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Begegnung in aller Freundschaft

  • vonKarl-Josef Graf
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Laubach(kjg). Mit der Bühnenshow "Rares für Bares" war der Schauspieler Michael Trischan, bekannt als "Hans-Peter Brenner" aus der Krankenhausserie "In aller Freundschaft", am Samstag in der Sport- und Kulturhalle in Laubach zu Gast. Dort hatte er - coronabedingt - gleich zwei Auftritte, allerdings mit jeweils reduzierter Besucherzahl.

Barbara und der Rhabarberkuchen

Blödeleien, Anekdoten, Zungenbrecher, Schnellsprechverse, Witze und kleine Geschichten, oftmals wenig bekannte Raritäten von interessanten Autoren, gekonnt in seiner bekannten Art als Schauspieler dramaturgisch vorgetragen, begeisterten das Publikum und brachten Trischan immer wieder Szenenapplaus ein - darunter etwa der Zungenbrecher von Barbaras leckerem Rhabarberkuchen. Der ging in etwa so: "In einem kleinen Dorf, da lebte einst ein Mädchen mit dem Namen Barbara, und Barbara war überall für ihren wunderbaren Rhabarberkuchen bekannt, deshalb nannt man sie auch Rhabarberbarbara." Das Werk gipfelte darin, "... mit einer Flasche eisgekühlten Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbiers" anzustoßen. "Und jetzt bin ich selbst in Stolpern gekommen", schmunzelte Trischan. So begeisterte er mit Charme, Humor und Verve mit kleinen Dingen, Texten oder Vierzeilern immer wieder das Publikum. Seine Pointen, die Auswahl der Texte und die kleinen Kostproben seines Witzes brachten die Zuhörer zum Schmunzeln, zum Lachen und zum spontanen Beifall.

Bevorzugte Autoren waren Wolfgang Borchert, Hanns Dieter Hüsch, Kurt Tucholsky und Joachim Meyerhoff, dessen kurze Geschichte "Der Nussknacker" von Trischan performt wurde. Es waren vordergründig nicht die Geschichten, die die Menschen zum Lachen brachten, sondern die Art des Vortrages, der Dramaturgie. In Erinnerung bleiben Felix Hasler, der nur Sauerkraut aß, und sein Bruder, der Cello spielte - nur in seinen Gummistiefeln. Zur Vernissage von Felix Hasler, der Bildhauer und Landwirt war, kamen alle in Gummistiefeln, von denen sie sich monatelang nicht trennen konnten.

Die Sache mit "Schischyphusch"

Der Höhepunkt des Vortrages war "Schischyphusch oder Der Kellner meines Onkels", eines der frühen Werke von Wolfgang Borchert. Darin wird heiter und humorvoll aus der Sicht eines kleinen Jungen die Begegnung zweier unterschiedlicher Menschen auf dramatische Art geschildert. Die beiden haben nur eines gemeinsam: sie lispeln. Der Onkel, der kleine Junge und seine Mutter besuchen ein Gartenlokal und treffen dort auf den Kellner. Onkel und Kellner lispeln - der Onkel aufgrund einer Kriegsverletzung, der Kellner seit der Geburt.

Bei der Abgabe der Bestellung durch den Onkel, die der Kellner wiederholt, fühlen sich beide nachgeäfft und gekränkt. Es kommt zum Eklat, weil der Onkel den Wirt sprechen will, und der Kellner sich klein wie ein Wurm gedemütigt fühlt. Das klärt sich erst auf, als der Kellner seinen Pass zeigt, in dem sein Sprachfehler dokumentiert ist.

Danach zeigt der Onkel seinen Kriegsversehrtenausweis vor, in dem seine Sprachstörung durch die Schussverletzung bezeugt ist. Nach mehreren Runden Asbach kommen sich die beiden näher und werden Freunde.

Es war nicht nur der Prosatext, der das Publikum auch bei dieser Geschichte abermals zum Lachen brachte, sondern hauptsächlich die Art des Vortrages von Michael Trischan.

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