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Laubachs Ramsberg: Auf der Zeichnung eines unbekannten Malers von 1870 sind bereits die Obstwiesen zu sehen. (Repro: Winter)

Baumpaten für den Ramsberg

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Obstbäume am Ramsberg - seit Jahrhunderten prägen sie Laubachs Stadtbild. Doch in den letzten Jahrzehnten waren die Bestände bedroht. Dank vieler engagierter Gruppen sieht es für die Obstwiesen inzwischen wieder gut aus.

Der Laubacher Ramsberg ist seit langer Zeit ein Treffpunkt. Bereits vor 150 Jahren feierten die Bürger hier das Reformationsfest. Bis heute gehalten hat sich die Tradition, an Pfingsten zum Kaffeekochen auf den Hausberg zu wandern.

Nur die wenigsten Besucher wissen jedoch, dass die Streuobstwiese um 1870 von dem Botaniker Professor Hermann Maximilian zu Solms-Laubach angelegt wurde. Die unterschiedlichen Obstbäume wurden alle in einem sanften Bogen nach Südwesten ausgerichtet, um möglichst viel Sonnenlicht einfangen zu können. Es gab dort Quellen, Teiche und eine Mühle. Im Mittelalter befand sich hier der Siedlungsplatz Oberlaubach.

Otto Graf zu Solms-Laubach (1926-1973) verkaufte dereinst die Fläche an die Stadt Laubach - zu einem "Kulanz-Preiß" und samt der Vereinbarung, dass das "Baumstück Baumstück bleibt".

Während heute Streuobstwiesen vor allem als Hobby gelten, hatten sie einst eine wichtige Funktion. Die Äpfel etwa trugen dazu bei, Hungersnöte zu überbrücken. Doch schon seit vielen Jahrzehnten hat in den Supermärkten angebotene Ware von Plantagen aus Süddeutschland oder gar Neuseeland das heimische Obst verdrängt.

Seit 1996 kümmert sich die Landschaftspflegevereinigung Gießen um den Ramsberg, das heißt um den Erhalt der Streuobstwiese sowie der angrenzenden Magerrasenflächen. Zunächst wurde das Projekt durch eine Ausgleichsabgabe und Förderung des Landschaftspflegeprogramms "HALM" finanziert. Danach übernahm die Stadt Laubach die Kosten.

Zu Beginn standen 112 überalterte Bäume auf dem Areal. Mit einem speziellen Erhaltungsschnitt konnten sie gerettet werden, dienen nun Vögeln und Insekten als Lebensraum. Laubacher Vereine übernahmen gegen eine Obolus die Pflege. Der Villinger Schäfer Ottmar Wirth zieht mit seinen rund 500 Tieren dreimal im Jahr über die Fläche. Dies ist nicht nur ein schöner Anblick, sondern beugt auch der Verbuschung vor.

Der NABU Laubach hat Nisthilfen an den Bäumen angebracht. Neben vielen Singvogelarten wurden aber auch Fledermäuse gesichtet; bis zu 80 Naturhöhlen bieten ihnen Wohnraum. In Zusammenarbeit mit den Villinger Naturschützern sollen vor Waschbären sichere Nistkästen angebracht werden, um den Gartenrotschwanz zu retten. Entwickelt hat die Kästen der Inheidener Rainer Brück.

"Leider hat heimisches Obst heute nicht mehr den Stellenwert in der Ernährung der Bürger", bedauert die Naturlandstiftung des Landkreises Gießen. Daher wurden und werden Paten gesucht, die die Bäume pflegen und das Obst ernten wollen. Uwe Stöckl und Elvira Pesch konnten zusammen mit Horst Wagner bereits einige Bürger für das Projekt gewinnen.

Damit die Paten auch wissen, was sie tun müssen, werden Schnittlehrgänge angeboten. "Es ist eigentlich gar nicht so schwer, einen Baum in Form zu behalten. Äste, die nach innen wachsen und Wasserschösslinge sollten auf jeden Fall entfernt werden", erklärt Ottfried Weber, Vorsitzender der Naturlandstiftung.

Die gemeinnützige Gesellschaft für Integration, Jugend und Berufsbildung GmbH Gießen IJB erntet das Obst der Bäume, für die es noch keine Paten gibt. Nach dem Keltern beim Obst- und Gartenbauverein Queckborn wird der Apfelsaft in der Stadtverwaltung Laubach verkauft.

Das Projekt "Streuobstwiese Ramsberg" macht Hoffnung, dass Obstwiesen im heimischen Raum in ihrem Bestand erhalten werden können, wenn sich Menschen aus verschiedenen Institutionen zusammenfinden und an einem gemeinsamen Ziel arbeiten, ist sich die Naturlandstiftung sicher.

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