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Die meisten Tiere, die auf dem Gnadenhof bei Laubach leben, sind einige Zeit vernachlässigt worden. Jetzt gibt es eine neue Perspektive - für die Tiere und für die Betreiber der »Felloase«.

Tierschutz

„Es ist echt Wahnsinn“: Riesige Welle der Hilfsbereitschaft rettet Gnadenhof „Felloase“

  • VonConstantin Hoppe
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Der Gnadenhof »Felloase« im Kreis Gießen stand kurz vor dem Aus. Was dann passierte, ist unglaublich: Eine Welle der Hilfsbereitschaft aus ganz Deutschland rollt über den Hof.

Laubach – Eine Welle der Solidarität erfasste in den vergangenen Wochen den Gnadenhof »Felloase« bei Laubach. Vor einigen Wochen hatte ein Bericht über die schwierige Situation auf dem Hof für viel Resonanz gesorgt. Es ging um im Zuge der Coronapandemie entstandene Mietschulden bei dem Betreiberpaar Bernd Seibert und Dunja Marcinkowski. Sie hatten ihren Gnadenhof über eine Hundepension und einen Kiosk an der B 276 finanziert, in dem sie unter anderem Futter und Pflegeprodukte für Hunde verkauften. Den Kiosk gibt es nicht mehr. Die beiden »Tiernarren«, wie sie sich selbst bezeichnen, befürchteten das Schlimmste: Die Schließung des Hofs und die ungewisse Zukunft der mehr als 70 Tiere - oft aus schlechter Haltung -, die hier ein Zuhause gefunden hatten.

700 Kilogramm Futter auf einem Anhänger für Gnadenhof »Felloase« im Kreis Gießen

Doch dies konnte mittlerweile abgewendet werden: Auf die Situation auf dem Hof aufmerksam geworden, rollte eine wahre Welle der Solidarität durch zahlreiche Leser heran. »Ich konnte das erst gar nicht glauben«, berichtete Inhaber Bernd Seibert. »Bereits am Nachmittag, nachdem der Bericht erschienen war, standen die ersten Leute mit Futterspenden hier auf dem Hof.«

In den folgenden Tagen und Wochen kamen noch zahlreiche weitere hinzu. Erst vor einer Woche kam beispielsweise eine Spende der Tiertafel Gelsenkirchen in Laubach an - ein Pkw-Anhänger, gefüllt mit fast 700 Kilogramm Futter.

Doch dabei sollte es nicht bleiben: Hilfsangebote erreichten den Gnadenhof - immer mehr Menschen meldeten sich und wollten den Hof unterstützen, auch bei den anfallenden Arbeiten. »Es haben sich sogar Personen aus Koblenz und dem Bodenseeraum gemeldet, die vorbeikommen und uns helfen wollen«, ist Seibert überwältigt. »Es ist echt Wahnsinn, was sich da getan hat.«

Gnadenhof »Felloase« im Kreis Gießen: Unterstützerverein gegründet

Auch die Frage nach Tierpatenschaften wird gestellt. Den Betreibern des Gnadenhofs tut die vielfältige Unterstützung gut - von dem mitgenommenen Eindruck, den beide im Mai machten, ist kaum etwas übrig geblieben.

Mittlerweile hat sich zudem ein Verein gegründet, der sich unter anderem die Förderung des Gnadenhofs zum Ziel gesetzt hat, sich aber auch um die Förderung alter Nutztierrassen kümmern möchte. Die erste Vorsitzende des neuen Vereins Stefanie Nowak unterstützt den Gnadenhof bereits seit längerer Zeit.

Inzwischen hilft sie den Betreibern der »Felloase« auch bei der Organisation und Annahme der Spenden. »Es gibt unfassbar viele Spenden und Hilfsangebote aus ganz Deutschland - das muss auch koordiniert werden«, erklärt sie. In naher Zukunft - vermutlich im September - will der Verein auch ein Hoffest auf dem Gnadenhof organisieren, mit dem man sich bei allen Spendern und Unterstützern bedanken möchte.

Auch die Messe Gießen unterstützt den Gnadenhof »Felloase«

Unterstützung kommt auch aus Gießen: Denn dort wurde die M.A.T. Objekt GmbH/Messe Gießen auf die Nöte des Gnadenhofs aufmerksam. »Wir haben sofort Hilfe angeboten«, berichtet Pascale Watermann, Organisationsleiter Gastveranstaltungen und Service bei der Messe. »Wir werden einerseits Helfer vermitteln und ein paar Arbeiten auf dem Gelände übernehmen, aber vor allem haben wir eine Idee für eine Spendenaktion.« Am 1. August soll wieder ein Antik- und Trödelmarkt an den Hessenhallen stattfinden - so fern die Pandemie-Situation dies zulässt. Dabei will man dem Gnadenhof Stände und Mobiliar zur Verfügung stellen, damit ehrenamtliche Helfer dort Waren zugunsten der »Felloase« verkaufen können. Dafür wird um Spenden gebeten. An den Hessenhallen können sofort Sachspenden (kein Tierfutter) abgegeben werden - diese werden bis zur Durchführung des ersten Marktes gesammelt und dort verkauft. Der Erlös geht zu 100 Prozent an den Gnadenhof. Zudem wird es vor Ort die Möglichkeit geben, Geldspenden an die »Felloase« zu übergeben.

Spenden für Gnadenhof »Felloase« im Kreis Gießen

Wer den Gnadenhof unterstützen möchte, sei es durch Futterspenden oder auf andere Weise, kann sich per E-Mail an hundezentrum.laubach@gmail.com oder stefanienowak1@freenet.de wenden oder direkt bei den Betreibern anrufen. Dies ist unter Tel. 0 15 25/1 52 37 28 oder 0 15 25/1 56 10 45 möglich.

Für den Antik- und Trödel-Markt am 1. August sucht die Messe Gießen bereits nach Sachspenden zur Unterstützung des Gnadenhofs »Felloase« bei Laubach. Diese können auf dem Messegelände an der Hessenhalle abgegeben werden. Das Büro ist von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr besetzt. In diesen Zeiten kann man sich dort melden, anschließend wird der Zugang zur Halle 5 gewährt, dort werden die Sachspenden gesammelt. Zwischen 8 und 9 Uhr sowie 15 und 17 Uhr kann auch der Hausmeister vor Ort kontaktiert werden. Seine Telefonnummer steht am Eingang. Er wird dann die Halle 5 öffnen. Es wird um das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bei Abgabe der Sachspenden gebeten. Zudem helfen die Hausmeister beim Entladen. Falls jemand mehrere Dinge abgeben möchte, so kann dies mit Roll- oder Hubwagen unterstützt werden. (con)

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