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Hera Lind bei ihrer Lesung in Laubach. (dis)

Erfrischend und schonungslos

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Laubach (dis). Mit Hera Lind, eigentlich ist ihr bürgerlicher Name Herlind Wartenberg, kam eine Buchautorin und ehemalige Sängerin in den großen Sitzungssaal des Laubacher Rathauses, die erfrischend lebendig und schonungslos über Höhen und Tiefen in ihrem Leben erzählte. Sie erzählte von einer chaotischen Lesung in einem Salzburger Gefängnis, einem unvorbereiteten Gesangsauftritt in einem Kirchenkonzert und von ihren Problemen, zwischen Hausfrau, Kinder erziehende Mutter und den künstlerischen Auftritten eine Balance zu finden.

Tatsachenromane vorgestellt

Zunächst getragen von der Bilderbuchkarriere einer selbstbewussten erfolgreichen Frau und vierfachen Mutter, die in den 90er Jahren zwölf Millionen Bücher verkaufte, fiel sie durch einen Medienskandal ins Bodenlose, verlor Image und Existenz, ließ sich aber nicht unterkriegen. "Ein Mann für jede Tonart" (1987) heißt der Bestseller, den die Sängerin aus Zeitvertreib während ihrer ersten Schwangerschaft schrieb. Weitere folgten, wie etwa "Das Superweib", der auch durch Regisseur Sönke Wortmann als Film in die Kinos kam. Ab 1995 moderiert sie ihre eigene Talkshow in der ARD, später übernahm sie die Sendung "Herzblatt" im ZDF.

Ihre Romanheldinnen sind inzwischen zum Sinnbild der modernen Frau geworden, die bestrebt ist, Karriere, Partnerschaft und das Großziehen der Kinder zu meistern. Sie selbst wird in der öffentlichen Wahrnehmung als solche wahrgenommen. Als die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten im Jahr 2000 am Ende ist, lernt sie bei einem Engagement auf dem "Traumschiff", wo sie gesanglich für Harald Juhnke in die Bresche springt, ihren jetzigen Mann, kennen.

Als die neue Beziehung von der Boulevardpresse öffentlich gemacht wird, folgt daraus in den Medien ein großer Skandal. Das führt dazu, dass Lind ihre Autorenverträge verliert und als "Rabenmutter" verschrien wird. Schließlich platzen auch noch ihre Geldanlagen, sodass außer siebenstelligen Schulden von ihrer Karriere nichts mehr übrig bleibt. 18 Jahre braucht sie, um sich aus eigener Kraft wieder aus dieser Krise herauszuarbeiten. Heute schreibt sie Tatsachenromane, die nahe am wirklichen Leben angesiedelt sind. Davon stellte sie an diesem Abend einige Bücher vor. Offen, inspirierend und unterhaltsam erzählte Lind, wie sie die Kraft aufbrachte, um weiterzumachen und nicht aufzugeben. Die mehr als 100 Besucher, in der Mehrzahl weibliche, erlebten Lind als lockere Plauderin, die einige Anekdoten aus ihrem Leben zum Besten gab und auch ihre Sangeskunst eindrucksvoll unter Beweis stellte.

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