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Studierende der Hochschule für Musik Karlsruhe überzeugen ihr Publikum in der evangelischen Stadtkirche Laubach.

Ein voller Korb barocker Musik

Laubach (kdw). Ein ungewöhnlich erfreuliches Musikerlebnis genossen die Besucher der evangelischen Stadtkirche am Donnerstag. Das Neujahrskonzert »Bachissimo« mit Studierenden der Hochschule für Musik Karlsruhe brachte einen vollen Korb barocker Musik mit, ausgestattet mit reichhaltiger Instrumentation und nicht zuletzt sehr gut motivierten und kompetenten jungen Musikern.

Das Publikum war höchst angetan.

Thematisch schlug das Programm mit den Kantaten 190, 32, 41 und 171 einen großen Bogen von der jüdisch-christlichen Tradition bis in die Aktualität unserer Tage, wenn es etwa in der Kantate »Gott wie dein Nam’ so ist auch dein Ruhm«, BWV 171, in einem Rezitativ heißt: »Behüt uns dieses Jahr für Feuer, Pest und Kriegsgefahr!« - das konnte man auch heute noch nachvollziehen.

Knapp dreißig junge Musiker waren angereist, um in ihrem Neujahrskonzert mit Bach-Kantaten ein abwechslungsreiches Programm geistlicher Musik zu musizieren, komplett mit vier sehr gut aufgelegten und vorbereiteten Blechbläsern.

»Ich bin froh und dankbar, dass wir heute dieses Konzert erleben dürfen,« sagte Bürgermeister Mathias Meyer zu Begrüßung der Gäste; Chorleiter Prof. Hanno Müller-Brachmann von der Hochschule für Gesang Karlsruhe wies in einer kurzen Einführung darauf hin, dass Johann Sebastian Bach (1685-1750), seines Zeichens Kantor der Thomaskirche in Leipzig (ab 1723), 250 Kantaten geschrieben habe.

Mit vollem Elan gingen die jungen Musiker zunächst das erste Werk an, »Singet dem Herrn ein neues Lied« BWV 190, in sechs Sätzen. Solistisch besetzt mit Alt, Tenor und Bass sowie vierstimmigem Chor und dem vollen Orchester.

Enormer Schwung zeichnete die Musizierweise aus, fast wie vom Gummiband geschnellt, allerdings mit ganz korrektem Timing, agierten die Bläser strahlend, der Chor fest, was insgesamt ein sehr angenehmes, geschlossenes Hörerlebnis des ersten Satzes bewirkte: voll und wunderbar klar war das und sorgte sogleich dafür, dass alle Zuhörer inhaltlich ganz bei der Sache waren. Natürliche Wärme (Alt), kraftvolle Lieblichkeit (Bass) und lyrisches Timbre mit einem gelegentlichen Hauch von Andacht (Tenor) zeigten die Akteure kontrastreich und individuell. Gemeinsam mit dem Chor ergab das ein mitreißendes Musikerlebnis, das im Abschluss festlichen Glanz und spürbare Kraft aufwies.

Die Vielzahl der Solisten erwies sich fürs Publikum als Gewinn. Sämtlich bestens vorbereitet und disponiert, verströmten die jungen Musiker - man hatte von Anfängern bis zu professionell erfahrenen Kräften ausgewählt - denkbar größte Spiellaune und zeigten ungewöhnliche gute Konzentration.

Akteure ernten anhaltenden Beifall

Das Ensemble erwies sich in allen seinen Abteilungen als bemerkenswert engagiert und konzentriert, es gab nur gelegentlich minimale Konzentrationsschwächen.

Diese durchgehende Bewusstheit und Energie ergab zusammen mit den wirklich einnehmenden stimmlichen und instrumentalen Qualitäten ein überraschend konstantes, kraftvolles musikalische Erlebnis bei allen Kantaten. Begünstigt durch die sehr gute Akustik war das ein großes Vergnügen und brachte den Akteuren herzlichen, anhaltenden Beifall ein.

Die Veranstalter, Laubacher Kulturbüro und evangelische Kirchengemeinde, konnten mit dem Abend sehr zufrieden sein, und statt der erlaubten dreißig Plätze hätten sie leicht das Fünffache verkaufen können.

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