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Feierlicher Moment im Schloss Laubach mit (v. l.) Marlies und Gerhard Steinl, Uwe Müller, Celina Gräfin zu Solms-Laubach und Karl-Georg Graf zu Solms-Laubach. FOTO: PM

Im Dienst der Geschichte

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Laubach/Hungen(pm). Der Person, den Verdiensten und der Leistung von Gerhard Steinl war die Räumlichkeit angemessen, in welcher der pensionierte Hungener Lehrer und passionierte Archivar kürzlich den Ehrenbrief des Landes Hessen verliehen bekam: Im repräsentativen Wohnraum des Laubacher Grafenschlosses überreichte Landrätin Anita Schneider die Urkunde für außergewöhnliches, langes und für die Gesellschaft bedeutungsvolles ehrenamtliches Engagement. Seit 1998 betreut Steinl das Archiv des Grafenhauses zu Solms-Laubach. In den vergangenen Jahren wurde er dabei tatkräftig von seiner Frau Marlies unterstützt.

Dabei gelang es Steinl mit viel persönlichem Einsatz, das gräfliche Archiv durch regelmäßige Öffnungszeiten für die historische Forschung zugänglich zu machen, die Bestände zu erschließen und für geeignete Lagerungsbedingungen zu sorgen. "Ein sichtbarer Ausdruck dieser im Ehrenamt erzielten Leistungen ist etwa die 2005 erfolgte Verleihung des Hessischen Archivpreises an Gerhard Steinl", führte die Landrätin aus. Zuvor hatte bereits der Graf die Verdienste Steinls hervorgehoben: "Danke, dass sie damals, als wir uns kennenlernten, hartnäckig geblieben sind!"

Musikalisch eröffnet wurde die kleine Feierstunde durch Wolfgang Schuldt am Flügel mit einem Stück von Claude Debussy. Die Aufzählung der von Steinl geleisteten archivarischen Arbeiten nahm dann breiten Raum ein: Die 2010 begonnene Zusammenarbeit des gräflichen Archivs mit dem Hessischen Staatsarchiv Darmstadt zählt dazu ebenso wie die Neuverzeichnung, Verpackung und Digitalisierung der insgesamt 687 solms-laubachischen Urkunden zu den archivalischen Besonderheiten. Darüber hinaus ist Steinl rege im Freundeskreis Kloster Arnsburg aktiv tätig. Er zeichnete sich außerdem durch seine Kenntnisse zu den gesamtgeschichtlichen Zusammenhängen im oberhessischen Raum aus, die u. a. in dem von ihm verfassten Buch "Münzenberg im 17. Und 18. Jahrhundert" zum Ausdruck kommen.

Nachwelt profitiert

In seiner Heimatstadt Hungen engagierte sich Steinl in der evangelischen Kirchengemeinde, wo er in den Neunzigerjahren die auf dem Dachboden notdürftig verwahrten Archivalien sichtete und ordnete. 1997 stellte er ein dazugehöriges Findbuch zusammen.

Auch um den Erhalt sudetendeutschen Kulturguts machte sich Steinl verdient: Er verzeichnete den sehr umfangreichen und wertvollen Nachlass von Dr. Alfred Riedl aus Graslitz, der 20 große Umzugskisten umfasste und den er schließlich dem Sudetendeutschen Archiv in München übergab, um ihn für die Nachwelt zu sichern. Auch Hungens Bürgermeister Rainer Wengorsch, Laubachs Erste Stadträtin Isolde Hanak und Laubachs Stadtverordnetenvorsteher Joachim Kühn und Uwe Müller vom Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg führten die besonderen Verdienste Steinls an.

Der Geehrte selbst blieb bescheiden und sagte, dass er den Ehrenbrief am liebsten "halbieren möchte", denn seine Frau Marlies habe die meisten der 43 000 Aktenfaszikel im Computer aufgenommen, sodass sämtliche Archivalien des gräflichen Archivs durch einfache Suchfunktionen aufzufinden sind. Die wichtigste Aufgabe eines Archivs bestehe darin, für den Nutzer brauchbar zu sein. Der Umstand, dass seine Familie 1946 durch die Vertreibung aus dem Erzgebirge alles verloren habe, habe seine Eltern veranlasst, ihm eine gute Schulausbildung zu ermöglichen. Von seinem Wissen wolle er der Gesellschaft etwas zurückgeben.

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