"Fahrern Spaß an der Strecke nehmen"

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Laubach (con). Keine Begradigung der B276 bei Laubach? Am Donnerstag stand das Thema der Streckenbegradigung auf der Tagesordnung des Stadtparlaments. Wie berichtet, will Hessen Mobil ein Teilstück der B276 zwischen dem Ortsausgang Laubach und dem alten Bahndamm begradigten, um so eine Gefahrenstelle zu entschärfen. Doch dafür muss ein Teil städtischer Flächen an die Hessische Landgesellschaft überführt werden. Die Stadtverordneten stehen der Begradigung mehrheitlich kritisch gegenüber - eine Genehmigung der Flächenübertragung ist alles andere als sicher. Am Donnerstag war deshalb auch Thomas Baumgart vom Regionalen Verkehrsdienst Gießen der Polizei Hessen bei der Sitzung zu Gast, um über die Begradigung zu unterrichten.

"Neigt man auf gerader Strecke nicht noch mehr dazu zu rasen?", fragte Johannes Rövenich (SPD). Weitere Kritik kam von Michael Köhler (Grüne), der vor allem die dort gelegene Querung des Radweges ansprach: "Durch die Begradigung würde der Querungsweg für Radfahrer länger werden - statt wie jetzt 6,5 Meter müssten Radfahrer dann rund elf Meter über die Straße fahren." Eine nicht unerhebliche Gefährdung - falls auf der Strecke dann tatsächlich schneller gefahren würde. Baumgart verteidigte die Planungen: "Durch den geraden Streckenverlauf können die Radfahrer deutlich früher gesehen werden und auch Motorradfahrer haben bessere Sicht auf den Verkehr."

Zehn Unfälle in zwei Jahren

Dass ein gerader Streckenverlauf zu einer Gefährdung führen könnte, sieht Baumgart nicht. "Wir haben hier kein generelles Problem mit Rasern, sondern eher damit, dass Motorradfahrer ihre Fähigkeiten ausreizen wollen." Dass sei aber gerade auf kurvigen Strecken der Fall: "Geraden machen nicht so viel Spaß wie Kurven - und genau das wollen wir erreichen: Den entsprechenden Fahrern den Spaß an der Strecke nehmen." Deshalb seien weitere Maßnahmen geplant, etwa die Schließung von Parkflächen und die Unterbauung der Leitplanken. Insgesamt zehn Unfälle - mehrere davon mit Schwerverletzten - wurden hier in den vergangenen beiden Jahren gezählt, berichtete Baumgart. Damit ist der Kurvenbereich einer von vier Unfallhäufungspunkten auf der B276.

Die Stadtverordneten konnten die Ausführungen jedoch nicht völlig überzeugen: Letztlich wurde einem Antrag von CDU und Grünen zugestimmt, die Abstimmung zu vertagen und einen Ortstermin am Streckenstück anzusetzen. Dirk Oßwald (FW) brachte zudem die Idee einer Streckensperrung ein: Ähnlich wie auf dem Feldberg im Taunus könnte die Stadt über eine zeitweise Sperrung der B276 für Motorräder nachdenken.

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