Mit der Erkrankung leben lernen

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Laubach/Lich(pm) "Wir freuen uns, dass trotz coronabedingter Einschränkungen so viele Zuschauer gekommen sind", begrüßte Roland Seifert, Geschäftsführer des VPsT (Verein für Psychosoziale Therapie) Laubach, die Anwesenden im Kino Traumstern zur dritten Matineeveranstaltung zum 40-jährigen Jubiläum des Trägervereins. Er bedankte sich bei den beiden Kinobetreibern, Edgar Langer und Hans Gsänger, für die Kooperation bei der Realisierung der Filmreihe zu den Themenkomplexen "Psychische Erkrankung, Suchterkrankung und Erziehungsprobleme".

Saskia Eberwein, die neu gewählte Vorsitzende des Fördervereins für das Beratungszentrum Laubach und Grünberg, hob in ihrer kurzen Begrüßung die Bedeutung der Beratungsstelle hervor und erklärte: "Wirklich ermessen, wie wertvoll eine solche Einrichtung in der Region ist, kann man wahrscheinlich erst, wenn man mal selbst darauf angewiesen ist."

Mit einem "Brief an die Krankheit" eröffnete Susanne Funck vom Beratungszentrum schließlich die abschließende Gesprächsrunde zum Film. Die so zitierte Sarah, eine langjährige Klientin, beschreibt darin die eigene Schwierigkeit, mit ihrer Krankheit umzugehen, und schließlich ihre starke Sehnsucht, diese eines Tages akzeptieren und somit (hoffentlich) ein unbeschwerteres Leben führen zu können.

Ursprung liegt oft im Verborgenen

"Es gibt 1000 Gründe, die Auslöser einer psychischen Erkrankung sein können", so Funck. Neben traumatischen Ereignissen könne schlicht auch die Pubertät Auslöser einer Psychose sein. Bei vielen Menschen liege der Ursprung jedoch sehr im Verborgenen. Sei man davon betroffen, "wird man komplett aus seinem bisherigen Leben gerissen", erklärte Funck weiter. "Bei jedem Menschen wirken sich die Symptome individuell jedoch sehr unterschiedlich aus", ergänzte Regine Miserre vom Betreuten Wohnen Laubach. Das stelle für das Hilfesystem nicht selten eine große Herausforderung dar, die jeweils "richtige und angepasste" Betreuungs- und Unterstützungsleistung zu finden.

Auch das Leben der beiden Frauen in der italienischen Tragikomödie "Die Überglücklichen" wird sehr gegensätzlich dargestellt und entspricht damit an sich schon fast einer bipolaren Störung. Auf der einen Seite die manische, überschwängliche Beatrice, auf der anderen die depressive, von Schwermut und Melancholie durchzogene Donatella. Beide lernen sich in der luxuriösen psychiatrischen Klinik "Villa Biondi" kennen.

Zwischen Therapiesitzungen und gemeinsamer Gartenarbeit entdecken sie schließlich ihre große Sympathie füreinander, büxen aus der Anstalt aus und begeben sich auf einen Roadtrip quer durch die blühende Landschaft der Toskana.

Glücksschübe und Wutausbrüche

Zwischen überschwänglichen Glücksschüben, unvermittelten Wutausbrüchen und manischer Zielstrebigkeit hoffen die beiden Freundinnen, für einige Zeit in Freiheit ihr ganz persönliches Glück zu finden.

Doch wie gehen Familienmitglieder mit der Erkrankung ihrer Nächsten um? "Angehörige, Partner oder enge Freunde fühlen sich häufig hilflos. Deren Leben und Alltag verändert sich gleichfalls enorm, sodass sie nicht selten selbst therapeutische Unterstützung benötigen", erklärte Dr. Gerhard Weißler von der Angehörigengruppe Mittelhessen e.V. "Angehörige von psychische kranken Menschen müssen erst einmal selbst lernen, mit der Situation umzugehen."

Jede noch so große Veränderung im Leben - und dies treffe auch auf eine psychische Erkrankung zu, so Funck abschließend, hat neben den vielen Nachteilen, die sie mit sich bringt, gleichfalls auch positive Effekte. Diese zu ergründen, in dem man Hilfe annimmt und über die Krankheit redet, sich Zeit lässt und schließlich versucht, diese anzunehmen, sind meist wesentliche Schritte, um besser mit der eigenen Erkrankung umgehen zu können.

So sind sowohl der Brief von Sarah als auch der Film "Die Überglücklichen" am Ende Ausdruck von Hoffnung auf Besserung und ein starkes Plädoyer für das Leben.

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