Sechs Tonnen Speisefische werden in Pommerenkes Betrieb in Wetterfeld jedes Jahr produziert. FOTO: LKL
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Sechs Tonnen Speisefische werden in Pommerenkes Betrieb in Wetterfeld jedes Jahr produziert. FOTO: LKL

TV-Sendung weckte Leidenschaft

Starkes Berufsethos und 85-Stunden-Wochen: Fischzüchter Kevin Pommerenke aus Wetterfeld im Porträt

  • vonLena Karber
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Die Fischzucht Wetterfeld hat seit diesem Jahr einen neuen Pächter. Der 27 Jahre alte Kevin Pommerenke bewältigt hin und wieder auch 85-Stunden-Wochen. Seine Leidenschaft als Fischzüchter verdankt er einer Fernsehsendung in der Kindheit.

Es war eine Fernsehsendung, die Kevin Pommerenkes Lebensweg maßgeblich beeinflusste. Ein begeisterter Angler war er zwar von klein auf gewesen. Doch als er im Alter von zwölf Jahren einen Bericht über eine nachhaltige Fischzucht sah, wurde aus dem Hobby ein Lebensentwurf. "Ich wusste sofort: Das will ich auch", sagt er heute über den ersten Schritt auf seinem Weg, der ihn schließlich zur Fischzucht Wetterfeld führte. Dort ist der 27 Jahre alte Fischwirtschaftsmeister, für den die Arbeit "eine Herzenssache" ist, seit Jahresbeginn neuer Pächter. "Ich möchte nichts anderes mehr machen", sagt er.

"Ich wollte einen Zweck für meine Existenz finden"

Mit 16 Jahren bereits verließ Pommerenke die mittelfränkische Heimatgemeinde und zog nach Würzburg, um eine Ausbildung zum Fischzüchter anzugehen. Früh zeichnete sich ab, dass er nicht nur einem Hobby oder einem Beruf nachging. Sondern einer Leidenschaft. Nach der Fernsehsendung hatten die Eltern ihn nur mit Müh und Not dazu überreden können, den Realschulabschluss zu machen.

Von Würzburg zog er später weiter über Ingoldstadt an den Bodensee, wo er in einem familiären Betrieb arbeitete, sich äußerst wohl fühlte und sehr gut verdiente. Doch irgendwann reichte ihm das nicht mehr. "Mir ging es saugut, aber ich konnte nichts ändern oder verbessern", berichtet Pommerenke. "Ich wollte einen Zweck für meine Existenz finden und habe gemerkt, dass ich was eigenes will".

Für Artenschutz nimmt er Verlust von mehreren Tausend Euro jährlich in Kauf

In der Fischzucht Wetterfeld fand er, was er suchte. Zwar stieg er im April vergangenen Jahres zunächst als angestellter Betriebsleiter ein, doch der Weg war vorgezeichnet: Zum Jahreswechsel übergab die Familie Lierz, die die Zucht acht Jahre lang nebenberuflich geführt hatte, den Betrieb an ihren "dynamischen, jungen Mitarbeiter", wie sie es formulierte.

Seitdem verwirklicht Pommerenke dort seine Vorstellungen von Fischzucht sowie Arten- und Naturschutz und unterstützt nebenbei auch Forschungsprojekte. Da er dabei auch betriebswirtschaftlich denken muss, hat er zuletzt einen Teil der Teiche mit Netzen geschützt, um es Kormoranen und Graureihern "ein bisschen schwieriger zu machen". Bewusst hat er jedoch ein grobmaschiges Netz gewählt, um Eisvögeln zu ermöglichen, Nahrung für ihren Nachwuchs zu erbeuten - einen Verlust von mehreren Tausend Euro jährlich nimmt er dabei in Kauf. Das passt zu seinem Berufsethos als Fischzüchter. "Es geht mir auch darum, Wildbestände zu unterstützen", sagt er. "Schöpfer zu sein, neues Leben zu schaffen."

Online-Shop ausgebaut

Auch wenn Pommerenke insgesamt an das Konzept der Familie Lierz anknüpft, hat er bereits einige kleinere Neuerungen eingeführt: Etwa ein Fischbuffet, bei dem er als Hobbykoch gemeinsam mit seiner Freundin und weiteren freiwilligen Helfern für Gäste ein Viergängemenü kocht.

Zudem hat er im Zuge der Corona-Pandemie das Angebot eines Online-Shops ausgebaut. Obwohl dieser über Ostern boomte, bezeichnet Pommerenke ihn jedoch lediglich als "betriebswirtschaftliche Zwischenlösung", da es ihm aktuell ohne Investor noch nicht möglich ist, vollkompostierbare Versandverpackungen statt Styropor zu nutzen.

Einbußen wegen Corona

Nicht nur der Online-Shop, auch der Hofladen, dessen Sortiment Pommerenke um weitere Produkte wie Räucherfischaufstriche und Zander erweitert hat, liefen in Zeiten des Coronavirus zuletzt sehr gut. "Hofläden, die gute regionale Qualität liefern und transparent sind, gehören zu den Gewinnern", sagt er - vielleicht ja auch nachhaltig.

Trotzdem stellte Corona die Fischzucht, die auch Veranstaltungen anbietet und gastronomische Betriebe beliefert, vor Probleme. So liegen die Einbußen infolge der Pandemie nach Schätzung von Pommerenke insgesamt wohl im fünfstelligen Bereich. Zudem fehlten wegen Corona freiwillige Helfer, auf die die Zucht dringend angewiesen ist. Fest angestellte Mitarbeiter gibt es im Moment nicht.

Pommerenke sucht Mitarbeiter

Pommerenke arbeitet etwa 70 Stunden in der Woche - wenn etwas besonderes anfällt, werden es jedoch auch schnell 85. "Man muss ein Mann für alles sein", sagt der junge Existenzgründer, der beispielsweise den Teich putzt, Maurerarbeiten durchführt, Kontakt mit den Kunden hält und im Büro tätig ist. Im Mittelpunkt steht die "Empathie für’s Tier".

Derzeit sucht Pommerenke einen Mitarbeiter. Nicht zuletzt über die digitalen Medien will er Interessenten erreichen, für seinen Beruf begeistern und der Branche dabei auch wieder zum Aufschwung verhelfen. Pommerenke zuckt mit den Achseln. "Man muss es einfach leben", sagt er. Und strahlt.

Hofladen freitags und samstags geöffnet

Das Angebot der Fischzucht Wetterfeld umfasst neben Speisefischen auch Satz- und Kaltwasser-Zierfische sowie Teichmuscheln aus nachhaltiger Produktion.

Mehr Informationen gibt es auf www.fischzucht-wetterfeld.eu. Zudem werden im Hofladen freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr frische Fischspezialitäten angeboten. Das Wetterfelder Fischbuffet, bei dem nach Anmeldung ein Viergänge-Menü serviert wird, findet aktuell wegen Corona nicht statt.

Die 4,6 Hektar Wasserfläche umfassende Fischzucht ist nicht bio-zertifiziert, da Pommerenke den Import entsprechender Futtermittel ablehnt. Nach Angaben des Inhabers erfüllt der Betrieb ansonsten jedoch "die Rahmenbedingungen eines Bio-Betriebes".

Die Fischzucht Wetterfeld setzt sich auch für den Schutz von Wildbeständen ein und unterstützt Forschungsprojekte. So läuft aktuell ein Projekt, bei dem es um die Steigerung der natürlichen Reproduktion der hessischen Bachforelle geht, die sich aufgrund genetischer Durchmischung verringert hat. Im Rahmen eines anderen Projekts werden Nasen - eine Fischart, deren Bestand in der Lahn stark zurückgegangen ist - aufgezogen und ausgewildert.

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