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Einige der für ein kleines Baugebiet in Laubachs Kernstadt, zwischen Schlosspark und Adolf-Wieber-Straße, gefällten Bäume.

»Bauland vor Naturschutz«

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach (tb). Nur zwischen dem 1. Oktober und 28. Februar darf gemäß Bundesnaturschutzgesetz die Säge sägen. Zum Schutz brütender Vögel darf demnach kein (größerer) Baum gefällt werden. Klar aber auch: Bei Gefahr für Leib und Leben gilt eine Ausnahme von besagter Regel, ebenso wenn Baumaßnahmen anstehen. Beides macht die Stadt Laubach geltend, da nun Kritik an den Fällungen für ein kleines Baugebiet in der Kernstadt aufkommt.

Zwischen Schlosspark und Adolf-Wieber-Straße wurden acht große Buchen und Fichten sowie ein knappes Dutzend kleinerer Bäume umgesägt.

Alles in Ordnung also, wie die Stadt meint? Aus Kreisen der Anwohner kommt da heftiger Widerspruch. Eine Nachbarin hat Anzeige erstattet, Untere Naturschutzbehörde (UNB) und Polizei eingeschaltet. Zumindest was die großen Bäume angeht, handele es sich um einen Verstoß gegen den Tierschutz, wird unter Hinweis etwa auf Spechthöhlen erklärt. Ob des naturschutzfachlich hohen Wertes hätte es eines Gutachtens, der Genehmigung durch die UNB bedurft; auch um etwaige Ausgleichsmaßnahmen festzulegen. Das aber habe die Stadt versäumt, »hintenrum« die Arbeiten ausführen zu lassen. Zugunsten der Bauwilligen, zulasten des Naturschutzes.

Weiter: Vom Bürgermeister vorgebrachtes Argument »Verkehrssicherungspflicht« ziehe hier nicht, sei doch gar kein Weg in der Nähe. Schließlich: Wiewohl zugesagt, habe es den Vorab-Termin vor Ort, um auf Baumhöhlen hinzuweisen, nicht gegeben. Eine Kritik, die auch von den Grünen geteilt wird. Deren Sprecher Michael Köhler: »Wenn es um Naturschutz geht, sollte die Stadt Vorbild sein. Adolf Wieber dreht sich im Grab um.«

Versäumnis eingeräumt

Verwaltungschef Peter Klug hält dem ein »übergeordnetes Interesse« an Bauland entgegen. Was bekanntlich schwierig sei, solange die Einschränkungen des IKEK-Programms (Innenverdichtung statt Neubaugebiete) gelten. Für die künftigen Eigenheimbesitzer hätten die hohen Bäume zudem sehr wohl eine Gefahr bedeutet. Für die Fläche unterhalb der Kita »Weltentdecker«, so Klug weiter, sei man sich mit Grundeignern einig geworden, könnten sieben Einfamilienhausparzellen entwickelt werden. Für alle gebe es bereits Anfragen. - Anstehende Bauleitplanung dürfte, zumal von der oppositionellen SPD beantragt, mit breiter Mehrheit das Parlament passieren. Was ebenso dafür spricht: Der Magistrat hatte Kenntnis von der Fällung.

Martin Bouda, Fachbereichsleiter Bauen, ergänzte zunächst, dass es zuvor sehr wohl eine naturschutzfachliche Prüfung gegeben habe. Nicht nur einmal sei der dafür ausgebildete städtische Gärtnermeister vor Ort gewesen. »Er hat sich jeden Baum angeschaut, da war nichts drin.«

Mit dem Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans werde im Übrigen eine weitergehende Begutachtung einhergehen. Dass von den Häuslebauern in spe das Argument einer Verschattung geplanter PV-Anlagen angeführt worden sei, fügte Bouda noch an. Um am Ende doch einzuräumen, dass es in der Kommunikation mit einer Anwohnerin ein Versäumnis gegeben habe. Im Zuge der Bauleitplanung, wenn es um Grünordnung und eventuelle Anpflanzungen niederkroniger Bäume gehe, werde er jedoch gerne die Nachbarn einbinden.

Grundsätzlich, so der Amtsleiter am Ende, würde er sich eine klare rechtliche Grundlage wünschen, unter welchen Kriterien ein Fällgenehmigung erforderlich ist. Sei es seitens der Naturschutzbehörden, sei es seitens der Stadt in Gestalt einer Baumschutzsatzung.

Laut Auskunft der Kreispressestelle hat sich die UNB vor Ort umgeschaut. Bleibt abzuwarten, ob im Ergebnis ein Rechtsverstoß (etwa keine Begutachtung), eventuell gar mit einem Bußgeld bewehrt, erkannt wird.

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