Wohnpark Gullringen" mit 45 Häusern. Im Mai wird das Hallenbad eingeweiht. Die Gesamtschule am Ramsberg geht am 20. August an den Start. Der plötzliche Tod von Otto Graf zu Solms Laubach im Februar 1974 schockiert die Menschen. Erbprinz Karl Georg ist damals neun Jahre alt. Bis zu seinem 25. Lebensjahr wird die gräfliche Verwaltung von seiner Mutter Madeleine geleitet.

Das Jahr darauf beginnt der Bau des Gerätehauses Laubach. Kosten: 700 000 DM, Zuschüsse 170 000 DM.

Adelshochzeit: Ausnahmezustand

Im Juni 1981 heiratet Gräfin Monika zu Solms Laubach den Enkel des letzten deutschen Kaisers, Ernst August Prinz von Hannover. Gäste von 52 Adelsgeschlechtern aus dem In- und Ausland - die Stadt im Ausnahmezustand.

Im Mai 1986 feiert Laubach mit sein 1200-jähriges Bestehen. Das Jahr darauf bestimmen Pläne für eine Luxusklinik für reiche Araber und Scheichs "Am Roten Stahl" die Schlagzeilen. Die Pläne der dubiosen Investoren für eine 33 Millionen DM teure Klinik mit 140 Betten und ein Hotel mit 80 Betten für Angehörige aber scheitern.

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