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»Wenn sie anfangen, ihr Leben wieder zu genießen, ist das der schönste Lohn«, sagt Bernd Seibert über die Tiere auf dem Gnadenhof.

Gnadenhof

Gnadenhof „Felloase“ droht Schließung: „Würde für die meisten Tiere den Schlachter bedeuten“

  • vonConstantin Hoppe
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Mehr als 70 Hunde, Pferde, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Kälber und Esel haben in der Laubacher »Felloase« ein Zuhause gefunden. Wegen Problemen in der Corona-Krise und aufgrund von Mietschulden befürchten die Betreiber, dass sie den Hof schließen müssen.

Laubach – Dampf steigt von den Wiesen auf, sanft gleitet er nach oben. Der schlammige Boden schmatzt unter den Schritten, gerade hat es noch geregnet. Hunde bellen aufgeregt, eine Ziege meckert. Schwanzwedelnd begrüßt Maddox, ein kräftiger Mustiff-Labrador-Rottweiler-Mischling, den Besucher des privaten Gnadenhofs und Tierhotels im Laubacher Wald.

Zwei Jahre ist es her, als Bernd Seibert und Dunja Marcinkowski hier, an der Bundesstraße 276 zwischen Laubach und Schotten, die »Felloase« gegründet haben. »Wir sind absolute Tiernarren«, erzählen sie. »Wir hatten schon immer Hunde, Hasen und Vögel und haben jedem Tier geholfen, wenn es in unserer Macht stand.« Irgendwann, berichten die beiden Laubacher, hätten sie so viele Tiere in ihrer Obhut gehabt, »dass wir uns nach einem größeren Stück Land umgesehen haben, damit die Tiere ausreichend Platz zum Leben, Spielen und Toben haben.«

Damoklesschwert hängt über „Felloase“ in Laubach - Corona-Pandemie bereitet Probleme

In einem Tierheim leben Hunde, Katzen, Mäuse und Kaninchen auf Zeit. Auf einem Gnadenhof hingegen dürfen sie bis zu ihrem Tod bleiben. Auf der Suche nach einem derartigen Zuhause für Tiere kam Seibert und Marcinkowski im Frühjahr 2019 der Zufall zu Hilfe. »Aus dem Nichts wurde uns ein Stück Land angeboten, auf dem eine Weide, ein Stall und ein seit Jahren nicht mehr bewohntes Haus standen«, erzählen sie. Das Paar warf alle Bedenken über Bord und startete das Wagnis.

Aktuell allerdings hängt ein Damoklesschwert über dem Hof. Die Pandemie bereitet dem Hof Schwierigkeiten. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise und des Lockdowns haben Marcinkowski und Seibert einen Kiosk an der B 276 geschlossen, in dem sie unter anderem Futter und Pflegeprodukte für Hunde verkauft haben. Mittlerweile haben sich für den Hof erhebliche Mietschulden angesammelt. Die drohende Schließung macht den Betreibern zu schaffen: »Das würde für die meisten Tiere hier den Weg zum Schlachter bedeuten«, sagen sie. »Wir wollen die Mietschulden zurückzahlen, aber das dauert eben etwas.«

In der »Felloase« leben mehr als 70 Schafe, Zwergziegen, Kaninchen, Pferde, Kälber, Esel und Hunde. Viele von ihnen haben schwere Zeiten der Vernachlässigung hinter sich. Auch Maddox, der schwanzwedelnde Hund. Er ist in den fünf Jahren seines Lebens bereits durch sieben Hände gegangen. Als er vor mehreren Monaten in der »Felloase« aufgenommen wurde, hatten ihn zuvor seine Halter ein halbes Jahr lang nur mit Corn Flakes ernährt. Sein Körper war von Ekzemen überzogen. »In seinen Augen war kein Leben mehr«, erzählt Marcinkowski. »Er konnte oder wollte nicht mehr laufen«. Heute hingegen sei Maddox kaum wiederzuerkennen. Trifft er auf fremde Menschen, stürzt er sich regelrecht auf sie. Angst braucht man allerdings keine haben, außer man will nicht zu sehr von ihm geschmust werden. Auch im Umgang mit seinen Artgenossen blüht der Hund auf, spielt, rennt und tobt.

Viele der Tiere, die auf dem Gnadenhof leben, haben schwere Zeiten der Vernachlässigung hinter sich.

Marcinkowski und Seibert retten Tiere aus Tötungsstationen und vermitteln sie weiter. Sie übernehmen von der Polizei gefundene Hunde und nehmen Vierbeiner aus Tierheimen auf, wenn es dort keine Kapazitäten mehr gibt. In der »Felloase« werden außerdem regelmäßig Kastrationen und Sterilisationen durchgeführt.

Die beiden Betreiber finanzieren den Hof durch private Mittel und Spenden. Sie erhalten beispielsweise Heu von einem Hof in Beuern, von dem sie nach einem Krankheitsfall drei Esel aufgenommen haben. Sie arbeiten auch eng mit heimischen Geschäften und Organisationen zusammen. Zudem ist das Paar immer wieder mit dem Veterinäramt des Landkreises in Kontakt. Im Rahmen von regelmäßigen Kontrollen, aber auch nach anonymen Beschwerden gegen den Hof. »Mehrfach waren Mitarbeiter des Veterinäramts hier, sie müssen eben den Hinweisen nachgehen«, berichtet Seibert. »Aber es wurden nie größere Probleme festgestellt. Und die kleineren Probleme die es gab, haben wir immer zeitnah behoben.«

Gnadenhof im Kreis Gießen: Nun droht die Schließung

Die nun drohende Schließung wollen sie unter allen Umständen verhindern. Dem Paar ist anzumerken, wie nah ihnen die Situation geht, als es die Bedeutung des Gnadenhofs und den Sinn des Engagements beschreibt, »Wenn dir die Tiere zeigen, dass sie angekommen sind, dir ihr absolutes Vertrauen schenken«, sagt Seibert. »Wenn sie anfangen ihr Leben wieder zu genießen, toben, springen, rennen, wenn aus toten Augen wieder lebendige werden«.

Die beiden Betreiber fügen hinzu: »Wenn sie dir ihre feuchten Nasen ins Gesicht drücken, dir ihre grenzenlose Liebe schenken und dir jeden Tag zeigen, wie unendlich dankbar sie dir sind, dann ist das der schönste Lohn und das allerschönste Gefühl der Welt.«

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