Fußball statt militärischer Drill

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Auf ein 90-jähriges Bestehen blickt die Germania Wetterfeld in diesem Jahr zurück, das "unrunde" Jubiläum wird man mit drei Veranstaltungen begehen (siehe Kasten). Was die Anfänge des Vereins angeht, so sind – bis auf zwei Ehrendiplome aus 1929 und 1947 – sämtliche Dokumente in den Kriegen verloren gegangen. Zum Glück haben Helge Braunroth und Werner Burg in der Chronik zum 50-Jährigen Jubiläum die mündlichen Überlieferungen der Gründer festgehalten.

Auf ein 90-jähriges Bestehen blickt die Germania Wetterfeld in diesem Jahr zurück, das "unrunde" Jubiläum wird man mit drei Veranstaltungen begehen (siehe Kasten). Was die Anfänge des Vereins angeht, so sind – bis auf zwei Ehrendiplome aus 1929 und 1947 – sämtliche Dokumente in den Kriegen verloren gegangen. Zum Glück haben Helge Braunroth und Werner Burg in der Chronik zum 50-Jährigen Jubiläum die mündlichen Überlieferungen der Gründer festgehalten.

Danach hatte ein Sportlehrer die Initiative ergriffen: Hans Arras, so hieß der junge Mann, war 1920 an die Volksschule gekommen, hatte die Kinder nicht zu den üblichen Freiübungen im militärischen Drill angehalten, sondern mit den Jungs Fußball gespielt. "Neumodisch Zeugs", wie es damals noch hieß. Zumal ältere Jugendliche, dringend in der Landwirtschaft gebraucht, nun lieber dem Ball hinterher rannten und auch die Schuhe verschlissen.

"Verrückter Kern"

Aus diesen "Verrückten" bildete sich ein harter Kern von 20 jungen Männern, die sich am 23. Februar 1929 beim "Henings-Wirt" zur Vereinsgründung versammelten. Vorsitzender wurde Ludwig Metzger, Karl Trapp Schriftführer, Heinrich Roll und Theo Desch Beisitzer. Wilhelm Wörner war erster Kapitän der Mannschaft, die 1929 in der C-Klasse spielte. Es fehlte nur noch ein Fußballplatz. Weil die "Helle", eine zentral gelegene Wiese hinter der Schule, von der Gemeinde nicht freigegeben wurde, musste man weiter auf der Wiese hinter dem "Roth" kicken.

Erst 1933 erhielt man die "Helle", obwohl auch die SA einen Antrag gestellt hatte, dort Wehrsportübungen abzuhalten. Mit Kriegsbeginn wurden die Fußballer eingezogen, das gesamte Vereinsleben kam zum Erliegen. Das erste Spiel fand 1946 gegen Ober-Bessingen statt. Die 1947 gegründete Damen-Handballmannschaft wäre fast auf Anhieb Kreismeister geworden. Die Zeit von 1968 bis 2004 sollte dann als die "drei Erfolgsjahrzehnte" der Germania in die Annalen eingehen. Dabei hatte es 1968 zunächst Streit gegeben: Mit Werner Burg wurde damals ein Nichtfußballer Vorsitzender. Viele sahen das nicht gern, der "Neue" nämlich wollte keinen reinen Fußballverein. Bis 1979 kamen so die Sparten Basketball, Volleyball und Jedermannssport hinzu. Die Gymnastikabteilung verzeichnete Zuwachs, und bald bot der Verein auch Aerobic, Turnen, Skigymnastik, Tanz und Tischtennis an. Dieses breite Angebot ist Basis dafür, dass man heute in der Regel über 500 Mitglieder hat – und das bei rund 1000 Einwohnern. "Es zeigt die Akzeptanz des Vereins im dörflichen Leben", ist sich der Vorstand sicher. Schon der beliebte Fasching, seit 1990 mit den Sängern abgehalten, belege die Bedeutung des Vereinslebens für den Zusammenhalt des Dorfes.

Demografischer Wandel und verändertes Freizeitverhalten bekommt inzwischen auch die Abteilung Fußball zu spüren. Der kleine Verein musste sich nach Partnern umsehen. Ende der 90er Jahre zunächst mit Ruppertsburg, zehn Jahre später dann mit Laubach bildete Wetterfeld eine FSG. 2014/15 spielte die Erste in der Gruppenliga – das überragende Jahr für Laubachs Sportgeschichte. Im Vorjahr gesellte sich noch Gonterskirchen zur FSG hinzu – der Name Wetterfeld taucht nicht mehr in den Tabellen auf.

Auch im Ehrenamt kam der strukturelle Wandel an. Werner Burg, seit 1968 Vorsitzender, kandidierte 2014 nicht mehr. Es fand sich kein direkter Nachfolger. Gemäß einer geänderten Satzung bestreiten seitdem vier gleichberechtigte Vorstandsmitglieder erfolgreich die laufenden Geschäfte, seit 2017 sind auch zwei Frauen in der Vereinsführung.

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