tb_stichsu2_300121_4c
+
Tatort Laubach: Hier tötet Christiane B. ihren Ehemann mit mehreren Messerstichen.

Tödlicher Ehestreit

Laubach im Jahr 1985: Frau tötet ihren Mann mit Messerstich ins Herz

  • Susanne Riess
    vonSusanne Riess
    schließen

Als die Polizei am Tatort in der Dörnbergstraße in Laubau eintrifft, findet sie die Leiche eines Mannes in der Badewanne. Udo B. wird im September 1985 von seiner eigenen Ehefrau getötet.

Christiane und Udo B. sind erst seit Mai miteinander verheiratet. Die 25-Jährige und ihr drei Jahre jüngerer Ehemann leben gemeinsam in einer Wohnung in einem alten Bauernhaus im Dörnbergweg in Laubach. Für Christiane B. ist es bereits die dritte Ehe. Ihr Grund für diese Heirat: Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und viel Angst vor der Einsamkeit.

Nur vier Monate nach der Hochzeit ist ihr Ehemann tot - sie selbst hat ihn erstochen. Aus Notwehr, wie sie beteuert. Vor Gericht, die Frau ist wegen Totschlags angeklagt, sagt sie später aus, das Paar habe eine »harmonische Ehe« geführt. Beendet wurde diese von einer brutalen Tat, die sich im Flur vor dem Badezimmer ereignet hat. Zu dem Drama in dem alten Bauernhaus kommt es gegen Mitternacht.

Laubach im Jahr 1985: Handgreiflichkeiten und Ohrfeigen

Bereits in den Abendstunden des 29. September 1985 gerät das Ehepaar in einen Streit. Gegen den Willen seiner Frau bringt Udo B. zwei Freunde mit nach Hause. Die drei Männer trinken eine Flasche Whisky, rauchen Haschisch-Zigaretten. Als der Ehemann seinen Besuchern ein spätes Abendessen zubereiten will, kommt es zum Disput mit Christiane B. Vor Gericht erinnert sich die Angeklagte: »Es kam zu Handgreiflichkeiten, mein Mann und ich ohrfeigten uns.« Bei den Auseinandersetzungen wird auch das Telefon beschädigt, im Kinderzimmer weint die Stieftochter von Udo B., die durch den Lärm aus dem Schlaf gerissen wird. Die zwei Freunde verlassen schließlich die Wohnung, nachdem sie vergeblich versucht haben, den Streit zu schlichten. Auch der 22-Jährige verlässt kurze Zeit später, gegen 23.30 Uhr, im Zorn die Wohnung und fährt mit seinem Mofa davon.

Laubach im Jahr 1985: Ehefrau ruft die Polizei

Christiane B. greift zum Telefon und ruft bei der Grünberger Polizeistation an: »Wir streiten schon den ganzen Abend, mein Mann schlägt mich. Bitte helfen Sie mir.« Der Beamte versteht die Frau. Doch weil das Telefon bei dem Streit kaputt gegangen ist, kann sie die Antwort des Polizisten nicht hören.

Die junge Frau geht schließlich zu einer Nachbarin, die im selben Haus wohnt, klagt ihr Leid und ruft von dort erneut bei der Polizei an. »Bitte nehmen Sie meinen Mann fest, ich habe Angst, dass er uns umbringt«, sagt sie mit weinerlicher und hilfloser Stimme. Doch der Beamte auf der Grünberger Wache kann keine Kräfte nach Laubach schicken, da in dieser Nacht alle Polizisten in Frankfurt eingesetzt sind. Es steht nur eine Zwei-Mann-Streife zur Verfügung. Die 25-Jährige kehrt schließlich in ihre Wohnung zurück. Sie holt ein großes Messer aus dem Küchenschrank. »Ich wollte mein Kind und mich vor Angriffen durch Udo schützen«, erinnert sie sich vor Gericht. Doch das Messer erscheint ihr zu groß, sie tauscht es gegen ein kleineres aus, die spätere Tatwaffe.

Laubach im Jahr 1985: Stiche ins Herz und in den Rücken

Sie bringt sich vor der Kinderzimmertür in Stellung und wartet auf ihren Ehemann. Dieser kommt gegen 23.50 Uhr zurück nach Hause. »Er schlug gleich wieder nach mir. Da wehrte ich mich mit dem Messer. Ich stach mit geschlossenen Augen zu«, schildert sie die Situation.

Die elf Zentimeter lange Klinge trifft Udo B. mitten ins Herz. Als er seiner Frau den Rücken zuwendet, jagt sie ihm das Messer noch insgesamt achtmal in den Rücken. Psychiater und Gerichtsmediziner sprechen später von »Panikstichen«. Aussagen der 25-Jährigen zufolge war es Notwehr. Die Laubacherin legt das blutige Messer auf den Wohnzimmertisch und ruft über die Notrufnummer noch einmal die Polizei.

Udo B., der nach dem tödlichen Stich ins Herz noch kurze Zeit lebt, schafft es bis ins Badezimmer und klettert in die Badewanne. Als seine Frau ins Bad kommt, kniet er mit hängendem Kopf in der Wanne. »Ich dachte, er schläft, sei vom Alkohol überwältig worden. Da duschte ich ihn ab, um ihn zu wecken«, sagt die Angeklagte rückblickend. Doch als die Streifenwagenbesatzung im Dörnbergweg eintrifft, können die Polizisten nur noch den Tod des Mannes festellen.

Prozess endet mit Freispruch

Wie die Angeklagte beteuert, habe ihr Mann sie immer wieder mit Faustschlägen attackiert. Ein Gerichtmediziner entdeckt am Körper der Angeklagten Verletzungen, die durchaus von Schlägen her kommen könnten. Anlaysen der Blutproben des Ehepaars ergeben, dass die Ehefrau zum Tatzeitpunkt einen Blutalkoholwert von 1,6 Promille hatte, ihr Mann von über zwei Promille. Beide Urinproben bestätigen zudem, dass sie Cannabis geraucht hatten.

Nach vier Verhandlungstagen wird die mittlerweile 27-jährige und nun in vierter Ehe verheiratete Christiane B. vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Das juristische Motiv für den Freispruch, den schon ein Staatsanwalt in seinem Plädoyer gefordert hatte, lautet: Überschreitung der Notwehr aus Verwirrung und Schrecken.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare