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Meist sonntags fliegen hier die Kugeln: die mit Zuschüssen der Stadtwaldstiftung finanzierte und gut angenommene Boule-Anlage in Wetterfeld.

Füllhorn Stadtwald versiegt

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach (tb). Die Trockenheit der letzten drei Jahre hat gravierende Folgen, auch für Laubachs Stadtwald: »Die Käferpopulation ist so enorm angestiegen, dass zwei Drittel der Fichtenbestände sterben«, zeichnen die Verantwortlichen ein düsteres Bild. Damit nicht genug, vertrockneten auch alle anderen Baumarten zumindest teilweise, richteten Insekten und Pilze qualitative Schäden an.

Förderung nur für langfristige Projekte

Folgen des Klimawandels, die ins Geld gehen, und in Laubach auch Vereine und soziale Einrichtungen treffen. 20 Jahre lang hatten die hohe Ausschüttungen - in der Spitze über eine Viertelmillion, im Schnitt rund 150 000 Euro - erhalten. Die »fetten Jahre« aber sind fürs Erste passé. Der 2000 Hektar große Kommunalwald wirft weniger ab, für die gemeinnützigen Stiftungszwecke bleibt kaum was übrig.

Deutlich wird das in der Bilanz fürs vergangene Forstwirtschaftsjahr, die der Vorstand der Stadtwaldstiftung - an die hatte Laubach 1999 seinen Wald übertragen - vorgelegt hat. Klare Ansage darin: Verbleibende Stiftungsmittel sollten auf die nächsten drei Jahre aufgeteilt werden, sei doch »nicht mit einer nennenswerten Bildung zusätzlicher Mittel zu rechnen«.

An die Vergabekommission aus Fraktionsvertretern geht daher die Empfehlung: »Langjährige Förderprojekte verlangen einen steten Zufluss von Geldmitteln, welche die Stiftung derzeit nicht garantieren kann. Dies sollte bei künftigen Beschlüssen beachtet werden.«

Stand heute heißt dies Entwarnung wenigstens für langjährige Projekte. Auf der Prioritätenliste ganz oben stehen Mehrgenerationenhaus und Stützpunkt Demenz am »Stift«, das Beratungszentrum und die Tafel. Im Schnitt und ganz grob, so die Stiftung, flössen ihnen in den nächsten drei Jahren je 45 000 Euro zu.

Ertragskraft des Waldes sichern

Dass im »Füllhorn« Stadtwaldstiftung immer weniger ist, weist deren Jahresabschluss 2020 in aller Deutlichkeit aus: Nicht zuletzt aufgrund eines um 13 900 Festmeter erhöhten Einschlags stieg der Umsatz um 418 000 Euro auf 1,39 Millionen, dennoch lief ein Defizit von 92 000 Euro vor Mittelverwendung auf.

Freilich gehen in die Rechnung Rückstellungen in Höhe von 503 000 Euro für Wiederaufforstungen ein. Ohne diese »waldbaulich notwendige Maßnahme«, so der Vorstand, hätte der Stadtwald also noch einen Überschuss von 411 000 Euro erwirtschaftet.

Was die Ausschüttung für gemeinnützige Zwecke angeht, betrug diese im Vorjahr noch rund 110 000 Euro (30 000 Euro weniger als 2019). Diesen Betrag addiert, klettert der Gesamtfehlbetrag also gar auf 203 000 Euro.

Der Ausblick des Vorstandes macht wenig Hoffnung auf Besserung. So sei die »Ausgangspopulation der Käfer ungebrochen hoch«, woraus weitere Schäden resultierten. Wenigstens gebe es nach dem Abgang von circa zwei Dritteln der Fichten weniger und weiter verteilte »befallsfähige Hölzer«. Ob weitere Trockenschäden, besonders in der Buche, hinzukämen, hinge von der Menge und Verteilung der Niederschläge ab.

Beim Laubholz insgesamt rechnet der Vorstand bzw. der Bewirtschafter KB Forst nicht mit nennenswerten Preisverschlechterungen, jedoch führten Trockenschäden nun mal zu Qualitätsverlusten und geringeren Erlösen. Hinzu komme, dass das Käferholz auf einen »weiter verstopften Markt« treffe, was wohl nochmals zu leicht nachgebenden Preisen führe. Dass die Pandemie weiter Absatzprobleme bereiten werde, heißt es abschließend.

Nicht ohne wenigstens einen positiven Aspekt zu erwähnen, sprich die staatlichen Hilfen für den notleidenden Wald: 245 000 Euro an zusätzlichen Einnahmen werden erwartet. Vorsichtig gerechnet könne daher ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet werden. Obwohl wieder 327 000 Euro an Rückstellungen für Kulturen und Pflege eingeplant sind. Was allerdings Voraussetzung ist, will man die Ertragskraft des Stadtwaldes in der Zukunft sichern - und mithin die Chance auf wieder bessere Zeiten für Vereine und soziale Einrichtungen wahren.

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